06.04.2018 - 20:50 Uhr
Oberpfalz

Fortbildungszentrum Almesbach bietet Programme gegen das Insektensterben Teures Bienensterben

"Sterben die Bienen, lebt der Mensch noch 3 Jahre" - das Zitat wird nicht nur fälschlicherweise Einstein zugeschrieben, es ist schlicht falsch. Richtig ist, dass das Bienensterben aber gewaltige ökonomische Folgen hat. Darauf macht das Fortbildungszentrum Almesbach aufmerksam.

Die studierte Landwirtin Iris Prey setzt sich für den Schutz von Insekten ein: Ein Bienenlehrpfad in Almesbach klärt über die gigantische Leistung der summenden Insekten für uns Menschen auf. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Almesbach. Weltweit gibt es rund 20 000 Bienenarten - nur 9 davon produzieren Honig. "Bienen und andere Insekten spielen bei rund 35 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion eine wichtige Rolle", erklärt Iris Prey, die in Almesbach die Fortbildung zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger koordiniert.

"Bienen sind ein gigantischer Wirtschaftsfaktor", sagt die studierte Landwirtin, "und die wichtigsten Arbeitskräfte in der Landwirtschaft." Das Labor für theoretische und angewandte Wirtschaft des wissenschaftlichen Forschungszentrums CNRS in Montpellier ermittelte, dass sie weltweit mit ihrer Bestäubungsleistung für eine Wertschöpfung von etwa 200 Milliarden Euro pro Jahr sorgen.

"Viele denken, klar wäre es schade, wenn es keine Bienen mehr gebe", erklärt die Bayreutherin, "aber kaum jemand macht sich bewusst, dass es ohne Bienen nicht nur keinen Honig gibt, sondern auch Obst und Gemüse zu Luxusgütern würden." Nach einer Studie der Harvard-T.H.-Chan-Hochschule für Gesundheitswesen in Boston würde ein Aussterben der Bienen zu einem Rückgang der weltweiten Früchteernte um knapp 23, der Gemüseernte um 16, der von Nüssen und Getreide um 22 Prozent führen. Mit fatalen Folgen für die Menschen: Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dies zu 1,42 Millionen zusätzlichen Todesfällen pro Jahr führen könnte.

Handbestäubung

"In China wurden landwirtschaftliche Flächen bereits so vergiftet, dass man die Pflanzen mit Hand bestäuben muss", schildert Prey schon eingetretene Folgen. Doch nicht nur im fernen China droht der Bestäubungsgau: Allein in Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Imkerbundes die Zahl der Bienenvölker seit 1952 von 2,5 Millionen auf heute weniger als 1 Million zurückgegangen. Noch lässt sich der Trend zumindest verlangsamen: Das EU-Parlament fordert einen Aktionsplan zur Bekämpfung des Bienensterbens. Und auch die Große Koalition möchte ein Aktionsprogramm zum Insektenschutz auflegen. Doch Wirkung hätten solche Beschlüsse nur, wenn sich alle Verursacher, Landwirte, Kommunen, Gartenbesitzer daran beteiligten - gerade auch vor Ort. Flächenfraß und Unkrautvernichtung seien lebensgefährlich für Insekten und alle, die von ihnen leben.

Tipps: Insekten schützen

  • Den Insektizid- und Glyphosateinsatz minimieren
  • Feldränder mähen statt mulchen - und wenn, dann bei niedrigen Temperaturen oder abends
  • Nur das Bankett mähen, nicht ganze Wegränder
  • Das Nahrungsangebot verbessern: etwa durch artenreichen Zwischenfruchtanbau, blühende Wiesen und Kleestreifen
  • Blühpflanzen statt englischer Rasen in den Gärten und im Winter Stauden stehen lassen
  • Natürliche Lebensräume erhalten: Streuobst, Feldraine, Steinriegel, Trockenmauern, Totholz statt lebensfeindliche Monokulturen.

    Nicht nur Bienenschutz

    Einmal jährlich organisiert das Fortbildungszentrum Almesbach als staatliche zuständige Stelle in Bayern die Fortbildung zum "Geprüften Natur- und Landschaftspfleger". In dieser 17-wöchigen Fortbildung lernen die Teilnehmer - zumeist aus grünen Berufen wie Forstwirt, Landwirt oder Gärtner - praktische und theoretische Grundlagen zu Naturschutz und Landschaftspflege. Dazu gehören Kenntnisse aus den Bereichen Streuobst und Gartenbau, Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung, Recht und Soziales. Die Fortbildung ist tariflich einer Meisterprüfung gleichgestellt. Berufsfelder für geprüfte Natur- und Landschaftspfleger sind Naturschutz- und Landschaftspflegeverbände, Kommunen, selbstständige Tätigkeiten in der Landschafts- oder Gartenpflege sowie Großschutzgebietsbetreuer in Naturparks.

    Der nächste Lehrgang startet im September 2018, schriftliche Anmeldung bis 30. Juni 2018 beim Fortbildungszentrum für Landwirtschaft und Hauswirtschaft.

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    Infos bei Iris Prey, Telefon 0961/3 90 20-54 oder www.almesbach.de.

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