12.12.2012 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Lebenslänglich für Konradshöhe-Mörder - 13 Jahre und zwei Monate für Freundin, die im Auto saß: Die volle Härte des Gesetzes

"Ich bin schockiert. Mir fehlen die Worte." So kommentierte Rechtsanwalt Rouven Colbatz das Urteil gegen seine Mandantin. Die 1. Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold verurteilte die 24-Jährige im Mordprozess Konradshöhe wegen Beihilfe zum Mord. Im Strafmaß ging die Kammer sogar noch über die Forderung von Oberstaatsanwalt Gerhard Heindl hinaus und verhängte 13 Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe.

Nach dem Willen des Gerichts sollen der Angeklagte (rechts) und seine Ex-Freundin (links) die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Die Verteidiger Rouven Colbatz (Zweiter von links) und Tobias Konze kündigten Revision beim Bundesgerichtshof an.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Das Urteil für den Haupttäter Florian K., zuletzt als Bundeswehrsoldat wohnhaft in Regen, überraschte nicht: Die Strafe gegen den 23-Jährigen lautete auf lebenslange Haft wegen Mordes in Tateinheit mit versuchtem Raub mit Todesfolge. Aber auch hier gingen die Richter mit aller Härte vor: Sie erkannten eine besondere Schwere der Schuld. Das bedeutet, dass der Täter nicht mit einer vorzeitigen Entlassung nach frühestens 15 Jahren rechnen kann. Die bayerische Vollzugspraxis liegt in diesem Fall derzeit bei etwa 20 Jahren.

"Stenorette" im Flieger

Damit ging die Taktik des Pärchens, so wenig wie möglich zuzugeben und vor Gericht einfach zu schweigen, nicht auf. Gestanden hatten sie nur in einigen tausend Metern Höhe zwischen Madrid und München: Die Weidener Kripobeamten hatten ihnen bei der Überführung in getrennten Flügen die "Stenorette" unter die Nase gehalten. Sie handelten damit vielleicht ungewöhnlich, letztlich aber goldrichtig. Diese Aussagen blieben bis zum Schluss die einzigen. Sobald das Pärchen dem Weidener Haftrichter vorgeführt worden war, griffen die Anwälte ein und rieten zum Schweigen. Die Richter erlaubten sich jetzt, aus den durchaus unterschiedlichen Flugzeug-Versionen das Glaubwürdigste herauszupicken. "Es gibt bei beiden die verständliche Tendenz, das eigene Verschulden so niedrig wie möglich anzusetzen", erklärte Leupold: Umso glaubhafter seien die Aussagen, in denen sich die beiden unnötig belasten. Als da wären: Seine Aussage, dass man vorher gemeinsam den Entschluss gefasst hatte, durch eine Raub-Serie an Geld zu kommen und sich ins Ausland abzusetzen. Ihre Aussage, dass K. auf der Konradshöhe mit den Worten ausstieg: "Den bringe ich jetzt um." Seine Aussage wiederum, dass sie ihm dazu die Armbrust gereicht habe.
Dazu kommen Beweise der Kripo. Es ist gelungen, den SMS-Verkehr der in Weihern versenkten Handys zu rekonstruieren. Eine "Unterhaltung" vom 23. Januar, zwei Tage vor der Tat: Sie: "Das sind wir bald alles los. Die können uns alle mal. Bin auch froh, wenn mich meine beschissenen Alten nicht mehr stressen." Am Vorabend schreibt sie: "Wenn du mich nicht mehr dabei haben willst, dann sag's. Dann kann ich mich drauf einstellen, dass mein beschissenes Leben hier weitergeht." Er: "Es bleibt wie ausgemacht, Schatz." Das Bundeskriminalamt entlockte ihrem kaputten I-Phone, bei dem das Wasser aus dem Display schwappte, zudem die am häufigsten getippten Wörter: "nötigste Papiere, gepackt, wollen mitnehmen, Flughafen, Fingerabdrücke, Handschuhe, Banküberfall".

Für Leupold und die weiteren vier Richter der 1. Strafkammer stand fest: "Sie brauchten das Geld, um ihre Bonnie-und-Clyde-Karriere zu beginnen." Die "Generalprobe" für die geplante Raubserie sollte auf der Konradshöhe über die Bühne gehen. Von wegen Pinkelpause: "Man suchte ein Opfer." Den ganzen Nachmittag habe man mit Vorbereitungen für den Abend verbracht: Schießübungen mit der Armbrust auf Bäume und Hund, Flugbuchung, die gefälschte Überweisung auf ihr Konto.

"Beihilfe war's natürlich"

Leupold sah bei der Tat von K. mehrere Mordmerkmale erfüllt: Habgier, Ermöglichen einer Straftat, die Heimtücke, ein wehr- und argloses Opfer von hinten anzugreifen. Dessen Freundin attestierte der Vorsitzende Richter "Kaltschnäuzigkeit": "Sie haben ihm ohne mit der Wimper zu zucken, die Armbrust gegeben, obwohl Sie vorher sahen, was mit dem Hund passiert ist." Für ihn ist die 24-Jährige nur "haarscharf" an der Mittäterschaft vorbeigeschrammt: "Beihilfe war's natürlich." Der mögliche Strafrahmen bei Beihilfe zum Mord liegt bei 3 bis 15 Jahren. Beide Verteidiger, Rouven Colbatz und Anwalt Tobias Konze, kündigten Revision beim Bundesgerichtshof an.

 

 

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