02.03.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Kein Aschermittwoch wie jeder andere": Auch die Weidener SPD spürt dank Kanzlerkandidat Schulz ... SPD: Martin macht das schon

Das schaffen wohl nur Polit-Heilige: Martin Schulz ist an diesem Abend natürlich nicht physisch im Rothenstädter Lehnersaal zugegen. Sein Geist aber, der ist allgegenwärtig unter den Weidener Genossen beim Politischen Aschermittwoch: Fällt sein Name in den Ansprachen - und das ist oft der Fall -, gibt's immer wieder Applaus. Manch Besucher hat sich auch einen Button mit dem Konterfei des SPD-Kanzlerkandidaten angeheftet. Überhaupt ist die Stimmung beseelt, was bei der SPD nun wirklich nicht immer der Fall war, wenn es um Landes- oder Bundespolitik ging. Da ist es nur folgerichtig, dass Ortsvereinschef Gerold Gleißner von "Sankt Martin" spricht.

Auffällig gut gelaunt erlebte die SPD den Aschermittwoch. Applaus bekam Redner Uli Grötsch, vor allem aber, in Abwesenheit, Martin Schulz. Bild: gsb
von Franz Kurz Kontakt Profil

Leibhaftig erlebt hat ihn Oberbürgermeister Kurt Seggewiß wenige Stunden zuvor. Seggewiß war in Vilshofen, wo Schulz vor rund 5000 Anhängern, darunter einige weitere aus Weiden, aufgetreten war. Der Oberbürgermeister zeigt sich überwältigt von dem Auftritt. Schulz sei "ein Mann, der die deutsche Sozialdemokratie wieder nach vorne bringen kann, ähnlich wie Willy Brandt".

Große Namen, große Worte: Tatsächlich sind auch die Oberpfälzer Genossen in Aufbruchstimmung. "Das ist kein Aschermittwoch wie jeder andere für die SPD", hält denn auch Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch fest. "Vor wenigen Wochen hätten wir mit dieser Stimmung nicht gerechnet", räumt er ein. Aber jetzt: hervorragende Umfragewerte. Und in Vilshofen habe die SPD auch noch mehr Zuhörer als die Christsozialen in Passau gehabt. "Für die CSU", frotzelt Grötsch, "hat heute auch die Obergrenze am Aschermittwoch gegolten." Und das sei mehr als eine Momentaufnahme.

"Lasst euch nicht einreden, dass das ein Strohfeuer ist", ruft der Abgeordnete den Weidener Genossen zu. "Da ist noch Luft nach oben." Warum? Weil angesichts von "Schmuddelkindern" wie dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, mit dem sich die CSU umgebe, oder von Rechtspopulisten in Deutschland und im Rest des Kontinents die Sozialdemokratie "das Bollwerk" sei für ein soziales, freies Europa. Weil Angela Merkel die Ideen ausgingen "wie Ende der 90er Helmut Kohl". Und vor allem, weil "wir Deutschland gerechter machen wollen".

Gerechtigkeit ist auch das Leitmotiv in Grötschs Rede: Es gehe nicht an, dass Manager bei Fehlern Millionenabfindungen bekämen - während eine Verkäuferin beim kleinsten Fehler auf der Straße lande. Es sei ungerecht, wenn multinationale Konzerne kaum Steuern zahlen, wenn Banken mit Milliarden gerettet würden - während kein Geld mehr für Schulen bleibe. Gerecht sei dagegen, die Agenda 2010 in Teilen zu korrigieren, wie Martin Schulz das vorgeschlagen hat. "Wir", sagt Grötsch, "wollen das Leben in Deutschland jeden Tag ein Stückchen gerechter machen."

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