04.03.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Dann riss die Serie ab - Hohe Tötungsquote im "Lebensqualität-Atlas 2003" nicht nachvollziehbar: Der letzte Mord vor neun Jahren

Einen "Krampf" nennt's spontan ein Sprecher der Polizei. Die vergleichbar niedrige Lebenserwartung in Weiden sei auch zurückzuführen auf die hohe Quote an Mord und Totschlag, hat die GP-Forschungsgruppe aus München in einer aktuellen Studie veröffentlicht. Im Durchschnitt würden demnach 0,93 von 10000 Weidenern ermordet.

von Redaktion onetzProfil

Dabei liegt der letzte Fall in der Stadt Weiden fast zehn Jahre zurück: Die junge Sekretärin Kerstin S. (20) wurde im April 1995 in Weiden-Ost von ihrem Ex-Freund mit einem Kabel erdrosselt. Auch der letzte "richtige Mord" im Landkreis Neustadt liegt weit zurück: Ebenfalls 1995 wurde Kenan Arap-Arif, ein 21-jähriger Türke aus Windischeschenbach, grausam zugerichtet und ermordet. Das Motiv: Familienehre. Angeblich hatte Kenan ein Verhältnis zur 13-jährigen Schwester des Haupttäters, einem Landsmann.

1995 plötzlich Schluss

1995 riss die Serie an Gewaltkriminalität dieser Art dann plötzlich ab. Eine Erklärung hat Polizeisprecher Thomas Gallei dafür nicht, möglicherweise schrecke der Verfolgungsdruck ab. Immerhin blieb keines der Tötungsdelikte seit 1990 ungeklärt.

Bei der GP Forschungsgruppe (Institut für Grundlagen- und Programmforschung) in München pocht man dennoch auf die Richtigkeit des Zahlenmaterials. Die Zahlen für den "Lebensqualität-Atlas 2003" würden von den Landeskriminalämtern stammen und auf der Kriminalitätsstatistik von 2001 beruhen. Demnach hätte es 2001 in der Stadt Weiden vier Fälle von Mord und Totschlag gegeben. Das mache bei 43000 Einwohnern eine Quote von 0,93 auf 10000.

Ist Weiden gefährlich?

"Damit liegt Weiden schon ziemlich an der Spitze", vergleicht ein Sprecher der Forschungsgruppe. "In Kempten im Allgäu zum Beispiel war gar nichts. Im Kreis München bei 295000 Einwohnern nur drei Fälle." Lebt es sich in Weiden so gefährlich? Der Münchner will beruhigen. "Höhere Quoten haben zum Beispiel Deggendorf mit 0,95 oder der Landkreis Neustadt an der Waldnaab mit zehn Fällen von Mord und Totschlag im Jahr 2001." Na bravo.

Thomas Gallei, dem Sprecher der Polizeidirektion Weiden, sind diese Zahlen nicht geheuer. Er hat für den NT im Kriminalarchiv geblättert. Sein Ergebnis: Im betreffenden Jahr 2001 zählte die Polizei im gesamten Direktionsbereich (also Stadt Weiden und die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth) neun Versuche von Mord und Totschlag. In allen Fällen blieb es aber beim gescheiterten Versuch.

Mord um einen Pfennig

Stark im Gedächtnis sind den Bürgern der Stadt die schweren Kriminalfälle der 80er Jahre geblieben. Unvergessen und ungeklärt ist noch immer der Tod des Nachtclubbesitzers Walter Klankermeier, der im Juni 1982 in einem Waldstück bei Bechtsrieth ermordet aufgefunden wurde. Entsetzen löste der Raubmord an der zehnjährigen Eva Hammer aus, die am 26. November 1985 vom Weidener Metzgerlehrling Martin G. (17) in ihrem Elternhaus am Unteren Markt erstochen wurde. Der 17-Jährige war in Geldschwierigkeiten und kam zufällig am Haus vorbei. Er sah Licht, die Tür war unverschlossen. Im Wohnzimmer stieß er auf das schlafende Mädchen. Als die Zehnjährige um Hilfe rief, stach er mit einem Messer in die Halsschlagader und knotete ihr die Schlafanzughose um den Hals. Der Mörder "erbeutete" zwei Geldbomben. Inhalt: ein Pfennig.

Zwei Mal lebenslang

Am Versuch zum perfekten Mord scheiterte Werner Niedermeier 1983. Der Weidener Selfmade-Man erdrosselte im August 1983 seine Frau Penpiya, eine thailändische Stewardess aus gutem Hause, um mit der Lebensversicherung seinen Geldnöte beizukommen. Im Juli 1984 verurteilte ihn das Gericht zu lebenslanger Haft, nach Ablehnung eines Wiederaufnahmeantrags nahm sich Niedermeier im August 1987 das Leben mit einer Überdosis von Herzmedikamenten.

Ebenfalls in den 80ern, am 24. Januar 1986, erdrosselte der Weidener Peter F. seine Frau Petra im Büro neben dem gemeinsamen Plattenladen in der Unteren Bachgasse. Mit seiner neuen Freundin vergrub er die Leiche zunächst, holte sie wenige Tage später zurück und trennte die gefrorenen Gliedmaßen ab, um sie in Abfalltonnen an der A93 zu verstecken. Drei Monate später verhaftete ihn die Polizei. Das Urteil lautete auf lebenslange Haft.

 

 

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