Islamismus-Vorwurf gegen 30-Jährigen: Terrorverdacht gegen ehemaligen Weidener Torwart

Vor zehn Jahren stand er bei der SpVgg Weiden zwischen den Pfosten. Heute sitzt der Torwart auf der Anklagebank in München, unter Terrorverdacht. Er ist nicht der einzige Islamist in diesem Verfahren.

Die drei wegen der Unterstützung der Terrorgruppe "Junud al-Sham" Angeklagten warten mit ihren Anwälten auf den Beginn des Prozesses am Oberlandesgericht München. Bild: Sven Hoppe/dpa
von Alexander Pausch Kontakt Profil

München/Weiden. Der Prediger Izzudin J. hat in den vergangenen Jahren in Deutschland, Österreich und in der Schweiz mit vielen islamistischen Imamen für den Salafismus geworben. Etwa mit Abu Walaa, der als Drahtzieher des Attentats durch den Tunesier Anis Amri auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin vor einem Jahr gilt. Oder mit Ebu Tejma, der vor einem Jahr in Graz als "Schlüsselfigur des IS in Österreich", so der Staatsanwalt, zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Nun steht der 33-Jährige in München selbst vor Gericht. Der gebürtige Bosnier Izzudin J. ist wie zwei Helfer wegen der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland angeklagt.

Einer der beiden Mitangeklagten ist in Weiden kein Unbekannter. Der heute 30-Jährige stammt aus Bosnien, war vor zehn Jahren eine Rückrunde lang Torwart bei der SpVgg Weiden. Allerdings stand er damals kaum zwischen den Pfosten, meist drückte er nur die Ersatzbank. Weiden war nicht die einzige Station des Fußballers in der Region, Neumarkt, Greuther Fürth II und Seligenporten waren weitere Vereine bei seiner Karriere als Kicker.

In diese Zeit fallen auch die Taten, die die Staatsanwaltschaft ihm und den beiden Mitangeklagten, dem Salafisten-Prediger Izzudin J. und einem 38 Jahre altem Kosovaren zur Last legt. Sie sollen in den Jahren 2013 und 2014 zur Unterstützung der Dschihadistengruppe Junud al-Sham (Soldaten Syriens) Fahrzeuge nach Syrien geliefert haben. Zudem wirft ihnen die Anklagebehörde Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor. Die drei Männer sollen bei ihren Reisen ins Kriegsgebiet damals Kalaschnikows dabei gehabt haben. Organisiert wurden die Transporte nach Syrien laut Anklage unter anderem aus Nürnberg.

In der Frankenmetropole war Izzudin J., der zeitweise auch in Bonn gelebt hat, Anfang März auch festgenommen worden. Seither ist er in Haft, während die Mitangeklagten weiterhin auf freiem Fuß sind. Erste Durchsuchungen durch die Polizei wegen des Vorwurfs der Unterstützung einer Terrorgruppe in Syrien und der Lieferung von Fahrzeugen hatte es bereits im September 2014 gegeben, auch bei Izzudin J.

Bei Ermittlungen wegen Junud al-Sham fiel die Oberpfalz schon mehrfach auf. Wegen der Mitgliedschaft und Werbung für diese Terrorgruppe war im Mai ein türkischer Bürger in Neustadt/WN festgenommen worden. Er und ein weiterer Verdächtiger, der auf freiem Fuß ist, sollen in den Jahren 2013 und 2014 in Syrien eine Ausbildung an Kriegswaffen erhalten und für die Terrororganisation gekämpft haben. Bei der im Kern tschetschenischen Dschihadisten-Gruppe Junud al-Sham, die häufig an der Seite der Al-Kaida-Gruppe Jabhat al-Nusra kämpfte, war auch ein Neustädter Fußballer mit türkischen Wurzeln. Er war 2014 getötet worden.

Bei der Verhandlung am Donnerstag im neuen Sitzungssaal 1/2 am Rande des Gefängnisses Stadelheim in München war die Bewertung von Junud al-Sham als Terrorgruppe das Thema. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass die Gruppe nicht nur an der Seite der Al-Kaida-Gruppe Jabhat Nusra kämpft, sondern auch an der Seite der Terrormiliz IS, etwa beim Angriff auf dem armenisch-christlichen Ort Kassab im Norden Syriens. Der Prozess vor dem Staatsschutzsenat ist bis zum 25. Januar angesetzt. Den Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Frauen und Jugendliche als Gefährder eingestuft

Die Sicherheitsbehörden in Deutschland stufen mehrere Dutzend Frauen und Jugendliche als islamistische Gefährder ein - und trauen ihnen damit potenziell einen Terrorakt zu. Unter den mehr als 720 islamistischen Gefährdern gebe es einen niedrigen einstelligen Prozentanteil an Frauen und Minderjährigen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen hatte zuletzt eindringlich vor einer Gefahr durch islamistische Frauen und Kinder gewarnt - insbesondere durch jene, die aus früheren Kampfgebieten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückkehren. Nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) haben die deutschen Behörden in diesem Jahr bereits drei Terroranschläge verhindert. Rund 50 deutsche Islamistinnen sind inzwischen aus den umkämpften Regionen in Syrien und Irak nach Deutschland heimgekehrt. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Funke-Mediengruppe vorliegt. Insgesamt sind in den vergangenen Jahren 960 Menschen in Richtung Kriegsgebiet ausgereist, um sich Milizen anzuschließen. "Etwa ein Drittel der ausgereisten Personen befindet sich wieder in Deutschland. Davon sind mehr als 15 Prozent weiblich", schreibt das Auswärtige Amt. (dpa)

 

 

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