Hochdefizitäres Keramikmuseum: Stadträte stimmen Umstrukturierung zu
Der Weg ist mühsam

Zwei Einrichtungen, ein Eingang: Über die Regionalbibliothek geht es ins Keramikmuseum. Bild: gsb
Politik
Weiden in der Oberpfalz
12.10.2017
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Kleine Erfolge könne man feiern, hier und da Fördersummen für Projekte abschöpfen. "Aber der Weg ist mühsam", bekennt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Es geht um das Keramikmuseum. Und das wird im Stadtrat weiter heiß diskutiert. Das Problem: Die Stadt fährt mit dieser Einrichtung jährlich über 200 000 Euro Defizit ein.

"Trotzdem sollten wir keine kulturelle Einrichtung in der Stadt verlieren, egal ob Keramikmuseum oder Musikschule", findet CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch. Gar von einem "Juwel" spricht Grünen-Stadtrat Veit Wagner, "wo wir keine Massen an Besuchern erwarten können". Warum eigentlich nicht, hakt Rainer Sindersberger von der Bürgerliste nach. Ins Vulkanmuseum in Parkstein strömten 16 000 Besucher pro Jahr. Das Keramikmuseum besuchten 2016 über 6000 Besucher.

Da kommt das Konzept der Arbeitsgemeinschaft "Waldsassener Kasten" mit OB, Bürgermeister Lothar Höher, Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz und den Leiterinnen von Keramikmuseum, Stefanie Dietz, sowie Regionalbibliothek, Sabine Guhl, gerade recht. Es soll das Keramikmuseum umstrukturieren und so das Defizit senken. Und das Konzept steht, heißt es im Stadtrat. Alle im Gremium sind einverstanden damit (Infokasten).

Es basiert vor allem darauf, das Museum im Zusammenspiel mit der Regionalbibliothek zu sehen. "Zudem wird geprüft, welche dritte Einrichtung wir einbinden können", verrät Höher. Nach den Mottos "Der gedeckte Tisch" oder "Guter Stil" können Kristall-, Glas-, Porzellan- und Textilfirmen aus der Stadt gemeinsam ihre Produkte im Museum platzieren. "Das spiegelt die Produktpalette der Stadt wider und ist Werbung für die Unternehmen." Gespräche hierzu liefen. Falls möglich unter Beteiligung eines Verbindungsmannes einer jeden Fraktion, bittet Höher.

Jede Gruppierung sagt ihre Mitarbeit zu. Viele üben aber auch Kritik. Vor allem daran, dass der Freistaat keine Dauerförderung für das Museum leisten will. "Da geht kein Weg hin", sagt Höher. "Dann müssen wir uns überlegen, ob wir uns das Museum noch leisten können", kontert Bürgerlisten-Stadtrat Sindersberger. Schließlich bestünde das Gros des Defizits (180 000 Euro) aus Personalkosten. "Das kann unsere Stadt in ihrer aktuellen finanziellen Situation nicht für ein ausgelagertes Museum des Freistaats schultern."

Dabei schätze Sindersberger - wie die Räte fraktionsübergreifend - die Bemühungen der Arbeitsgemeinschaft: "Ich fürchte nur, sie allein führen nicht zu einer wesentlichen Defizitverringerung." Umso wichtiger sei es, bei der Regierung nach der Vertragskündigung für das Museum bei den Nachverhandlungen 2018 weiter Druck aufzubauen, so Sindersberger. "Bei der Neureglung des Vertrags müssen wir unsere Interessen durchsetzen, die Regierung muss uns finanziell unter die Arme greifen", fordert auch Richter.

Ähnlich wie in Sachsen etwa, meint der OB. Die Kosten der Museen in Annaberg-Buchholz würden zu einem Drittel von einem Kulturfonds getragen. In diese Richtung tue sich hier bislang nichts. Geld könnte trotzdem fließen, weiß Bezirkstagsvizepräsident Höher: "Es kam aus Regensburg das Signal, für bauliche Veränderungen - wie für einen gemeinsamen Eingang - Höchstförderungen abrufen zu können."

Ein Konzept mit fünf AspektenDas Defizit des Keramikmuseums muss sinken. Das Konzept zur Umstrukturierung der kulturellen Einrichtung im Zusammenspiel mit der Regionalbibliothek soll dazu führen. So sieht es aus: Es gibt ...

... einen gemeinsamen Eingang über die Bibliothek.

... eine gemeinsame Verwaltung.

... gemeinsame Öffnungszeiten. Sie steigen wochentags von 30 auf 37 Stunden im Keramikmuseum. Dafür ist das Museum am Sonntag geschlossen.

... einen Abteilungsleiter für beide Einrichtungen sowie

... eine gemeinsame Vermarktung beider Kultureinrichtungen. (mte)
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