16.02.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Jahresbilanz des Jobcenters Weiden-Neustadt Mehr Personal, mehr Integration

Die Integration von Langzeitarbeitslosen ist sehr personalaufwendig - doch sie funktioniert. Dies wird bei der Jahresbilanz des Jobcenters Weiden-Neustadt besonders deutlich.

Die Integration von Geflüchteten gehört laut Wolfgang Hohlmeier (sitzend) zu den wichtigsten Aufgaben des Jobcenters. Deshalb darf bei der Jahresbilanz auch Integrationsbeauftragter Eduard Neuendank nicht fehlen. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

"Die Hartz IV-Gesetze funktionieren", das betonte Wolfgang Hohlmeier, Geschäftsführer des Jobcenters Neustadt-Weiden, bei seiner Bilanz für das vergangene Jahr. "Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, die mit Hartz IV-Leistungen unterstützt werden, ist von 4700 im Jahr 2006 auf 3300 im vergangenen Jahr zurückgegangen", informierte Hohlmeier. Ähnliche Statistiken gebe es auch für erwerbsfähige Leistungsbezieher: "Diese haben ebenfalls um ein Drittel abgenommen."

Zwei Drittel der vom Jobcenter Betreuten sind Langzeitarbeitslose, "marktfern", wie Hohlmeier sagt. Ihre Eingliederung in den Arbeitsmarkt erfordere einen immens hohen Arbeitsaufwand. "Vermittlungsvorschläge allein reichen dabei meist nicht aus. Man muss oft schon bei den Lebensumständen ansetzen." Deshalb, so Hohlmeier, konnte deren Integration nur mit hohem Personaleinsatz und Fördermitteln aus Sonderprogrammen erreicht werden. Trotzdem ist er nicht ganz zufrieden. Denn: "Es fehlt uns an Geld und an Mitarbeitern."

"Je weiter jemand von der Marktfähigkeit entfernt ist, desto höher ist der Personalaufwand für eine Integration", betonte auch Monika Reichel, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters. Dabei müsse sich ein Vermittler "effektiv gerechnet" um rund zweihundert Arbeitslose kümmern. Das Jobcenter war deshalb im vergangenen Jahr auf zahlreiche Sondermaßnahmen und -programme für marktferne Kunden angewiesen. An erster Stelle nennen die Vertreter des Jobcenters hier das Bundesprogramm "Soziale Teilhabe". Deren Zielgruppe sind Personen, die seit mindesten vier Jahren im Leistungsbezug des Sozialgesetzbuches II stehen, also Hartz IV beziehen. Betriebsakquisiteure erschließen hierfür in der Regel geeignete Arbeitsplätze für die Langzeitarbeitslosen und betreuen die ehemaligen Hartz-VI-Empfänger über längere Zeit.

"Der Rückgang der Hartz-IV-Leistungsempfänger hätte deutlich stärker ausfallen können, wären nicht in den letzten zwei Jahren zusätzlich viele Migranten auf das Jobcenter zugekommen", betont Hohlmeier. Denn das Jobcenter ist für alle Flüchtlinge zuständig, deren Aufenthaltsstatus als zumindest mittelfristig gesichert gilt. Derzeit sind 791 Migranten als erwerbsfähige Leistungsempfänger im Jobcenter gemeldet. "Wir müssen aufpassen, dass sich dieser Personenkreis nicht in die Langzeitarbeitslosigkeit hinein verlagert", warnt Hohlmeier. Ein Riskio sieht der Geschäftsführer vor allem in den mangelnden Sprachkenntnissen. Trotz Sprachlehrgängen hätten lediglich 111 der gemeldeten Flüchtlinge das zum Arbeiten zwingend erforderlich Sprachniveau B1 erreicht. Deshalb seien dringend weitere Sprachqualifikationen erforderlich.

Dafür empfiehlt Eduard Neuendank, Integrationsbeauftragter des Jobcenters, diverse Übungen. "Zum Beispiel, indem sie sich untereinander in Deutsch unterhalten." Fünf "Fluchtvermittler" kümmern sich derzeit im Jobcenter um die Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt. Mit Fördermitteln aus dem Europäischen Sozialfond ist auch ein "Betriebsakquisiteur Flucht" im Einsatz. Begleitender Sprachunterricht, Jobbörsen, Fluchtcoaching und mobile Integrationshilfen gehören ebenfalls zum Konzept.

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte

Zu den wichtigsten Statistiken des Jobcenters gehören die Zahlen über erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Rund 4300 Personen zählen dazu, darunter rund 2800 Arbeitslose. Wer sich in schulischer oder beruflicher Ausbildung befindet, gilt nicht als arbeitslos. 56 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsempfänger entfallen auf die Stadt Weiden, 44 Prozent auf den Landkreis Neustadt. 28 Prozent aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sind Ausländer. Das Jobcenter betreut auch nichterwerbsfähige Leistungsberechtigte, 885 in der Stadt Weiden und 690 im Landkreis. 96 Prozent davon sind Kinder unter 15 Jahren. (sbü)

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