09.07.2017 - 14:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

CDU-Hoffungsträger Jens Spahn in Weiden Spahn-ende Zeiten

Schuhgröße 49, Körpergröße 1,92 Meter: Jens Spahn gilt als großer Hoffnungsträger der Union. In Weiden stellt sich der 37-Jährige Staatssekretär bei einer CSU-Veranstaltung vor. Vor allem ein Thema emotionalisiert.

Standhaft wie eine deutsche Eiche: Das Geschenk von Albert Rupprecht (links) an Jens Spahn hatte Symbolcharakter. Bild: Werner
von Frank Werner Kontakt Profil

Kaum ein CDU-Politiker ist derzeit häufiger in Talkshows zu Gast als Jens Spahn. Der Finanz-Staatssekretär aus dem Münsterland ist einer der größten Merkel-Kritiker in der Flüchtlingsfrage. "Er hat das Potenzial für jedes Amt, außer Bundespräsident vielleicht. Dafür ist er zu wenig präsidial", lobt CSU-Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht den Kollegen. Die beiden Politiker sind vor 15 Jahren gemeinsam in den Berliner Reichstag gezogen.

Am Sonntag steht Spahn rund 100 Zuhörern in der Weidener Max-Reger-Halle auf Einladung von Rupprecht Rede und Antwort. Vor allem die vor gut einer Woche vom Bundestag beschlossene "Ehe für alle" elektrisiert den Saal. "Der Begriff ist dämlich", schimpft der Jung-Politiker. "Öffnung der Ehe" treffe es besser. "Widernatürlich" nennt ein Zuhörer die Ehe zwischen Homosexuellen. Spahn, der seit 2013 mit dem Leiter des Berliner Hauptstadtbüros der Zeitschrift "Bunte" liiert ist, reagiert emotional: "Das ist ja keine Entscheidung. Man wird nicht wach und stellt fest: Ich stehe auf einen Mann." Ihm gehe es um die Verbindlichkeit in einer Beziehung, die auch Stabilität für den Staat bedeute.

Verständnis wecken

Spahn: "Ich glaube nicht, dass ein Kind weniger geboren wird, wenn zwei Männer oder zwei Frauen heiraten." Spahn setzt sich auch dafür ein, Familien zu stärken. Dies werde eines der Top-Themen in der Union für die nächste Legislaturperiode sein. Nach der Diskussion zeigt sich Spahn im Gespräch mit unserer Redaktion zufrieden mit der Debatte über das Thema "Ehe für alle". "Ich komme ja selbst aus dem katholischen Münsterland, aus einer 3700-Seelen-Gemeinde. Wir schaffen nur Verständnis und Nachdenken, wenn wir miteinander reden. Wenn so etwas durch Veranstaltungen wie heute geschaffen wird, dann ist es doch gut."

Linksextreme bekämpfen

Gar nicht gut zu sprechen ist der Staatssekretär auf die Krawalle rund um den G20-Gipfel in Hamburg. "Linksfaschisten" nennt er wiederholt die Gewalttäter. Das eigentliche Problem im Umgang mit Linksextremismus in Deutschland sei, "dass das viel zu sehr verharmlost wird, gerade auch von Teilen von SPD, Grünen und Linken", meint Spahn gegenüber unserer Redaktion: "Das war Hass. Wir müssen mit der gleichen Härte gegen den Linksextremismus vorgehen wie gegen den Rechtsextremismus. Wenn das eine Lehre aus Hamburg wäre, dann hätten wir schon ziemlich vielleicht erreicht."

Es könne nicht sein, dass in einer großen deutschen Stadt kein Gipfel mehr abhalten werden könne. Spahn: "Offensichtlich ist aber in Teilen der Hamburger Politik unterschätzt worden, wie groß das Krawallpotenzial ist. Es hat ja der Hamburger Bürgermeister auch gesagt, das wird so ähnlich wie das Hafenfest ablaufen. Das war offenkundig eine Fehleinschätzung und das muss man jetzt aufarbeiten." Heftige Kritik äußert er auch an der Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien: "Mich ärgert, dass man da von Aktivisten spricht. Da werden Menschen verletzt und Autos zerstört. Das sind gewalttätige Idioten. Und so muss man sie dann auch im Fernsehen benennen."

Drittes heißes Eisen am Sonntag in Weiden: das Thema Migration. Spahn fordert, die Mittelmeer-Route "endlich zu schließen". Es sei in Ordnung, Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Dies dürfe aber nicht automatisch eine "Freifahrt nach Europa" bedeuten. Deutliche Worte kommen von Spahn auch zum Begriff Obergrenze: "Ich sage es ganz ehrlich: 200 000 jedes Jahr ist mir viel zu hoch." Er halte nichts von einer fixen Zahl. "In Zeiten, in den es uns gut geht, können wir uns das leisten: Aber was ist bei fünf Millionen Arbeitslosen in Deutschland?"

Ich glaube nicht, dass ein Kind weniger geboren wird, wenn zwei Männer oder zwei Frauen heiraten.Jens Spahn, CDU-Bundestagsabgeordneter

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