06.03.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Investor erwirbt alte Turnhalle bei Hans-Sauer-Schule Verkauft statt saniert

Ein Investor erwirbt die alte Turnhalle und ein Gelände bei der Hans-Sauer-Schule. Die Stadt spart damit viel Geld, auch die Schule und Rothenstadt sollen profitieren. Sportvereine bewerten das Geschäft dagegen skeptischer.

Die alte Turnhalle der Hans-Sauer-Schule (linker Gebäudeteil) und der kleine Zwischenbau werden verkauft - zusammen mit dem umliegenden Grundstück. Auf dem Areal will ein Investor einen Neubau mit Gewerbe-, Praxis- und Wohnflächen errichten. Die Bäume wurden vor Beginn der Brutsaison schon gefällt. Bild: Schönberger
von Franz Kurz Kontakt Profil

Rothenstadt. Geld reinstecken oder sie zu Geld machen? Bei der Frage, was aus der alten Turnhalle der Hans-Sauer-Schule werden soll, hatte der Stadtrat schon seit einigen Jahren zwei grundsätzliche Optionen auf dem Tisch. Nun bestätigt Kämmerin Cornelia Taubmann, wofür sich das Gremium im Oktober in nichtöffentlicher Sitzung entschieden hat: Mit großer Mehrheit stimmte es für einen Verkauf der sanierungsbedürftigen Halle, eines kleinen Zwischengebäudes und des umgebenden 2940 Quadratmeter großen Grundstücks an einen Investor. Beim direkt an das Zwischengebäude anschließenden Schultrakt bleibt dagegen alles beim Alten.

Der Vertrag soll in den nächsten Tagen unterschrieben werden. Ab 1. Mai wäre die Halle dann für Schule und Vereine nicht mehr nutzbar, zur Verfügung stünde dann nur noch die neue Turnhalle. Der Investor plant den Abriss der alten Halle und einen Neubau für Praxis-, Gewerbe- sowie Wohnflächen. Die genaue Ausgestaltung sei offen, derzeit suche er weitere Interessenten. Wenn alles in trockenen Tüchern sei, werde er sich und seine Pläne vorstellen, erklärt der Investor.

Laut Taubmann hat der Verkauf mehrere Vorteile. Bei der alten Halle - Baujahr 1952 - habe es massiven Sanierungsbedarf gegeben. Eine Schätzung vor wenigen Jahren sei auf rund 1,4 Millionen Euro gekommen, ein Betrag, der heute wohl noch etwas höher ausfallen würde. Und das für ein Gebäude, das mit einer Grundfläche von 239 Quadratmetern für eine Sporthalle sehr klein sei. Die Sanierung hatte der Stadtrat deshalb ohnehin schon länger hintangestellt.

Vergangenen Mai habe der Investor Interesse angemeldet und eine Konzeption vorgelegt, "die auch dem Stadtteil gut tut", wie die Kämmerin sagt. "Rothenstadt wird gewinnen." Der Preis, den er zahlte, "ist angemessen". Hinzu komme: Auch den Abriss, dessen Kosten die Stadt einmal auf rund 145 000 Euro geschätzt habe, übernehme er. "Wir haben da kein schlechtes Geschäft gemacht", bilanziert Taubmann.

Vier Mal beraten

Vor dem Verkauf habe trotzdem allein der Finanzausschuss noch vier Mal beraten. Es sei darum gegangen, die Unterbringung der Vereine, den Schulbetrieb und Sicherheitsfragen für die Schüler zu klären. Tatsächlich führt der Weg für die Kinder von der Bushaltestelle zur Schule und zurück mitten durch das Grundstück. Im Vertrag sei nun festgehalten, dass auch künftig ein abgesicherter Korridor dafür frei sei. Für den Spielplatz, der bislang auf dem Grundstück war, suche die Stadtgärtnerei einen neuen Ort in Rothenstadt. Auch für die Umzugskosten der Spielgeräte werde der Käufer aufkommen.

Erlös fließt in Schule

Apropos Geld: Was mit dem Verkaufserlös geschieht, ist ebenfalls schon fix. Wie Taubmann betont, hat der Stadtrat festgeschrieben, dass die komplette Summe in Maßnahmen zugunsten der Sauer-Schule fließe.

So weit, so gut. Trotzdem bleibt natürlich der Verlust der Gebäude. Vergleichsweise rasch fand sich noch eine Lösung für das BRK, das die Räume in dem kleinen Zwischenbau nutzte: Es hat bei der Feuerwehr eine neue Bleibe gefunden. Die Schule hat nach Taubmanns Informationen vorerst auch keine argen Probleme: Zum einen gibt es ja noch die neue Turnhalle. Zum anderen ließen sich ab Mai viele Aktivitäten nach draußen verlagern. Zum kommenden Schuljahr werde die Schule dann entsprechend mit nur einer Halle planen müssen. Das, das räumt die Kämmerin ein, sei organisatorisch durchaus fordernd. "Aber wir haben alles getan, um den Aufwand so gering wie möglich zu halten." Die Schule selbst war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch für einige Vereine hat der Wegfall der Halle Auswirkungen. Christian Meiler vom Sportbüro der Stadt arbeitet an einer Lösung. Für manche habe sich schon eine gefunden. Für andere stehe sie noch aus, sagt er. Und da könnte noch einiges zu tun sein. "Es wird eng werden", meint jedenfalls Robert Hagn, Vorsitzender des VfB Rothenstadt. Vielleicht noch nicht gleich. Aber spätestens ab Herbst, wenn die Ski-Gymnastik-Gruppe oder die Alten Herren Trainingszeiten in einer Halle bräuchten. Ohnehin, sagt Hagn, sei er offiziell noch gar nicht über die Schließung informiert.

"Eine Katastrophe"

Auch die Hallen-Nutzer vom 1. Judoclub (JC) machen nicht gerade Luftsprünge. Vorsitzender Josef Schörner betont zwar, dass sich die Stadt und Meiler alle Mühe gäben - der JC kommt vorläufig in der neuen Turnhalle unter. Dennoch: In der alten habe es einen Dojo, einen kleinen Trainingsraum, gegeben. Der sei nun fort, ein intensives Einzeltraining damit erschwert. Weil es in der neuen Halle nur eine Dusche gebe, seien auch Angebote wie Lehrgänge dort nicht mehr möglich. Aber, auch das betont Schörner: Alles beim Alten zu belassen - das wäre angesichts des baulichen Zustands auch keine Option gewesen. "Die Turnhalle war natürlich eine Katastrophe."

Rothenstadt wird gewinnen.Cornelia Taubmann

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