02.03.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Erster Schritt zur Überplanung des Turnerbund-Areals Alle Karten ausspielen

Das Interesse ist groß, die Mitarbeit beim Bürger-Infoabend überwältigend: Die Weidener begrüßen die Wohnbebauung auf dem städtischen Turnerbund-Areal. Aber sie sehen auch die Risiken. Ihre Anregungen schreiben sie auf Karteikarten. In Windeseile füllen sich die vier Stellwände: allesamt Steilvorlagen für die Stadtplaner.

Rege Diskussionen an den vier Stellwänden. Architekt Karlheinz Beer (rechts), der wie Dragomir Stadtplanung bis zum Sommer drei Entwürfe fertigt, ist sofort gefragter Ansprechpartner der Bürger.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

"Wir haben in Weiden einen Wohnungsmarkt, der teilweise homöopathische Züge aufweist", begründet Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel den Willen der Stadt, das TB-Areal und das weitere Umfeld bis hinein ins Überschwemmungsgebiet der Schweinenaab zu entwickeln. Die Planer wollten sich dabei keineswegs ins stille Kämmerlein zurückziehen, sondern integrierte Konzepte entwickeln, in das die Anregungen und Bedenken der Bürger eingearbeitet sind, betont Seidel am Donnerstagabend im Saal des Seniorenheims St. Konrad. Jedes Karteikärtchen ist im Spiel.

Geografin Jessica Schröder von Dragomir Stadtplanung (München) erläutert die Ausgangssituation, die die Experten auf den 26,8 Hektar großen Flächen aus fachlicher, stadtplanerischer und naturschutzrechtlicher Sicht vorfinden. Das Büro, das unter anderen den Bebauungsplan für die Stadtgalerie betreute, ist mit der Voruntersuchung für die Machbarkeitsstudie beauftragt. Im Juni werden drei Entwürfe von Dragomir sowie weitere drei Varianten, die der Architekt Karlheinz Beer erarbeitet, dem Stadtrat vorgestellt. Die Erkenntnisse von Dragomir in der Voruntersuchung decken sich mit denen der Bürger. So lässt sich mit der Renaturierung der Schweinenaab ein attraktives Freitzeitareal schaffen und das Stadtbild aufwerten. Der Stadtteil Hammerweg weist eine gute Infrastruktur auf. Zu lösen sind jedoch auch Probleme: Wie den Verkehrslärm, der von der B 22 herüberschwappt, in den Griff bekommen? Wohin ist die verkehrliche Erschließung zu legen? Lassen sich Ventile nach Norden und Osten öffnen, die verhindern, dass die zusätzlichen Autos den Hammerweg verstopfen und den Anliegern die Ruhe rauben? Und wer realisiert einen größeren Saal für Veranstaltungen?

Jessica Schröder, die mit Susanna Walter sowie Stadtplaner Sebastian Hagedorn das Büro Dragomir vertritt, stellt diese Chancen und Risiken bei der Flächenentwicklung vor. Die Altlasten auf dem Striegl-Grundstück geben Bankdirektor a. D. Alfred Meiler, der den Niedergang des Turnerbundes bedauert, ein wichtiges Stichwort. Er sieht dort die Chance, die Sportanlagen des SV Weiden vom Stockerhut an die B 22 zu verlagern, um mit dem Umzug 30 000 Quadratmeter Bauland freizuschaufeln. Flugs zeichnet er die Spiel- und Trainingsfelder sowie ein Funktionsgebäude auf dem Plan. An einer anderen Stellwand entspinnt sich die Diskussion, dass TC Grün-Rot, TC Postkeller und die Tennisabteilung der SpVgg SV ihre Plätze auf weniger Standorte konzentrieren sollten.

Bei den Planern, noch mehr aber bei den Bürgern, sind die Bäume, Hecken und der Spielplatz im Hammerweg-Park eine feste Größe. Sie müssen bleiben.

Ebenfalls allgemein geteilt wird die Forderung, dass nicht nur "Sozialwohnungen", die das Gefüge im Stadtteil sprengen, entstehen dürften. Hier gibt Seidel Entwarnung: Nach Stadtratsbeschluss werden 30 Prozent der Flächen im kommunal geförderten Wohnungsbau errichtet. "Das ist eine Alternative zum sozialen Wohnungsbau privater Investoren." Auch Mehr-Generationen-Wohnen soll möglich sein.

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