Direktkandidaten für die Bundestagswahl bei den Oberpfalz-Medien [Videos]
Frei auch für Linke und zur Not Gelb-Grün

Christian Weidner (links) und Karl Meier stellen sich den Fragen der Leser und der Redaktion. (Foto: Lukas Meister)
Politik
Weiden in der Oberpfalz
12.09.2017
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Bei den ersten Duellen im Verlagshaus der Oberpfalz-Medien schenkten sich die Direktkandidaten zum Bundestag nichts. Auch am zweiten Tag gab es freundliche Worte für den Mitbewerber und klare Aussagen zur eigenen politischen Position.



Christian Weidner (Linke) und Karl Meier (FW)


Die beiden Kandidaten in Einzelinterviews
 




Es geht kunterbunt durcheinander. Christian Weidners (48) Tochter freut sich über das Windrad der Freien Wähler: „Ich habe mich mit der Mutter unterhalten“, sagt Karl Meier (61). „Sie hat gesagt, sie kann mich leider nicht wählen, sie muss ihren Mann unterstützen.“

„Ich bin so autark, dass mich eine Rote-Socken-Kampagne nicht tangiert“, sagt Meier. „Die Linke bringt viele soziale Forderungen ein.“ Das freut den Freien Wähler: „Denn beide Parteien mit dem S im Namen haben das leider vergessen.“

Nur mit einem Programmpunkt kann sich der gediente Freie nicht anfreunden: „Dass die Linken aus der Nato austreten wollen.“ Seine Erfahrung nach 30 Jahren als Angestellter auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr lehrte ihn: „Nur im Zusammenschluss der Armeen kann man so wie im Kosovo agieren.“ Das sieht der überzeugte Pazifist Weidner ganz anders: „Ich bin stolz, dass wir Militarismus konsequent ablehnen.“ Das sei mit anderem Vorzeichen auch in seiner Biographie begründet: „Ich habe Zivildienst gemacht, Essen für ältere Menschen gebracht – das war mir wichtiger.“

Der Austritt aus der Nato wäre das No-Go aus Sicht der SPD für eine Rot-Rot-Grüne-Koalition: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir das aufgeben“, verteidigt Weidner das Alleinstellungsmerkmal der Linken. „Wenn ich Ihnen einen Rat geben dürfte“, meldet sich Militärexperte Meier zu Wort: „Wenn Sie in eine Koalition gehen, legen Sie Wert auf die Begrenzung von Rüstungsexporten.“

Wenig Kontroverses im Bereich Arbeit und Soziales: Befristungen lehnt Weidner ab: „Ich kenne viele, die studiert haben und von einer befristeten Stelle in die nächste kommen.“ Das findet auch Meier bedauerlich, wendet aber ein: „Die Befristung würde ich nicht ganz abschaffen, weil es immer wieder befristete Programme gibt, oder Handwerker, die sich nach der Auftragslage richten müssen.“

Gisela Helgath (Grüne) und Martin Hofmann (FDP)


Die beiden Kandidaten in Einzelinterviews
 




Schon wieder ein Geständnis: Martin Hofmann blieb ein Bissen im Hals stecken: „Ich war bei den Grünen, aber als es um den Veggie-Day ging, merkte ich, dass ich das nicht mehr mittragen kann.“

Der 35-jährige Döltscher (Landkreis Neustadt) schloss sich der gewandelten FDP an: „Die Wirtschaft steht nicht mehr so im Fokus.“ Die verlassenen Grünen können den Grund nicht so ganz verstehen: „Diese Veggie-Geschichte wurde von den Medien hochgespielt“, findet Gisela Helgath. Die Grünen-Kandidatin ärgert der Begriff „Verbotspartei“: „Wir wollen doch alle, dass niemand getötet werden darf – nur weil man für selbstverständliche Verbote ist, ist man noch keine Verbotspartei.“

Vielleicht sind die Grünen einfach etwas spießig geworden? Früher war alles bunt und ein Joint ging rum – heute macht man sich Sorgen um ungesunden Fleischgenuss und ums schädliche Rauchen. Nervt Menschen, die auch mal gezielt unvernünftig sein wollen, diese Haltung? Helgath denkt nach und kann sich arrangieren „Auch mal gezielt unvernünftig, aber bitte aufgeklärt …“

Die Bekleidungsingenieurin hört genau zu, wenn Hofmann seine Vision eines liberalen Bürgergelds schildert – eine Stelle, die für alle Themen verantwortlich ist, von Arbeitslosengeld bis Sozialhilfe. „Kennen Sie das Sozialbürgerhaus“, fragt sie nach, „das sich schon in einigen Städten etabliert hat, um diese Kumulation zu erreichen?“ Das geht doch in dieselbe Richtung.

Grün und Gelb, das ist nicht mehr spinnefeind wie noch zu Zeiten von Joschka Fischer und Guido Westerwelle. Grün und Gelb ist die derzeit wohl einzige Koalitionsalternative für die Union zur Großen Koalition: „Bevor ein Patt die AfD noch stärker macht“, findet Hofmann, „sollte man sich da aufeinander zu bewegen.“ Kein grüner Einspruch.



Weitere TermineMittwoch, 13. September
12 Uhr: Tina Winklmann (Grüne) und Frank Aumeier (FW)
20 Uhr: Marius Josef Brey (Linke) und Dr. Stefan Scheingraber (ÖDP)
Donnerstag, 14. September
12 Uhr: Karl Holmeier (CSU) und Marianne Schieder (SPD)
Freitag, 15. September
 9 Uhr: Albert Rupprecht (CSU) und Uli Grötsch (SPD)
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