Katalonien verschiebt Entscheidung über Unabhängigkeit
Europa nicht zerfleddern

Die Vertagung der Entscheidung ist nur aufgeschoben: Die Unabhängigkeit steht weiter auf der Agenda von Kataloniens Regionalregierung.

Es gab einmal einen Traum von einem Europa der Regionen. Heute droht der Kontinent in die Kleinstaaterei zurückzufallen. Unverantwortliche Politiker setzen mit der Parole von der "nationalen Wiedergeburt" Wohlstand und Sicherheit ihrer Bürger aufs Spiel. Im Zeitalter der engen digitalen Vernetzung der Weltwirtschaft wirkt der Drang zur Sezession unwirklich - wie Anachronismus.

Südosteuropa (allen voran das Kosovo und die starke ungarische Minderheit in Rumänien), Schottland und Nordirland, die Basken, Flamen und Wallonen blicken auf Katalonien. Spanien ist ein demokratischer Rechtsstaat, kein kolonialer Ableger oder ein autoritäres Regime wie die einstige UdSSR, auf deren Trümmern zahlreiche souveräne Staaten erstanden.

Offenbar vergessen: 1978 votierten 90 Prozent der Katalanen für die spanische Verfassung und für die unverbrüchliche Einheit des Landes. Nur im Gespräch, im transparenten Dialog, lassen sich die Beziehungen zwischen Zentralstaat und Regionen neu ordnen. Ohne dieses Aufeinander-Zugehen würden nicht nur Katalonien und Spanien verlieren: Es wäre ein Menetekel für die weitere Zerfledderung Europas, ein Zurück ins 19. und 20. Jahrhundert, die so viel Unheil über die Menschheit brachten.
2 Kommentare
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A. Schmigoner aus Schmidgaden | 11.10.2017 | 23:24  
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Stefan Kreuzeck aus Weiden in der Oberpfalz | 12.10.2017 | 17:10  
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