23.06.2017 - 19:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gäste aus Partnerstädten sehen sich Arbeit mit Migranten in Weiden an Abschauen erwünscht

Auch das ist das Bürgerfest-Wochenende: Stadträte, Bürgermeister und Beamten aus den Weidener Partnerstädte lernen Ali kennen. Ali hat an der Europa-Berufsschule bestens Deutsch gelernt. Aber Ali muss zurück an die Elfenbeinküste.

Hausaufgaben machen, Sitzfleisch beweisen. Jost Hess (links) erklärt Gästen aus Frankreich, wie er und seine Mitarbeiter darauf achten, dass ihre Schützlinge aus über 20 Ländern in der Schule nicht den Anschluss verlieren. Bild: phs
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Dass der junge Mann vor der Abschiebung steht, rührt bei manchen in der Vergangenheit. Alain Levy, der Bürgermeister von Issy-les-Moulineaux, erinnert sich an die marokkanischen Wurzeln seiner Familie, die im Nachkriegsfrankreich nicht gerade prestigeträchtig waren. Steve Curran aus dem Londoner Stadtteil Hounslow, der mit Issy verbandelt ist, hat irisches Blut in den Adern. Er hat noch Zeiten erlebt, als Wohnungssuchende in England auf Inserate stießen, in denen es hieß: keine Schwarzen, keine Hunde, keine Iren.

Auch Jost Hess kennt ähnliche Arten der Willkommenskultur. "Als wir mit Hausaufgabenbetreuung für Flüchtlingskinder in den 80er Jahren angefangen haben, hat ein Nachbar gegenüber auf seiner Hausmauer Stacheldraht gespannt", erzählt der Motor des Arbeitskreises Asyl. Heute dagegen gibt es in der Oberpfälzer Provinz Integrationsklassen an der Berufsschule und die Ganztagsbetreuung des AK Asyl. In diesen Klassenzimmern ist Abschauen erwünscht. Es schafft beste Voraussetzungen, Migranten aus einem völlig anderen Kulturkreis in Lohn und Brot zu bringen. Ohne dass sie Einheimischen etwas wegnehmen, betont OB Kurt Seggewiß. "Wir haben hier in Bayern Vollbeschäftigung. Und wir brauchen Zuzug. Ihr habt in Tschechien übrigens das gleiche Problem, auch ihr werdet Zuwanderer brauchen", sagt er mit Blick auf die Freunde aus Marienbad. Die haben anders als viele ihrer Landsleute wenig Angst vor Fremden, berichtet Stadtrat Martin Kalina. Das kommt von der Tradition als internationaler Kurort und weil in Marienbad ein Zentrum verankert ist, dass junge Leute von überall her auf ein Studium in der Tschechischen Republik vorbereitet.

Es sind solche Beispiele, mit denen Issy und Weiden ein EU-Projekt ergattert haben, das Migration und Integration beleuchtet. Wenn Weiden bunt ist, steht in Macerata die Farbe orange für Toleranz. In diesem Geist arbeitet auch das Jugendprojekt "Clavim" in Issy.

Darüber tauschen sich die Partnerstädte abseits der Bürgerfestseligkeit aus. Dass Flüchtlinge und Zuwanderer Kopfzerbrechen bereiten, wissen sie ohnehin schon. Da tun Mutmacherbeispiele wie die Berufsschule und der AK Asyl gut.

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