Granit als "ideales" Endlager für Atommüll
Mineraloge schlägt Kösseine vor

Keinesfalls dürfe ein Ministerpräsident von vorne herein sein Bundesland als Endlager für Atommüll ausschließen. Das fordert Mineraloge Professor Klaus Heide. Bild: sbü
Politik
Weiden in der Oberpfalz
28.09.2017
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Beim Freundeskreis der Akademie Tutzing geht es um Atommüll. Vor allem um seine "Hypotheken" für nachfolgende Generationen. Die für die nördliche Oberpfalz interessanteste Botschaft kommt am Ende des Vortags auf Nachfrage.

Im ersten Vortragsabend des Herbst-/Winterprogramms des Freundeskreises Weiden der Evangelischen Akademie Tutzing sprach der emeritierte Mineraloge Professor Klaus Heide aus Jena über das Thema "Abschalten, Entsorgen, Vergessen? - Die Kernenergie und ihr Müll, wohin damit?". Die wichtigste Aussage im Vortrag über Atommüll formulierte Heide in dem Satz: "Keine andere Energiequelle besitzt dieses permanente Gefahrenpotential mit radioaktiver Strahlung von der Erzeugung bis zur Entsorgung."

Dazu stellte er auch die Frage: "Warum leisten wir es uns, Energie auf Kosten von Generationen der nächsten tausend Jahre zu erzeugen?". Weltweit seien im Jahre 2011 exakt 297 Atomkraftwerke in Betrieb, teilweise auch in Zonen "mit hohen geologischen Aktivitäten", also Gebieten mit großer Gefahr von Erdbeben. "Wohin kommt all der Atommüll?", fragte Heide. China plane 50 neue Atomkraftwerke. Ein völlig offenes Problem sieht Heide auch im Atommüll aus dem militärischen Bereich. Zwei russische Atom-U-Boote lägen auf dem Meeresgrund der Barentssee. Aus den Wiederaufbereitungsanlagen in England "führen Spuren bis nach Skandinavien".

Salz keine Alternative

Die Ablagerung nach dem Prinzip "Nach mir die Sintflut" hält der Professor für "absolut verantwortungslos". Er kritisiert, dass im Wahlkampf das Thema keine Rolle spielte. Alle Erkenntnisse über die Gefahren des Atommülls seien seit Jahrzehnten bekannt. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen lägen vor. "Aber wir fangen immer wieder an, vom Punkt Null an zu diskutieren." In der Bundestagskommission "Endlagersuche" saßen nur zwei Geologen.

Anschließend nahm der Wissenschaftler Stellung zum Thema Endlager. "Salzstöcke halte ich für problematisch." In Gorleben sei auch "bis heute noch kein Kastorbehälter in 650-Meter-Tiefe". In Asse würden täglich 120 000 Liter Wasser in das Bergwerk eindringen. "Salz fängt an zu fließen", sagte der Mineraloge. Deutschland sei eines der letzten Länder, das an Salz als mögliche Endlagerstätte festhalte. Weltweit gebe es überall noch keine Lösung. Diskutiert werde die "Subduktionslösung": die Versenkung von Atommüll ins Erdinnere an den Stellen, wo Kontinente zusammenstoßen, sowie auch die Versenkung in große Meerestiefen. "Wer soll das verantworten?", fragte Heide.

Aufgeschlossener steht er Verglasung gegenüber. Glasfelsen hätten sich vor über 200 Millionen Jahre gebildet und seien bis heute vollständig erhalten. Glasgestein auf dem Mond sei über eine Milliarde Jahre alt, so dass Glas als Schutzmantel von Atommüll in Betracht zu ziehen sei. "Aber technologisch wird dies noch nicht beherrscht." Es müsse auch untersucht werden, ob die Strahlung die Glasstrukturen zerstört. Erste Versuche mit Glas waren erfolgreich: "Aber was ist in 10 000 Jahren?"

Bestens geeignet: Kösseine

Heide berichtete auch, dass er Granit in Armenien kennengelernt habe. Heiße Brennstäbe seien in Granit gebracht worden und hätten dann zu einer Verglasung geführt. Heide zog die Schlussfolgerung: "Ich halte Granit für die am besten geeignete Umgebung, die Kösseine (Fichtelgebirge) wäre ein idealer Platz." Allerdings müsste auch dies noch genauer erforscht werden. Die erforderlichen hohen Schmelztemperaturen und die Akzeptanz der Bewohner seien große Hindernisse. Auf jeden Fall müsste eine Kontamination nach außen ausgeschlossen sein.
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Renate Kühnel aus Weiden in der Oberpfalz | 01.10.2017 | 23:21  
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