11.04.2017 - 18:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Diesel-Fahrzeuge in den USA 25-mal sauberer Diesel-Krise "made in Germany"

Der Verkauf von Diesel-Autos sei bundesweit eklatant eingebrochen, sagt ein Autohändler, der nicht genannt werden möchte. Kunden würden sich immer häufiger für einen Benziner entscheiden. Der Grund: die diskutierte Einführung der blauen Umweltplakette und die Angst vor der Sperrung der Innenstädte für Diesel-Fahrzeuge.

Tragisches Ende von Erfinder und Erfindung? Rudolf Diesel stand 1913 während einer Schifffahrt nach London vom Esstisch auf und verschwand - seine Leiche wurde Wochen später aus dem Wasser geborgen. Bilder: Herda/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Jürgen Geuß, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Weiden, kann über so viel "German Angst" nur den Kopf schütteln: "Im Prinzip sind die Verkaufszahlen bei uns unverändert", sagt der Händler mit den Marken Dacia, Landrover, Renault und Volvo im Sortiment. "Man muss nur mehr reden." Die erste Frage wäre wohl: "Wie oft fahren Sie nach Stuttgart?" Denn: "Wo haben wir denn schlechte Luft zwischen Amberg und Tirschenreuth?", fragt Geuß rhetorisch. Jedenfalls keine, die zur Sperrung Oberpfälzer Städte und Gemeinden führe.

Fakten für den Diesel

Und wenn man dann doch mal nach München möchte, wo auch nicht gerade Rosenduft in der Luft hängt? "Wir müssen uns fragen, ob wir zwei Stunden am Stachus im Kreis fahren müssen, um einen Parkplatz zu finden", sagt er. "Park & Ride" sei nerven-, zeit- und geldschonender. "Im Übrigen", ergänzt er schelmisch, "was glauben Sie, was passiert, wenn Sie ohne grüne Plakette reinfahren?" Richtig: "Nichts, Sie werden da nicht rausgezerrt." Im schlimmsten Fall gebe es ein Verwarnungsgeld.

Mittelfristig führten die Fakten vor allem Vielfahrer und Unternehmen nicht am Diesel vorbei, ist sich Geuß sicher: "Der Liter ist um 25 Cent billiger." Und umweltpolitisch wäre ein Aus für Dieselfahrzeuge Harakiri für die Klimaschutzziele: "Die Verringerung des CO2-Ausstoßes ist ohne Diesel nicht zu erreichen." Außerdem sei der Smog-Alarm in den Metropolen weniger dem Feinstaub, sondern als den Stickoxiden geschuldet. Bereits mit Euro 6 wurde die maximale Menge an Stickoxiden pro Kilometer beim Diesel von 180 auf 80 Milligramm verringert. "Falls da gemogelt würde, wären die Benziner nicht automatisch aus dem Schneider."

Womit wir bei des Pudels Kern wären: "Warum prüfen die staatlichen Behörden denn nicht gründlich?", wundert sich der Weidener Händler. Sogar Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht das Problem weniger im Kraftstoff: "Der Diesel ist nicht per se dreckig.", Das Problem seien die unrealistischen Messmethoden.

Auch wenn erst kürzlich Testgeräte auf den Markt gekommen seien, die Schadstoffe unter reellen Fahrbedingungen prüfen können, sei laut ADAC ein US-Diesel inzwischen etwa 25 Mal sauberer als einer, der in Deutschland angeboten wird. Ein Schelm, der Böses dabei denkt: "Der Eindruck drängt sich auf, dass man in Europa nicht so genau hinschauen wollte, um bei den Klimakonferenzen mit den USA und China besser dazustehen", spekuliert Geuß. Langfristig führe kein Weg am großen Umsteuern vorbei: "Wir müssen auf alternative Verkehrsmittel und Energien umsteigen", appelliert der engagierte Protestant auch an die Kommunalpolitik, mehr für die Elektromobilität zu tun. "Städte haben Vorbildcharakter bei ihrem Fuhrpark."

Gleichzeitig wundert sich Geuß, dass die richtig fetten Umweltsünder noch nicht mal in der politischen Debatte angelangt sind: "Ein einziger Ozeanriese auf einer Kreuzfahrt stößt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw auf gleicher Strecke", veröffentlichte kürzlich der Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Schweröl der Tanker

Das liege vor allem daran, dass hochgiftiges Schweröl als Treibstoff verbrannt werde, ein "Abfallprodukt der Ölindustrie", das laut Nabu wegen extremer Gesundheitsschädlichkeit "an Land längst verboten ist". Allein die 15 größten Schiffe der Welt stießen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos. Und der Schwefelausstoß dieser Wagenmenge (knapp 90 000 Tonnen) würde von nur 24 Containerschiffen egalisiert. Der Schwefelausstoß der Schifffahrt betrage sogar "das 97-fache der kommerziellen Flugzeugflotte".

Warum prüfen die staatlichen Behörden denn nicht gründlich?Autohändler Jürgen Geuß

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