Entschuldigung für die Stadt

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß wendete sich in seine Ansprache bei der Gedenkfeier aus Anlass des Kriegsendes an die Gäste aus der OTH-Partneruniversität Tambov. Unter den Zuhörern waren die Vizerektorin der Universität Tambov Elena Mishchenko und OTH-Professor Dr. Magnus Jaeger
Politik
Weiden in der Oberpfalz
10.05.2017
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Der 8. Mai 1945 steht für das Ende des Zweiten Weltkriegs. In einer Gedenkfeier wurde an die verstorbenen russischen Kriegsgefangenen erinnert.

(sbü) Von vielen vergessen, wurde jetzt die historische Wahrheit über russische Kriegsgefangene in Weiden am Jahrestag wieder in Erinnerung gerufen. Im Weidener Kriegsgefangenenlager namens Stalag XIII B gab es ein "Russenlager". Stadtarchivarin Petra Vorsatz beschreibt es mit dem Satz: "Das sogenannte Russenlager war von anderen Bereichen mit Stacheldraht abgetrennt, die Bewachung war strenger, die Behandlung und Versorgung schlechter als die der anderen Kriegsgefangenen."

Tote russische und polnische Kriegsgefangene mussten auf Anordnung des Weidener NS-Oberbürgermeisters im Krematorium des Konzentrationslagers Flossenbürg verbrannt werden. Später wurden sie auch in Massengräbern auf dem jüdischen Friedhof in Weiden begraben. Bereits kurz nach Kriegsende fasste dann der Stadtrat den Beschluss, dass Polen und Russen, die im Judenfriedhof begraben sind, exhumiert werden und im neuen Friedhofsteil des städtischen Friedhofs in würdiger Form beigesetzt werden.

Das von der Stadtarchivarin beschriebene historische Geschehen sowie der Besuch russischer Studenten und Lehrer an der OTH war Anlass für eine Gedenkfeier am Jahrestag des Kriegsendes auf dem Stadtfriedhof. Die russischen Besucher kamen aus der OTH-Partner-Universität Tambov. Die Stadt liegt rund 400 Kilometer südöstlich von Moskau. Alle Teilnehmer aus Russland erinnerten mit Bildern ihrer toten Landsleute an die Vergangenheit.

Nachdem Oberbürgermeister Kurt Seggewiß nochmals auf die auch in der Stadt Weiden begangenen Gräueltaten an russischen Kriegsgefangenen beschrieben hatte, sagte er "Ich bin zwar erst im Jahre 1957 geboren, möchte mich aber im Namen der Stadt entschuldigen." Mit dem Wunsch, dass von deutschem und von russischem Boden nie wieder ein Krieg ausgehe, schloss der Oberbürgermeister seine Ansprache.

An die schon historisch engen Beziehungen zwischen Deutschen und Russen erinnerte OTH-Professor Dr. Magnus Jaeger und führte als Beispiel Kaiserin Katharina die Große an. Für die Studenten sei es wichtig, aus der Geschichte zu lernen. Für die Universität Tambov sprach Vizerektorin Elena Mishchenko. Sie erinnerte daran, dass viele Familien in Russland und Deutschland vom Kriegsgeschehen betroffen waren. "Familien tragen ihre Helden in ihrem Herzen.. Die Worte des Oberbürgermeisters hätte sie im Herzen berührt. "Ich hätte mir gewünscht, die Toten hätten diese gehört." Schließlich lud die Vizerektorin den Oberbürgermeister zu einem Besuch in Tambov ein. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkfeier durch die Stadt- und Jugendblaskapelle Weiden.
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