17.01.2018 - 18:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

DB Netze nimmt Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg in Angriff Lärmschutz am Fahrplan

Die Planung für die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Hof nach Regensburg kann beginnen - mit Lärmschutz. Der Teufel steckt im Detail, meinen die Oberpfälzer Abgeordneten.

Kissen hat sich Bernhard Franke aus Lorch während der dritten Anti-Bahnlärm-Demonstration in Rüdesheim (Hessen) vor einem Plakat mit der Aufschrift "Lärm ist teurer als Lärmschutz" an den Ohren befestigt. Bild: Arne Dedert/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Der Ausbau des Bahnnetzes in Bayern schreitet voran", freut sich Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann. "Die Planungen können jetzt starten." Die DB Netz habe vom Bund erste Planungsmittel für die Elektrifizierung der Strecke von Regensburg nach Marktredwitz zugesagt bekommen. Nach ersten Schätzungen kosten die Infrastrukturmaßnahmen rund 800 Millionen Euro. Eine genauere Berechnung soll nun durch die Vorplanung ermittelt werden. Herrmann: "Die Deutsche Bahn soll die Planungen zügig, aber auch gründlich und vor allem mit maximaler Transparenz und Öffentlichkeitsbeteiligung vorantreiben."

Rupprechts Anteil

Für den Weidener Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht (CSU) die erwartbar gute Nachricht: "Neu ist die klare Aussage der Deutschen Bahn, dass sie mit Lärmschutz plant." Dies habe ihm Klaus-Dieter Josel, DB-Konzernbevollmächtigter für Bayern, nach der Grundsatzentscheidung von Ex-Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt schriftlich zugesichert. Die bereits beantragte Planfeststellung für den Abschnitt Hof-Marktredwitz habe man ausgesetzt, um die Schallschutzplanung anzupassen. "Für den Streckenabschnitt Regensburg-Weiden-Marktredwitz werde man "die Elektrifizierung von vornherein mit einem Schallschutz nach den Standards der Lärmvorsorge planen". Zudem sei eine frühe Öffentlichkeitsbeteiligung und ein "Koordinierungsrat" mit Mandatsträgern und Verbandsvertretern vorgesehen.

"Da sage ich ganz selbstbewusst", beschreibt Rupprecht seinen Anteil am Erfolg, "ich war an vorderster Front dabei." Er sei aber auch nicht blauäugig, das Projekt werde die Region über Jahre beschäftigen. "Bürgermeister und Landräte können sich jetzt einbringen." In ihrer Ostbayern-Resolution hätten die Mandatsträger Vorschläge gemacht, wie sie sich die Beteiligung vorstellen.

Schieders Skepsis

Auch SPD-Kollegin Marianne Schieder freut sich, dass die Planung beginnt: "Wir werden alles tun, damit es schnell vorangeht." Die Chancen dafür stünden gut, weil die Bahn ein vorrangiges Interesse an diesem Ausbau habe. Im Sinne der Akzeptanz, die solche Großprojekte bräuchten, begrüßt die Parlamentarische Geschäftsführerin Informationsveranstaltungen der Bahn: "Zusagen kann man aber erst machen, wenn man weiß, was gemacht werden muss."

SPD-Bahn-Experte Martin Burkert rechne mit einer raschen Umsetzung des Projekts: "Zwei, drei Jahre" seien realistisch, meint Schieder. "Die Bahn betreibt das mit Vorrang und der Bund hat gerade Geld." Die Mehrkosten infolge von Dobrindts Zusicherung aus dem Wahlkampf, dass der Lärm-Standard wie bei einem Neubau angewandt werden soll, müsse der Bund bezahlen.

Wie dieser Beschluss umgesetzt werde, sei Schieder zufolge noch völlig unklar: "Die Bahn legt die Planung vor, das Eisenbahnbundesamt muss entscheiden, ob diese den rechtlichen Vorgaben entspricht." Der Teufel stecke im Detail. "Keiner weiß, was das Projekt kosten wird, es gibt nur Schätzungen." Umso schwieriger die Einschätzung, wie aufwendig der Lärmschutz werde. "Es können sich schreckliche Abgründe auftun", warnt die Oberpfälzerin, "wenn ich da an die Brücke in Wernberg denke, kann ich mir kaum vorstellen, dass die für die Elektrifizierung taugt."

Elektrifizierung Regensburg-Hof

Die Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg-Hof wurde 2016 in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Für den Abschnitt Marktredwitz-Hof laufen die Vorplanungen bereits seit einiger Zeit. Die bislang nur mit dieselbetriebenen Zügen befahrene zweigleisige Strecke soll künftig vor allem die vielbefahrenen, bereits elektrifizierten Nord-Süd-Strecken entlasten. Elektrischer Zugverkehr erleichtert die Umleitung von Güterzügen, die vor allem wegen ihrer höheren Leistung von Elloks gezogen werden. Bis zum Jahr 2030 möchte die Deutsche Bahn zudem ihr Inter-City-Netz ausbauen. Dann könnten erstmals nach Abschaffung der InterRegios wieder Fernverkehrszüge im Zwei-Stunden-Takt auf der Naabtalstrecke fahren. Als Voraussetzung dafür hat die Bahn allerdings ebenfalls eine Elektrifizierung genannt. Kritiker befürchten jedoch, dass die Region vor allem unter Güterzuglärm leiden wird. (räd)

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