Lesungen und Filmausschnitte erinnern noch einmal an die WAA-Proteste in Wackersdorf
Zwischen Zärtlichkeit und Widerstand

Der Schriftsteller Friedrich Brandl liest aus seinem Roman am Bauzaun und liest beispielhaft Mundartdichtung. Bild: otj
Politik
Weiden in der Oberpfalz
05.12.2016
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Lang ist es her, 30 Jahre. Als sich ein nicht vorauszusehender Protest aus der Mitte der Oberpfälzer Gesellschaft formierte - gegen die WAA in Wackersdorf, gegen Atomstrom. Im Kunstverein wird noch einmal an diese Zeit erinnert - mit Lesungen und Filmausschnitten.

(otj) Eingeladen hatte die Weidener Bürgerinitiative gegen die Errichtung einer atomaren Wiederaufarbeitungsanlage und sonstiger atomarer Anlagen. "Bauzaun - zwischen Zärtlichkeit und Widerstand", so der Titel, machte den Widerstand noch einmal lebendig - aus drei ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Autor Friedrich Brandl hat seine Erinnerung in eine sehr persönliche Geschichte verpackt. "Wieder am Bauzaun" erzählt die Geschichte von Lena und Christian - von ihren Hoffnungen, ihrer Angst und ihrer Wut. Eine Liebe zwischen den Fronten. Zwischen Steine- und Wasserwerfern. Zwischen Zärtlichkeit und Widerstand.

"Übernachten bei minus 20 Grad im Schlafsack, auf Stroh, in Fichtenreiser-Hütten, in Erwartung der Polizei mit ihren Plexiglas-Schilden", so erinnert sich Wolfgang Herzer an die Tage und Nächte am Bauzaun der WAA in Wackersdorf. Der Vorstand des Kunstvereins war damals mittendrin. Heute reflektiert er die Ereignisse auf der Makroebene, in ihrem großen Zusammenhang. Ein Widerstand, "der gut acht Jahre lang die Region als bundesweit frequentierten Demokratie-Übungsplatz bekannt machte". Herzer interpretiert den oberpfälzischen Widerstand gegen das gefährliche Bau-Projekt als eine Art Prototyp zivilgesellschaftlichen Ungehorsams. "Beispiel Stuttgart 21."

Eine weitere Art den turbulenten Zeiten im Oberpfälzer Hinterland zu begegnen, war bissiger Humor. Das "Westentaschenkabarett" war ein Zusammenschluss von Lehrern, Schülern und anderen kritischen Geistern. Mit hintersinnigen, bissigen Texten aus der Feder Horst Weigends schoss man in Richtung Wackersdorf und Energiepolitik, aber teilte auch in Richtung Landtag aus.

Auf dem Höhepunkt der Proteste wurde sogar der Saal im Evangelischen Gemeindehaus in Weiden ausverkauft. Die gezeigten Videoaufnahmen sind Beleg der hohen Qualität des Ensembles - nichts wirkt überholt, nichts angestaubt. Lediglich die nervös flackernden VHS-Aufnahmen datieren das "Westentaschenkabarett" auf die 80er Jahre.
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