12.04.2018 - 19:00 Uhr
Oberpfalz

Gespräch mit CSU-Fraktionsvize Tobias Reiß "Ländlicher Raum erlebt eine Renaissance"

Die Zeiten der "Jammerregion" sind vorbei. Tobias Reiß singt das hohe Lied vom ländlichen Raum. Der neue CSU-Fraktionsvize sieht eine Bewusstseinsänderung in der Oberpfalz - aus gutem Grund.

Tobias Reiß. Bild: Gabi Schönberger
von Frank Werner Kontakt Profil

Tobias Reiß gehört zu den Gewinnern der Personalrochaden von Ministerpräsident Markus Söder. Der CSU-Abgeordnete aus Brand (Kreis Tirschenreuth) ist zu einem der vier stellvertretenden Vorsitzender Landtagsfraktion gewählt worden, außerdem zu deren Parlamentarischen Geschäftsführer. Mit der Berufung von Albert Füracker zum Finanzminister sieht er im Gespräch mit unserer Redaktion die Oberpfalz in München bestens aufgestellt. Man habe damit "Schaltstellen" besetzt.

Begeistert ist der 49-Jährige von Söders Start. Dieser sei ein "Entscheider, das spürt die ganze Fraktion". Der Ministerpräsident aus Franken gehe sehr analytisch vor und mache klare Ansagen. Reiß: "Er hat sich so entwickelt, nachdem er Finanzminister geworden war." Das gelte auch für die Heimat-Strategie. Söder habe gezeigt, dass der Begriff auch modern interpretiert werden könne. Und findet in dem Oberpfälzer, der seit 2008 Mitglied des Landtags ist, einen begeisterten Mitstreiter. Es seien in der Region klare Bleibeperspektiven geschaffen worden, betont Reiß. Ein wichtiges Element dafür sei die Schaffung der Hochschulen gewesen, ebenso die Überwindung der Monostrukturen. "Wer will denn noch nach München?" - diese Frage werde immer häufiger gestellt. Reiß zeigt sich überzeugt, dass man weg von der demografischen Diskussion müsse: "Die Abwanderung gibt es nicht mehr wie früher, das dreht sich. Die junge Leute sehen: Es ist eine Perspektive da." Die Oberpfalz sei eine "moderne Bildungsregion". Klar erkennbar ist für Reiß eine "Renaissance des ländlichen Raumes".

Bezahlbarer Wohnraum

Die CSU will dafür sorgen, dass dies so bleibt. Dazu gehöre bezahlbarer Wohnraum, der auch durch steuerliche Anreize geschaffen werden solle. Ganz oben auf der Agenda stehe auch das Thema Innere Sicherheit. Reiß zeigt sich überzeugt, dass die Region von der durch Söder angekündigten Grenzpolizei profitieren werde. Der Jurist verteidigt auch das umstrittene Polizeiaufgabengesetz. Es gehe darum, eine "Balance zwischen Sicherheit und Freiheit zu finden". Man müsse technisch "auf Augenhöhe" mit den Tätern agieren. Reiß macht klar: "Hier von einem Polizeistaat zu reden, ist Quatsch."

AfD "ohne Lösungen"

Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl ruft Reiß als Ziel aus, "eine Zersplitterung des bürgerlichen Lagers zu verhindern". Besonders mit der AfD werde man sich einen harten Wettstreit liefern. Der zweifache Familienvater macht dabei deutlich: "Die AfD betreibt politische Scharlatanerie, sie bietet keine einzige Lösung." Man wolle die Protestwähler nicht in eine rechte Ecke stellen. Gleichwohl werde die CSU gegen eine zunehmende "Polemisierung im Netz vorgehen. Wir werden die Realität vor Augen führen." Reiß plädiert für eine Online-Strategie mit Niveau, mit einem klaren Fakten-Check.

Für den Fraktionsvize ist klar: "Wer die AfD wählt, der vernichtet Arbeitsplätze." Er lehne protektionistische Tendenzen ab. Mehr als die Hälfte aller Firmen aus der Region würden vom internationalen Wettbewerb leben. Die "nationale Brille" müsse abgenommen werden, macht Reiß klar.

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