08.03.2018 - 21:30 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Konferenz zu "Perspektiven des ländlichen Raums" Schnelles Internet allein reicht nicht

Schnelles Internet ist das A und O - auch für den ländlichen Raum. Aber 100 Mbit/Sekunde allein richten es auch nicht, wenn es am Ort sonst keine adäquate Infrastruktur mehr gibt. Zu diesem Schluss kommen die Teilnehmer einer Diskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung über "Perspektiven des ländlichen Raumes".

Abgeordnete Annette Karl (von rechts), Harald Zintl von der Friedrich-Ebert-Stiftung, Florian Rieder von der IHK, Anton Brand vom Gleiritscher Dorfladen und Dr. Matthias Loew sprechen über den ländlichen Raum. Bild: Eichl
von Redaktion OnetzProfil

Der Konferenzraum der Max-Reger-Halle ist am Mittwochabend fast voll besetzt. Für das Thema interessieren sich Vertreter von Bildungseinrichtungen und Kommunalpolitiker aus der Stadt Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN. Mehrere Sprecher stimmen mit Annette Karl, Landtagsabgeordnete und Fachfrau der SPD-Landtagsfraktion für den ländlichen Raum, überein, dass die Nordoberpfalz ("mit Fug und Recht eine Aufsteigerregion") sich zur rechten Zeit unter Wert verkaufe. Ein junger Mann, der an der OTH Amberg-Weiden seinen Master gemacht hat und in seiner Heimat geblieben ist, drückt es so aus: "Es gibt so viele coole Firmen hier, viele sind einfach zu 'hidden'". Was nichts anderes heißt, als dass sich kleine und mittelgroße Firmen zu versteckt halten. Das trage zu der Einschätzung bei, es gäbe zu wenig hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Region.

Karl stellt das Ehrenamt heraus. Die Politikerin betont auch, dass eine notwendige Aufwertung des Ehrenamtes unter anderem durch verschiedene Vergünstigungen nicht dazu führen dürfe, dass hauptamtliche Strukturen abgebaut würden. Sie beklagt, dass niemand sich des Themas Breitbandausbau so annehme, dass dieser endlich flächendeckend Realität werde. Florian Rieder, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Nordoberpfalz, sagt, über 55 Prozent der Unternehmen in der Region brauchten nach einer Umfrage heute mehr als 100 Mbit/Sekunde, die ihnen aber kaum zur Verfügung stünden. Unter anderem basierten Automation, E-Commerce und Fernwartung auf einer Breitband-Internetverbindung. Und es sei alles andere als lustig, wenn in einer Firma die Internetverbindung "steht", weil auf der Autobahn daneben ein Stau herrscht und die Autofahrer alle gleichzeitig zum Handy greifen. Auch das Glasfaserkabel vor der Haustür helfe nur bedingt, wenn man einen Arzt brauche und der nächste kilometerweit entfernt ist. Der Weidener Hausarzt Dr. Matthias Loew sagt, allein um den Status Quo zu halten, brauche der Freistaat in den kommenden zehn Jahren etwa 900 zusätzliche Hausärzte. Er fordert unter Applaus eine Abschaffung des Numerus clausus an den Unis und Lehrstühle für Allgemeinmedizin an allen Hochschulen. Wie ein Dorfladen zu einem sozialen Mittelpunkt wird, erläutert der Geschäftsführer des mehrfach ausgezeichneten Gleiritscher Dorfladens, Anton Brand. Aus der Zuhörerschaft wird in der Diskussion unter anderem eine Regionalquote bei Studienplätzen für Studierende gefordert, die in der Region bleiben wollen.

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