06.07.2017 - 18:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Interview mit Rechtsdezernent Hermann Hubmann Der Berater

Erst stand er mit Oberbürgermeister Hans Schröpf einem CSU-Parteifreund zur Seite. Seit knapp zehn Jahren ist es mit Kurt Seggewiß ein SPD-OB. Ein Problem? Nicht für Rechtsdezernent Hermann Hubmann. Er arbeitet zum Vorteil der Stadt Weiden. Auch an seinem 65. Geburtstag, den er an diesem Freitag, den 7. Juli, feiert.

Als unsere Fotografin Gabi Schönberger Hermann Hubmann bittet, sich doch ganz locker an seinen Schreibtisch zu lehnen, muss der Rechtsdezernent feststellen: "Locker geht gar nicht so leicht." Bild: Schönberger
von Volker Klitzing Kontakt Profil

Wie immer wird er ab 8.30 Uhr an seinem Schreibtisch im 1. Stock des Rathauses sitzen. Und abends geht er erst nach Hause, wenn der leergeräumt ist. Heute will er schon mittags das Feld räumen. Dafür war es ja Anfang der Woche später geworden. Da kam ein NT-Interview zu seinem Jubiläum dazwischen. Mit Hubmann sprachen Reporterchefin Simone Baumgärtner und Redakteur Volker Klitzing.

Herzlichen Glückwunsch zum 65. Geburtstag, Herr Hubmann. Aber zum Ruhestand können wir noch nicht gratulieren, oder?

Hermann Hubmann: Nein. Ich bin als berufsmäßiger Stadtrat Wahlbeamter auf Zeit - bis März 2019.

Stehen Sie oft vor Gericht?

Fast nicht mehr. Um Zivil- und Arbeitsrecht kümmert sich Frau Sanner, um öffentliches Recht Frau Hammerl. Bei ganz wichtigen Projekten schalte ich mich ein, wie aktuell beim Bebauungsplan Fondara für das Einkaufszentrum NOC. Da ist am 28. Juli der vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof angesetzte Ortstermin. Seine Fortsetzung findet er im großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses. Der Termin ist öffentlich.

Sind Sie bei den Verfahren die Streithansel? Oder werden Sie, also die Stadt, eher angestritten?

Wir führen nur wenige Aktiv-Prozesse. Im Normalfall geht es um Bescheide der Stadt, die vom Bürger angefochten werden. Wir sind also meistens die Beklagten.

Wie hoch ist Ihre Erfolgsquote?

106 Prozent. Nein, Spaß beiseite. Wir verlieren tatsächlich nur wenige Prozesse.

War das mal anders?

Nein, es gab nur anderslautende Gerüchte.

Warum sind Sie damals, 1981, als Jurist zur Stadt gegangen?

Ich habe mich bei der Stadt beworben, weil verschiedene Freunde mich gebeten haben, dies zu tun. Ursprünglich hatte ich mal eher an den diplomatischen Dienst gedacht.

Sie waren zunächst zwölf Jahre Stellvertreter des Oberstadtdirektors Dr. Helmut Leupold. Was haben Sie in dieser Zeit gelernt?

Dienstlich war's ganz angenehm.

Hatten Sie in dieser anscheinend nicht ganz leichten Phase auch mal daran gedacht, doch in eine Kanzlei zu wechseln?

Ja. Die ersten 15 Jahre habe ich ständig daran gedacht. Irgendwann ging's dann eh nicht mehr, weil die Pensionsansprüche schon zu hoch waren. Heute bin ich froh, dass alles so gekommen ist, wie es ist. Ich fühle mich absolut wohl, bin gern im Büro. Man muss mich nicht rein zwingen. Und ich bin richtig stolz auf die Mannschaft im Rathaus.

Wie viel Mitarbeiter haben Sie eigentlich im Rechtsamt?

Mit der Verkehrsüberwachung sind das etwa 20. Aber zum Dezernat gehören auch das Umweltamt, das Amt für öffentliche Ordnung, das Jugend- und das Sozialamt. Da sind wir dann bei 200 Mitarbeitern. Da sind in erster Linie Führungsaufgaben gefragt.

Wie viele Rechtsstreitigkeiten haben Sie im Jahr zu bewältigen?

Das sind ungefähr 35 und hört sich nicht so viel an. Im Vordergrund steht aber die Rechtsberatung.

Ihr heikelster Fall?

