26.02.2017 - 20:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Jugendhilfeausschuss: Bericht über Vormundschaft bei jungen Flüchtlingen Beistand in schweren Zeiten

Nicht nur die Heimat ist weit weg. Die Eltern sind es auch: Zahllose minderjährige Flüchtlinge sind in den vergangenen Monaten und Jahren ohne Begleitung naher Verwandter nach Deutschland gekommen. Für sie, so will es das Gesetz, braucht es einen Vormund. In Weiden übernimmt das im Auftrag des Jugendamts ein Verein: die Kolping-Jugendhilfe in der Diözese Regensburg. Eine Aufgabe, die alles andere als leicht ist. Das zeigt die Sitzung des Jugendhilfeausschusses, in der Vertreter ihre Arbeit vorstellen.

von Franz Kurz Kontakt Profil

Der Verein, eine Tochter des Kolping-Bildungswerks, führt seit Juli 2015 einen Großteil der Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in und um die Stadt. Vom Standort Weiden aus betreuten die Mitarbeiter in Spitzenzeiten bis zu 56 Mündel, berichtet Fachbereichsleiterin Silvia Roduner. Die meisten davon, mehr als zwei Drittel, seien junge Afghanen, gefolgt von Syrern.

Einer der Vormunde ist Johann Ott. Der AOK-Direktor im Ruhestand arbeitet halbtags beim Tirschenreuther Standort des Vereins. Als Vormund, erläutert er vor dem Ausschuss, bekomme er das Sorgerecht für die jungen Leute. Er kümmert sich um ihr Wohlergehen. Fragen etwa nach Nahrung, Kleidung oder Wohnung seien in der Regel schnell geklärt, weil das Jugendamt die Flüchtlinge in Einrichtungen unterbringe. Aber da seien ja auch noch viele andere Bereiche.

Die Gesundheit zum Beispiel. Vor einer Operation müsse der Vormund die Zustimmung erteilen. Gleiches gelte auch, wenn es etwa um die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder die Teilnahme an einem Wandertag gehe. "Ein anderes großes Thema ist Bildung", erklärt Ott. Welche Schule ist die richtige? Das, so der Vormund, sei eine der Fragen, die er mit beantworten müsse.

Und dann ist da natürlich das Asylverfahren. Ohne Ott können die Flüchtlinge keinen Antrag stellen. Er hilft seinen Schützlingen zudem bei Kontakt mit dem Amt, er kann auch einen Anwalt einschalten, wenn er einen Bescheid für inkorrekt hält.

Was dabei über all dem schwebt, ist die schwierige Situation der Flüchtlinge. Die Kinder - Otts jüngstes Mündel ist Jahrgang 2007 - und Jugendlichen haben oft Traumatisches auf der Flucht erlebt. "Da bleiben Narben", sagt Ott. Hinzu komme die Trennung von den Eltern, wobei manche gar ganz den Kontakt zu Mutter und Vater verloren hätten und nicht einmal wüssten, ob sie leben. Anderen wiederum müsse er erklären, dass es in Deutschland gesetzlich mit dem Familiennachzug nicht so leicht sei, weshalb sie auch noch länger ohne Eltern bleiben müssten.

Unterm Strich bedeutet das, dass es viele Fälle gibt, "die sehr zeitintensiv sind". Zumal der Vormund sein Mündel ja regelmäßig persönlich trifft und die Arbeit nicht mit ein paar Briefen getan ist. Und hier sei auch das Problem für ihn und die Kollegen: Zwar sei die Betreuung von jungen Flüchtlingen in Deutschland generell sehr gut, sagt Ott. Der Personalschlüssel bei den Vormunden liege aber bei einem Betreuer für 30 Mündel. "Da ist momentan das ordnungsgemäße Arbeiten nicht mehr möglich." Er appelliere deshalb dringend an die Politik, das zu ändern.

Denn die Vormundschaften gleich ganz schmeißen, das wird auch deutlich, will Ott nicht. Klar, es gebe die vielen Schwierigkeiten, sagt er. Aber wie das nunmal oft so ist, sei da auch noch die andere Seite an der Arbeit mit Menschen, egal woher sie kommen: "Ich habe wirklich tolle Erlebnisse gehabt."

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