16.08.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter in Weiden: Drogen auf dem Schirm

Möglicherweise ist mit Simone Peter eine zukünftige Bundesministerin zu Besuch in Weiden. Jedenfalls erwartet die Bundesvorsitzende der Grünen eine Regierungsbeteiligung ihrer Partei. Bei der Vorstellung des Projekts "Need No Speed" wird heiß debattiert.

Die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Fünfte von links) traf sich mit Vorstandsmitgliedern des Kreisverbands Weiden zu einem Arbeitsessen. Moderator und Organisator war Vorstandsmitglied Günter Stalinski (Erster von rechts)
von Siegfried BühnerProfil

Zum Arbeitsessen mit Bundesvorsitzender Simone Peter hatte der Grünen-Kreisverband Weiden eingeladen. Auf die Kartoffelsuppe und die Bockwurst im "Landgericht" dürfte sich die prominente Politikerin wohl kaum richtig konzentriert haben können, war sie doch permanent argumentativ gefordert.

Eigentlich stand die Vorstellung des Projekts "Need No Speed" im Mittelpunkt. Später entwickelte sich eine kontroverse Grundsatzdiskussion zur Energiepolitik und zu den Stromtrassen. Doch zunächst stellte Agnes Scharnetzky programmgemäß als Koordinatorin des Projekts "Need No Speed" Inhalt und Ablauf ihrer Drogenpräventionsarbeit vor.

Thema oft weggeschoben

Regionale Besonderheiten der Drogenszene mit Crystal Speed und Ersatzdrogen wie den gefährlichen Kräutermischungen wurden ebenso behandelt wie auch grundsätzliche Fragen der Drogenprävention. "Das Drogenthema wird häufig weggeschoben und hängt zwischen den Zuständigkeiten", berichtete Scharnetzky. "Es gibt keine Bundesverantwortung", kritisierte sie.

Im Projekt "Need No Speed" seien alle Beteiligten vernetzt, um zielgruppenspezifische Konzepte, vor allem niedrigschwellige Präventionsangebote zu entwickeln. Scharnetzky wies aber auch darauf hin, dass die regionale Präventionsstelle "Need No Speed" als Modellprojekt lediglich für zwei Jahre gesichert sei. Bei Simone Peter stieß die Projektkoordinatorin auf offene Ohren. "Wir sollten die Debatte viel offener führen", stellte sie einleitend fest. Und ergänzte: "Diese Debatte läuft gesellschaftlich unter dem Radar." Sensibilisierung, Aufklärung und Prävention müsse immer Vorrang haben, aber "ohne kontrollierte Abgabe sei alles viel risikoreicher". Zudem müsse unbedingt verhindert werden, "dass die Altersgruppen der Betroffenen immer weiter nach unten rutschen". Mit dem Satz "Ich hoffe sehr, dass dies ab kommenden Herbst zum gesellschaftspolitischen Thema wird" deutete sie am Nachmittag erstmals an, dass ihre Partei an verantwortlicher Stelle dies beeinflussen werden könne. Beim zweiten Thema des Arbeitsessens wurde sie dann deutlicher und sagte: "Ich rechne fest damit, dass wir ab September mitreden dürfen." Gemeint war hier das Thema Energiepolitik.

Kritik an eigener Partei

Über das Elektromobilitätskonzept der Stadt Weiden sowie grundsätzliche Fragen der Energiepolitik hatte vorher Stephan Korb, zweiter Vorstandssprecher des Grünen-Kreisverbands, referiert. "Wir wollen aus Weiden eine Modellregion machen", kündigte er an. Energiewende bestehe aus mehreren Komponenten, darunter Erzeugungswende und Fahrzeugwende. Sie alle seien miteinander verknüpft. Verkehrssysteme und Energiesysteme müssten miteinander verbunden werden. "Auch Autos können Strom abgeben", sagte er. Leider habe das "die Partei nicht auf dem Schirm", bedauerte Korb.

Noch deutlicher wurde die Kritik an der partei-grünen Energiepolitik von Kreisverbandsbeisitzerin Sonja Schuhmacher vorgetragen. Nur Die Linke würde sich eindeutig gegen den "Kohlestromexport durch die HGU-Leitungen" aussprechen. Diese Leitungen würden "die Kohle im Netz halten". Dass "die Kohle da raus muss", konzedierte allerdings dann auch Peter. Vorher hatte sie auch ausdrücklich für die dezentrale Energiewende plädiert.

Diese Debatte läuft gesellschaftlich unter dem Radar.Simone Peter, Bundesvorsitzende der Grünen, über Drogenprävention

 

 

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