Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger im Redaktionsgespräch
Pragmatismus und Pioniergeist

"Irgendwann kommt unsere Chance. Ich bin geduldig. Das muss ich als Jäger auch sein", erzählt Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger im Redaktionsgespräch. Bild: paa
Politik
Weiden in der Oberpfalz
11.08.2017
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Er ist das Gesicht der Freien Wähler. Und er möchte sie in den Bundestag bringen. Verantwortungsvoll und pragmatisch sieht Hubert Aiwanger seine Partei. Bodenständig, aber leidenschaftlich tritt er selbst auf. Besonders dann, wenn er über die CSU spricht.

"Wenn ich so ein Chaos wie Horst Seehofer verursachen würde, dann würden meine Leute zu mir sagen: ,Aiwanger, Du spinnst'", ärgert sich der 46-Jährige über die "Narrenfreiheit", die die CSU seiner Meinung nach in Bayern hat. Aiwanger ist zugleich Bundesvorsitzender der Freien Wähler (FW), Landesvorsitzender und Fraktionschef im Landtag. Mit Hilfe seiner Eltern bewirtschaftet er den heimatlichen Bauernhof. Zu viel sei ihm das aber nicht. "Bis jetzt geht's noch", sagt er am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion in Weiden. Bei anderen sei es ja nicht anders. So sei ja auch Seehofer gleichzeitig Ministerpräsident sowie Parteivorsitzender.

"Pragmatismus und Pioniergeist haben mich bei den Freien Wählern schon immer gereizt." Ein kleines Rädchen in einem festgefahrenen (Partei-)Gefüge hätte er nie sein wollen. "Ich will Land urbar machen, bestellen können es dann andere", sagt er über seine politische Arbeit. Dieser Antrieb führt Aiwanger auch aus Bayern hinaus. "Ich genieße den Blick über den bayerischen Tellerrand." Dort stelle er jedoch fest, dass bei Vorschlägen aus Bayern häufig automatisch Abwehrhaltung eingenommen werde. "Das Naserümpfen gegen Bayern ist Ergebnis der CSU-Arroganz." Aiwanger will aber nicht nur über den Tellerrand hinausblicken, sondern auch dort mitmischen. Während der frühere Freie-Wähler-Vorsitzende Armin Grein "eher dagegen als dafür" war, will Aiwanger die Freien Wähler irgendwann im Bundestag sehen. Dieses Ziel sei mittlerweile auch innerhalb der Partei akzeptiert.

Bundespolitische Themen wie TTIP oder Stromtrassen hätten eben auch regionale Auswirkungen. "Wenn wir da nicht dabei wären, würden wir auch bei der Landtagswahl zurückfallen." Im bayerischen Landtag sind die Freien Wähler 2018 bereits zehn Jahre vertreten. Seit 2014 sitzen auch im Brandenburger Landtag drei FW-Abgeordnete. Mangeln täte es der "Bürgermeister-Partei", wie er selbst die Freien Wähler bezeichnet, nicht an "personellem Potenzial". "Wir haben in Bayern in fast jedem Stimmkreis einen Direktkandidaten. Menschen, die es im Leben wirklich zu etwas gebracht haben, die ihre Frau oder ihren Mann stehen im Berufs- und im Privatleben." Es sei jedoch zeitintensiv, über den eigenen Landkreis hinaus bekannt zu werden. Und vor allem: teuer. "Ich gebe nur Geld aus, das ich auch habe. Andere geben mehr aus und sind danach jemandem schuldig, Politik in dessen Sinne zu machen." Konzernspenden an Parteien möchte der 46-Jährige verbieten. "Mit diesem Geld wird Einfluss genommen, das ist schlecht für die Demokratie." Als Beispiel nennt er den Dieselskandal und Spenden der Autoindustrie an große Parteien.

"Ich hoffe, die Wähler sind irgendwann so schlau, das Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel von Schwarz, Rot, Grün, Gelb aufzugeben. Dann sind wir eine vernünftige Alternative." Frustriert sei er in der Rolle der Opposition aber nicht. "Wir setzen Themen und zwingen die Regierenden, sich damit auseinander zusetzen", sagt Aiwanger und verweist als Beispiel auf den Kampf gegen das G8 und für das G9. Merkel habe keine echte Konkurrenz aus der Mitte. Aiwanger prognostiziert, dass Schulz keine Alternative sein werde: "14 Tage lang war er auf Augenhöhe, dann stellte sich heraus, dass er doch keine Kanone, sondern ein Knallfrosch ist."

Aiwanger zum WolfAls Landwirt und Jäger ist auch der Wolf Thema für Hubert Aiwanger. Er warnt vor Rudelbildungen. Der Wolf sei nicht vom Aussterben bedroht, er dürfe nicht ideologisiert werden. "Wo Bergweide ist, muss der Wolf geschossen werden dürfen", betont Aiwanger. Viele Hektar Land könnten nicht eingezäunt werden. Rudelbildung in dicht besiedelten Gebieten zu dulden, hätte zur Folge, dass unter anderem Kühe, Schafe und Pferde nicht mehr auf Weiden gehalten werden könnten, erklärt er. (wih)
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