Gutachter stellt Stadtrat Masterplan Breitbandversorgung vor
Mehr Leerrohre und Hilfe von Providern nötig

"Das ist doch ein Fall fürs Schwarzbuch für Steuerzahler", wettert Bürgerlisten-Stadtrat Stefan Rank. "Sehr interessant", findet dagegen Grünen-Chef Karl Bärnklau den Masterplan zur Breitbandversorgung. "Aber wo ist der Bezug zu Weiden zu finden?", will Rank wissen. Günther Pichlmaier von der Firma Corwese muss sich bei der Vorstellung des 50 000 Euro teuren Gutachtens am Montag im Stadtrat kritische Fragen stellen lassen.

Das Gutachten soll beschreiben, welche Maßnahmen es in der Stadt für eine zukunftssichere Breitbandversorgung über Glasfaser braucht, erinnert Leitender Verwaltungsdirektor Reiner Leibl. Pichlmaier selbst bringt den Nutzen des Plans wie folgt auf den Punkt: "Er zeigt, welche Rohre in welches Haus gehen." Darin läge die Hauptarbeit seiner GmbH für die Stadt. Den Bürgerlisten-Vertretern genügt das nicht.

Kein Konzept, keine Kosten

Rank vermisst etwa die Kalkulation für ein Gesamtkonzept für das neue Industriegebiet Weiden West IV. Das sowie eine Grobplanung der Technologie und der Kosten für das ganze Stadtgebiet, eine Kalkulation und Erstellung eines Leerrohrgesamtkonzepts oder schlicht einen Finanzierungsplan habe der Stadtrat schließlich in einem Leistungskatalog vom 25. Juli 2016 mit angefordert, erinnert Bürgerlisten-Kollege Theodor Klotz: "Und gekriegt haben wir eine Kopie mit allgemeinen Infos wie sie im Internet für jeden verfügbar sind und wie sie alle Gemeinden kriegen plus drei Seiten zu Weiden. Wo bitte ist der Rest unseres Leistungskatalogs?"

Ja, der Masterplan bilde auch bereits vorhandenes Wissen ab, räumt Pichlmaier ein: "Aber das gilt eben." Weitere Konzepte kosteten extra. Sie brauche es aber vorerst nicht, weil Weidens Innenstadt zu 98 Prozent mit mehr als 30 MBit/s im Internet surfe. Da gebe es zwar Luft nach oben. "Aber nur unter 30 MBit/s gibt es eine Förderung für den Ausbau des Glasfasernetzes", so Pichlmaier.

In Weiden koste dieser Ausbau nach Schätzungen des Masterplans 33 Millionen Euro. "Das amortisiert sich erst in 30 Jahren", rechnet der Gutachter vor und meint, das sei für eine Kommune wie Weiden gewiss nicht zu stemmen. Der Oberbürgermeister nickt. Was also tun?

Provider, hilf!

Erstens: "Nicht erschrecken", rät Leibl. Vermutlich sprängen zum Teil Provider bei den Kosten in die Bresche. Sie würden investieren, wenn sie ausgelotet haben, wo es etwas auf dem Markt mit Turbo-Internet zu verdienen gibt. Zweitens: mitdenken. Das heißt, die Stadt prüft weiter - wie bereits seit Januar 2016 und auch aktuell beim Bau des Einkaufszentrums NOC -, ob es fachlich und wirtschaftlich sinnvoll ist, bei Straßenbaumaßnahmen, auch von anderen Anbietern wie Stromversorgern, auf Stadtkosten gleich Leerrohre für Glasfaser mit zu verlegen. "Denn diese Leerrohr-Verlegungsarbeiten machen bis zu 80 Prozent der Kosten aus", weiß der Gutachter.

Zugleich sieht die Verwaltung die Notwendigkeit, die Lage der Leerrohre digital exakt zu vermessen und zu dokumentieren. Auch um Schäden wegen Bauarbeiten auszuschließen, wie sie aktuell in der Regensburger Straße zu Problemen in Tausenden Haushalten führen. (Seite 23)
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