10.10.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Die gebürtige Weidenerin Judith Bogner Grüne DNA im Blut

Mühldorf am Inn/Weiden. Groß geworden ist sie im Umfeld des Kampfes gegen die WAA in Wackersdorf. "Meine Eltern haben mich grün erzogen", lacht Judith Bogner. Kein Wunder also, dass die frühere Weidenerin bisher immer die Grünen gewählt hat. Jetzt ist sie dort selbst aktiv. Beim Landesparteitag am Wochenende in Deggendorf trat sie überraschend im Rennen um den Vorsitz an, kam dabei aus dem Stand immerhin auf fast 22 Prozent der Stimmen (wir berichteten). "Ich habe mir gar nichts erwartet", meint die 49-Jährige: "Ich gehe ohne großes Ego rein". Die Resonanz auf ihre Antrittsrede war jedenfalls sehr positiv. "Vielleicht kam das erfrischend rüber, wenn ein Außenseiter antritt."

Judith Bogner. Bild: A. Weigel/dpa
von Frank Werner Kontakt Profil

Bogner macht deutlich, dass ihre Kandidatur nicht als Kritik an der Arbeit der Landesvorsitzenden Sigi Hagl gemeint gewesen sei: "Sie macht einen tollen Job, ich stehe voll hinter der Grünen-Spitze." Sie sei "unheimlich stolz" auf die Leistungen der Partei im Freistaat, "sie haben ja viel bewegt". Bogner will jetzt den Landtagswahlkampf voll unterstützen, sie ist im Bezirksverband Oberbayern aktiv. "Ich habe kein Interesse an großen Titeln. Mir geht es um den gemeinsamen Gedanken."

In ihrem Kreisverband Mühldorf am Inn ist sie als Strategin für Kommunikation und Social Media aktiv, arbeitete im Wahlkampfteam des Bundestags-Direktkandidaten Peter Uldahl und in der Grünen-Bundesgeschäftsstelle in Berlin als Moderatorin des 42 Stunden Endspurts. "Ich bin vertraut, Führungsrollen zu übernehmen", meint sie selbstbewusst. Bei den Grünen gebe es eine "flache Hierarchie", das habe ihren Quereinstieg deutlich erleichtert.

Vor 30 Jahren hat Bogner ihr Abitur am Elly-Heuss-Gymnasium in Weiden gemacht. Danach absolvierte sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und studierte anschließend Wirtschaftssinologie. "Ich bin ein Wandervogel", gesteht die Oberpfälzerin. Zehn Jahre arbeitet sie als Moderatorin bei Bloomberg TV in London. Ein Bein hat sie immer noch in der britischen Metropole, ist weltweit als Mediatorin aktiv. Ihre Ruhe findet sie in ihrem Haus in Mühldorf am Inn, das sie mit ihrem Mann vor knapp einem Jahr bezogen hat. Zwei Katzen gehören zu den Mitbewohnern, ein Bienenvolk ist ihre große Passion. Das Filmgeschäft gehört zu den weiteren Standbeinen der Grünen. Vor zwei Jahren stand Bogner in Wien mit Hollywood-Star Tom Cruise vor der Kamera. In "Mission: Impossible - Rogue Nation", dem fünften Teil der Action-Serie, hatte sie eine Nebenrolle. Zuletzt arbeitet sie als Erzählerin in der Netflix-Serie "What Happened to Monday?".

Ihre Grünen-Arbeit soll auf jeden Fall weiter eine Hauptrolle in ihrem Leben spielen. In ihrer Bewerbung für den Parteitag schreibt sie: "Auf meinen Stationen in China, Ukraine, Italien, Schweiz und zuletzt in Großbritannien habe ich mit wachsender Sorge miterlebt, wie Umwelt, Wirtschaft und soziales Gleichgewicht durch politischen Raubbau, Verantwortungslosigkeit und Mangel an Integrität zerstört werden. Im Vergleich zu anderen Regionen auf dem Globus ist Bayern für mich ein unschätzbares Asset an Schönheit, Frieden und Reichhaltigkeit im Herzen Europas. Bayern hat grüne DNA bereits im Blut - durch seine natürlichen Gegebenheiten, geographische Lage und Zivilgesellschaft."

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