20.07.2017 - 21:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Können Deutsche noch in die Türkei reisen? Inoffizielle Reisewarnung

Weiden/Berlin/Ankara. Noch im März waren sich die Reiseveranstalter einig: Die Tourismusflaute in der Türkei werde anhalten - viele Urlauber ziehe es eher nach Mallorca und Kreta als nach Antalya. Und das obwohl die wichtigsten Veranstalter die Urlaubsregionen als unbedenklich etikettierten.

Leere Liegestühle am Wasser im südtürkischen Antalya. Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vor einem Jahr reisen weniger Touristen in das Land. Bild: Lena Klimkeit/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

DER Touristik (mit ITS und Jahn Reisen), FTI, TUI und Thomas Cook (mit Neckermann und Öger Tours) gaben lediglich die Empfehlung ab, sich von politischen Kundgebungen fernzuhalten. Auswirkungen auf Türkei-Reisende in den Strand- und Baderegionen gebe es nicht.

Zumindest bis Donnerstag hat sich daran nichts geändert. "Die Entscheidung, ob die Türkei als Reiseziel infrage kommt, trifft jedoch jeder Urlauber selbst", erklärte TUI-Sprecherin Anja Braun. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass die veränderte Einschätzung des Auswärtigen Amtes (siehe Kasten) schon bei den Veranstaltern angekommen ist.

"Ich fliege selbst"

In Weiden sieht man noch keinen Anlass, von einem Türkei-Urlaub abzuraten. "Die Urlaubsregionen sind absolut sicher", ist Christian Klamp von Nix-wie-weg überzeugt. "Ich fliege selbst in drei Monaten runter." Kurz nach dem Putsch im vergangenen Jahr habe es noch einmal einen Einbruch gegeben, inzwischen habe das Geschäft wieder angezogen: "Gute Hotels waren selten so voll wie zurzeit." Ein Grund dafür sei, dass andere Ziele fast ausgebucht seien. "Kundenseitig hat man deutlichere Nachlässe erhofft", sagt Klamp, "aber es gibt noch einige Schnäppchen."

Auch Lena Prem von Thomas Cook sieht das ähnlich: "Wir bewegen uns immer noch auf einem niedrigen Niveau, aber die Türkei ist wieder im Kommen, weil die Preise für andere Destinationen steigen." Gerade für Familien seien die Angebote deshalb attraktiv. Es gäbe zwar einige Kunden, für die die Türkei derzeit gar nicht in Frage käme. "Aber nach dem Anschlag ist Ägypten derzeit schwieriger zu verkaufen."

Aus politischer Perspektive scheint diese Gelassenheit nicht angebracht. Spätestens nach der Verhaftung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner vermuten Türkei-Beobachter hinter vorgehaltener Hand, die türkische Regierung wolle offenbar systematisch Deutsche als Geiseln nehmen, um sie gegen türkische Staatsbürger auszutauschen, die in Deutschland Asyl beantragt haben. Schon zuvor warnte das Auswärtige Amt Journalisten oder Menschenrechtler inoffiziell vor Reisen in die Türkei.

Hintergrund

Reisehinweise und was sie bedeuten

Berlin. (dpa) Die Risiken für Reisende sind von Land zu Land unterschiedlich. Eine Übersicht gibt das Auswärtige Amt (AA) online in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen.

Akute Gefahr für Leib und Leben besteht, wenn das AA eine Reisewarnung ausspricht. Das gilt in der Regel für Kriegs- und Konfliktstaaten. Aktuell gibt es Reisewarnungen für Afghanistan, Libyen, Syrien, Irak, Jemen und Somalia sowie den Gaza-Streifen in den Palästinensischen Gebieten (Stand: 20. Juli 2017). Für manche Länder gibt es zudem Teilreisewarnungen. Dann sind dort nur bestimmte Regionen lebensgefährlich, etwa der nördliche Sinai in Ägypten. Statt ausdrücklich davor zu warnen, kann das AA von Reisen in Länder oder Regionen abraten oder dringend abraten . Letzteres gilt derzeit etwa in der Türkei für die Grenzgebiete zu Syrien und zum Irak.

Wichtig für Pauschalurlauber: Erst wenn das AA ausdrücklich vor einem Land oder einer Region warnt, holen deutsche Reiseveranstalter ihre dortigen Gäste auf jeden Fall nach Deutschland zurück. Und Urlauber dürfen gebuchte Reisen dorthin gebührenfrei stornieren. Es handelt sich um höhere Gewalt. Rät das AA lediglich dringend von einem Reiseziel ab, ist die Lage nicht so eindeutig: Auch dann kann höhere Gewalt und damit ein kostenloses Stornorecht vorliegen - es muss aber nicht so sein. Es gibt Veranstalter, die Reisen in Länder und Regionen anbieten, von denen das AA dringend abrät.

Das AA kann in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen zu einzelnen Ländern außerdem auf generelle Gefahren durch hohe Kriminalität oder Terrorismus aufmerksam machen, ohne von Reisen abzuraten.

Krisenvorsorgeliste im Internet

Berlin. (dpa) Deutsche Reisende können sich online in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes (AA) aufnehmen lassen. Die Liste dient dazu, dass die jeweilige Botschaft oder das Konsulat sich in Krisen- und Ausnahmesituationen schnell mit dem Reisenden in Verbindung setzen kann. Die elektronische Registrierung ist eine freiwillige Maßnahme und steht laut Konsulargesetz jedem deutschen Staatsangehörigen zu, informiert das Ministerium.

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Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland: http://bit.ly/2voea2H

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