Gespräch mit Simone Peter
Wahlkampf ganz in Grün

Simone Peter beim Redaktionsgespräch in Weiden. Die 51-Jährige ist seit Oktober 2013 Bundesvorsitzende der Grünen. Bild: Frank Werner
Politik
Weiden in der Oberpfalz
15.08.2017
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Deutschland ist Autofahrerland. Das gilt auch für die Grünen im Wahlkampf. Dennoch zeigen sie, was sie anders machen würden. Dabei soll aber niemand auf der Strecke bleiben.

Ganz in Grün, das Berliner Dienstfahrrad - ebenfalls in Grün - auf das Dach geschnallt, rollt der Dienstwagen der grünen Parteivorsitzenden Simone Peter nahezu lautlos vom Elektromotor angetrieben auf den Parkplatz. Kein VW-Bully oder ein anderer Kleinbus wie in den vorangegangen Wahlkämpfen, sondern ein Hybrid-BMW. Denn ein Diesel kommt für die Grünen nach dem Skandal nicht mehr in Frage. Ein reines Elektro-Auto mit der nötigen Reichweite habe sich auf dem Markt nicht finden lassen, erläutert Peters am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion in Weiden.

Es ist der zweite Tag der Öko-Sommertour von Peter. Am Montag war sie in Hof und Bayreuth, am Dienstag in Weiden und Amberg. An diesem Mittwoch ist sie in Regensburg, Straubing und München. Der Wagen, mit dem sie fährt, ist von der Partei gemietet, deshalb ist die Saarländerin mit einem Münchener Kennzeichen unterwegs. Der "BMW plug-in-Hybrid" ermögliche es, zumindest innerhalb der Stadt auf den Elektromotor zu schalten und bei weiten Strecken den Antrieb je nach Bedarf zu wählen.

E-Autos im Test

Der BMW ist nicht der einzige Wagen mit einem alternativen Antrieb, den die Chefin der Grünen in den nächsten Wochen testen will: Opel Ampera E und der Renault Zoe mit E-Motor sind auch noch dran. Letzterer hat nur 400 Kilometer Reichweite. Zu wenig für eine Wahlkampfreise durch Deutschland, aber ausreichend für den Verkehr in der Stadt und ins Umland. Peter will nicht so viel über die Infrastruktur reden: "Als das Automobil erfunden wurde, wurde auch nicht zuerst über Tankstellen diskutiert, sondern über das Automobil." Elektroautos könnten an jeder Steckdose geladen werden. Ladestationen brauche es nur, wenn es um die Schnellladung gehe. Die 51-Jährige wirbt für den Elektroantrieb: "Ich bin bei der Technologie nicht festgelegt, aber das E-Auto wird sich sicher am schnellsten durchsetzen." Das zeige ein Blick nach China und in die USA. Deshalb wirbt sie für ein Umsteuern von Industrie und Politik. Dass die Kanzlerin plötzlich einen Ausstieg aus Autos mit Verbrennungsmotor für den richtige Ansatz hält, ist Peter zu wenig. "Leider bleibt Frau Merkel häufig in Überschriften stecken." Die grüne Politikerin bekräftigt die Forderung ihrer Partei nach einem festen Ausstiegsdatum für diesen Schritt, das Jahr 2030.

Als das Automobil erfunden wurde, wurde auch nicht zuerst über Tankstellen diskutiert, sondern über das Automobil.Simone Peter (Grüne), Parteivorsitzende


Genauso unterstreicht Peter die Forderung nach einer "Blauen Plakette" für Städte. In Konflikt mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten, dem grünen Parteifreund Winfried Kretschmann, sieht sie sich nicht. Sie verweist auf dessen Verantwortung für sein Bundesland, während die Grünen auf der Bundesebene die Regierung aus Union und SPD vor sich hätten. Ihnen wirft sie vor, dass "Deutschland bei der Einhaltung der Klimaziele krachend scheitern" werde.

Trugschluss mit dem Diesel

Peters berichtet, dass sie selbst dank ÖPNV und Fahrrad in Berlin kein Auto benötige, aber ihr Mann schon. Sie hätten einen "Diesel Blue Motion" gekauft, im Glauben, dass dieser die Grenzwerte einhalte. Ein Trugschluss. Einer, dem viele Autofahrer erlegen sind. "Die Verantwortung liegt beim Verursacher. Das sind die Konzerne", sagt die grüne Politikerin mit Blick auf den Diesel-Skandal. Sie sieht sich im Einklang mit ADAC und Verbraucherschützern. "Die Automobilkonzerne haben über Jahre Milliardengewinne erzielt. Es kann nicht sein, dass die Verbraucher jetzt Wertverluste erleiden", sagt Peter. Für die Parteivorsitzende ist klar: "Wenn schon Prämien, dann für saubere Autos, nicht für neue Diesel, die die Grenzwerte nicht einhalten."

Peter macht deutlich, dass für sie die Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales zusammen gehören. "Sonst fällt ein Stoppschild nach dem anderen." Als negatives Beispiel führt sie die USA an, wo die Mittelschicht verschwinde. Dazu zitiert sie den ehemaligen demokratischen US-Vizepräsidenten Al Gore, der gesagt habe: "Bevor wir die Umweltkrise lösen, müssen wir die Demokratiekrise lösen." Die Saarländerin wirbt nachdrücklich für Europa. "Wir müssen die Friedens- und Solidaritätsunion immer wieder erklären." Und sie setzt auf demokratische Aufklärung.
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 15.08.2017 | 23:02  
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