Die Höhepunkte sind meist die heikelsten Fälle, wie die Genehmigung für die Firma Sonnenschein. Von OB Schröpf kam die Vorgabe, das Verfahren innerhalb von fünf Monaten abzuschließen. In Berlin waren die gerade ins fünfte Jahr gegangen. Wir haben's geschafft. Auch die Aufarbeitung der Prüfberichte durch Frau Sanner, Herrn Leibl und mich hatte es in sich. Am Ende überwogen die Kosten die erzielten Einnahmen. Knifflig war der Ansiedlungsvertrag mit OWS im Gewerbegebiet Mitte.

Ihr schwierigster Fall?

Die Bewältigung des Flüchtlingansturms. Eingesetzt haben sich dabei nicht nur viele, viele Ehrenamtliche. Auch die Verwaltung stand Tag und Nacht bereit. Das hat sicher dazu beigetragen, dass alles so gut geklappt hat. Die Grundstimmung ist auch heute nicht negativ.

Seit knapp zehn Jahren sind Sie engster Mitarbeiter von OB Kurt Seggewiß . . .

.. . Nein, ich bin städtischer Berater, der immer zum Vorteil der Stadt arbeitet.

Wir bleiben jetzt mal aus unserer Sicht bei der Formulierung engster Mitarbeiter. Er ist SPD-, Sie sind CSU-Mitglied. Kommt es da zu Loyalitätskonflikten?

Nein, wie gesagt, ich bin städtischer Berater. Dann müsste ich ja was gegen die Stadt machen.

Dann fragen wir andersrum. Ergeben sich aus der Konstellation Probleme mit der Partei?

Aus meiner Sicht nicht. Auch mit der CSU bin ich im Reinen. Ich habe mich gefreut, dass mir Staatsministerin Emilia Müller für 40-jährige Mitgliedschaft gedankt hat.

Nochmal zu Seggewiß.

Er hat mich bei seinem Amtsantritt nicht gleich stramm stehen lassen. Wir kannten uns schon lange, haben sogar in einer Mannschaft Tennis gespielt. Wir haben von Anfang an vertrauensvoll zusammengearbeitet.

Vor Kurt Seggewiß war Hans Schröpf Oberbürgermeister.

Ein großer Kommunalpolitiker. Mit Unterstützung von Gustl Lang hat er Weiden unwahrscheinlich nach vorn gebracht. Ich habe viel von ihm gelernt. Ohne ihn würde Weiden nicht da stehen, wo es jetzt steht. Deshalb hätte ich mich auch gefreut, wenn er den Ehrentitel Alt-Oberbürgermeister bekommen hätte.

Den hat er wohl selbst verspielt.

Man hätte es trotzdem machen können.

Konnte Schröpf nicht rechtzeitig loslassen?

Das kann ich nicht beurteilen.

Sie sagten, Sie hätten viel gelernt.

Taktik, Vorgehensweise, wie man ein Ziel erreicht, mit Beharrlichkeit und auch mit dem Kopf durch die Wand.

Sagen Sie uns ein Beispiel für Ihre Lernfähigkeit.

Das Sozialbürgerhaus möchte ich noch realisieren. Deshalb habe ich zuerst den Einzugstermin festgelegt.

Wann soll das sein?

Ende 2018. Jetzt im Juli kommt das Thema zum dritten Mal in den Stadtrat. Grundlagen liegen vor, es ist Zeit für Entscheidungen. Das Sozialbürgerhaus ist auch ein gutes Beispiel, ebenso wie die Flüchtlingsaufnahme, wie dynamisch die Verwaltung an Projekte herangeht.

Herr Hubmann, was wünschen Sie sich zum Geburtstag?

Dass ich bis 2019 noch arbeiten kann. Dann bin ich dabei, wenn Ende 2018 das Sozialbürgerhaus in Betrieb geht. Ansonsten erwarte ich persönlich keine Geschenke. Freuen würde ich mich aber über Spenden an das Diakonische Werk und den Arbeitskreis Asyl für ihre so wichtige Flüchtlingsarbeit.

Hermann Hubmann ganz privat

Der Jubilar steht auch an seinem 65. Geburtstag kurz vor 6 Uhr auf und trainiert eine halbe Stunde auf dem Crosstrainer. Bad, Frühstück und die Lektüre des "Neuen Tags" folgen. Ab 8.30 Uhr sitzt er dann an seinem Schreibtisch im Rathaus. Hermann Hubmann ist mit Ehefrau Elisabeth verheiratet und Vater zweier Kinder. Tochter Sophie lebt als School-Manager in Sydney, Australien. Sie ist Mutter von Enkel Theodore. Sohn Konstantin ist im kanadischen Vancouver zu Hause. Als Digital Artist ist er beteiligt an Hollywood-Streifen wie "The Fate Of The Furious" oder "Hotel Transylvania". Computer spielen auch eine Rolle, wenn sich die Familie jeden Sonntag trifft: beim Skypen.

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