23.06.2017 - 20:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Landwirtschaft muss ökologischer werden

(sbü) Trinkwasser kann in Deutschland überall bedenkenlos aus dem Wasserhahn getrunken werden. Jedoch wird es immer schwieriger, diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Ein Vortragsabend der Grünen widmete sich diesem Thema.

Parteivertreter von Bündnis 90/Die Grünen am Vortragsabend zum Thema "Wasser". Es referierten die agrarpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Gisela Sengl (vordere Reihe, Zweite von rechts) und der Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol (hintere reihe Dritter von rechts) Mit dabei auch die Direktkandidatinnen für den Bundestag für Weiden Gisela Helgath (Zweite von links) und für Schwandorf Tina Winkelmann (vorne ganz rechts)
von Siegfried BühnerProfil

Die Kreisverbände Weiden-Neustadt/WN und Tirschenreuth von "Bündnis 90/Die Grünen" hatten zu einem Vortragsabend über das Thema "Wasser - unser Lebensmittel Nr. 1" ins Café "Landgericht" eingeladen. Es referierten die agrarpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Gisela Sengl, sowie der Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol.

Beide hatten in den vergangenen Jahren zahlreiche parlamentarische Anfragen zum Thema Wasser gestellt und zitierten aus den Antworten der Staatsregierung. Am Ende ihres Referats stellte Sengl fest: "Die herkömmliche Landwirtschaft hat ihre Grenzen erreicht." Für die Expertin steht fest, dass die Landwirtschaft vor allem für die Nitratbelastung im Grundwasser verantwortlich ist. Zum Beispiel würden im "Schweinsgürtel um Landshut" besonders negative Werte gemessen werden.

Sengl nannte Zahlen der Nitratbelastung für ganz Bayern. Bei 6,5 Prozent des gesamten Grundwasseraufkommens liegen die Nitratbelastungswerte über dem zulässigen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter (mg/l). 9,7 Prozent liegt knapp darunter (37,3 bis unter 50 mg/l) und 13,3 Prozent zwischen 25 bis unter 37,3 mg/l. Oberpfalz, Niederbayern und Oberfranken lägen deutlich höher als der bayrische Durchschnitt.

Eine Grundwassergefährdung sieht die Agrarpolitikerin aus der Region Traunstein aber nicht nur in Bezug auf Nitrate, sondern auch bezüglich der Pflanzenschutzmittel/Pestiziden. Die "Belastungsanteilswerte" unterscheiden sich nur wenig von den Nitraten. "Grenzwerte gibt es leider nur für Nitrate und für Pestizide." Nicht für Hormone, Arzneimittel und Mikroplastik. Sengl sieht "dringenden Handlungsbedarf".

Modellrechnungen hätten ergeben, dass bei einer erforderlichen Wasseraufbereitung wegen zu hoher Nitratbelastung die Wasserversorger jährlich 134 Euro pro Haushalt umlegen müssten. Helfen könnten auch neue Brunnen, die Erschließung weiter entfernter Wasservorräte, Prämien für Landwirte oder zusätzliche Wasserschutzgebiete. Subventionen sollten umgesteuert werden in Richtung ökologische Landwirtschaft. Auch in der landwirtschaftlichen Ausbildung müsste der "Ökoanbau" breiteren Raum einnehmen.

Informationen speziell über die Oberpfalz bot der Vortrag des Abgeordneten Mistol. Er zeigte eine Landkarte für die Nitratbelastung unter der Überschrift "Risikoanalyse für die Grundwasserkörper der Oberpfalz" des bayerischen Umweltministeriums. Gelb gefärbt als Risikogebiet ist vor allem der gesamte Landkreis Amberg-Sulzbach. Weiden liegt am Rande knapp noch immer im Risikobereich. Ein anderes Schaubild zeigte die "Nitratkonzentration im Rohwasser öffentlicher Wasserversorger (2014)". Nitratmengen über 40mg/l weisen unter anderem "Tiefbrunnen 5 und 6" der Stadt Windischeschenbach und "Tiefbrunnen 14" der Stadt Weiden auf. Zu stark belastetes Wasser werde "gemischt mit anderem".

Eine weiteres Schaubild zeigte Messstellen mit über dem Normwerten liegenden Pflanzenschutzmittel-Anteile im Grundwasser. Auch sie liegen überwiegend im Landkreis Amberg-Sulzbach. Ursächlich für die "Zielverfehlungen im Grundwasser" seien neben der Landwirtschaft auch die knappe Personalsituation der Wasserwirtschaftsämter sowie der anhaltend hohe Flächenverbrauch durch einen Siedlungsgrad von circa 50 Prozent. Stadt Weiden und Landkreis Neustadt hätten insgesamt nur 47 Quadratkilometer Wasserschutzgebiete. Wasserversorger stünden auf der Seite der Grünen. Grundsätzlich stellt Mistol unter Hinweis auf das neue Güllegesetz fest: "Es tut sich was, aber nicht genug." Freiwilligkeit würde auf Dauer nicht ausreichen.

Es tut sich was, aber nicht genug.Jürgen Mistol (Grüne)

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