11.04.2017 - 20:32 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ehepaar Ringer zu Gast in Alexandria, als Attentäter zuschlägt: Anschlag: Weidener hören Explosion

Die Vorfreude steigert sich. Nur noch 100 Meter und der voll besetzte Bus erreicht die St.-Markus-Kirche in Alexandria. Die Weidener Norbert und Gabi Ringer können die beiden Türme des koptisch-orthodoxen Gotteshauses schon sehen. Sie freuen sich auf die Besichtigung. Angeblich liegen dort die Gebeine des Heiligen Markus.

Die Markus-Kirche im ägyptischen Alexandria. Sie war Ziel von Norbert und Gabi Ringer. Kurz bevor sie ankamen, sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor dem koptischen Gotteshaus in die Luft. Bild: Dan Lundberg
von Volker Klitzing Kontakt Profil

Urplötzlich ein ohrenbetäubender Knall. Die Ringers zucken zusammen. Die Hektik und das eh schon laute Stimmengewirr nehmen noch zu. Ein Polizeifahrzeug leitet den Bus wieder weg von der Kirche, macht den Weg durch die verstopften Straßen frei. Zurück zum Hafen. Auf ihrem Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3" erfährt das Weidener Ehepaar, dass es nur knapp einem Anschlag durch einen Selbstmordattentäter entkommen ist.

Der "Ringer-Maler", wie er in Weiden gern genannt wird, und seine Frau Gabi waren mit dem TUI-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3" in Dubai gestartet. Nach 16 Tagen, so berichtete er dem "Neuen Tag" über Telefon, seien sie im ägyptischen Alexandria gelandet. Er ist nur schwer zu verstehen, die Verbindung ist schlecht. Immerhin erfahren wir, dass es mehrere Ausflugsgruppen gab. Rund 400 Passagiere wollten Kairo einen Besuch abstatten, nicht weit von Tanta, wo es den zweiten Anschlag zu beklagen gab. 150 hatten den Trip zur Markus-Kirche gewählt. Alle Busse wurden nach den Attentaten sofort umgelenkt und lieferten die Touristen umgehend wieder am Hafen ab. "Mein Schiff 3" war das einzige Kreuzfahrtschiff, das in Alexandria geankert hatte. So schnell wie möglich verließ es den Hafen gegen 18 Uhr, sechs Stunden eher als geplant. Als nächster Zwischenstopp auf der Route war die Touristenhochburg Antalya in der Türkei vorgesehen.

Ringer lobte die schnelle und professionelle Reaktion der Sicherheitskräfte. Da habe ein Rädchen ins andere gepasst. Auch die Informationspolitik des Kapitäns sei vorbildlich gewesen. So erfuhren sie, dass der Attentäter zweimal versucht habe, in die Kirche einzudringen, in der gerade der koptische Papst Tawadros II. gepredigt hat. Sicherheitskräfte hätten ihn aber abgewiesen, nachdem Metalldetektoren Warnsignale gaben. So sprengte sich der Attentäter zehn Meter vor der Kirche in die Luft und riss 14 Menschen in den Tod. Die Ringers hatten Glück, dass sie die Kirche noch nicht erreicht hatten.

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