15.02.2018 - 22:20 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Marode Bundeswehr Sicherheit ohne politische Lobby

Die traurige Karikatur einer Armee, die ihr Land in unsicheren Zeiten schützen soll: Alle sechs U-Boote der Marine liegen zur Reparatur auf dem Trockenen; nur 95 der 244 Kampfpanzer sind fahrtüchtig; die Flugzeuge der Bundeswehr - Jäger und Jagdbomber - sind im Schnitt nur vier Monate im Jahr einsatzbereit. Ein Beschaffungs-Skandal nach dem anderen rüttelt an der Verlässlichkeit. Der 37-Milliarden-Euro-Etat (2017) reicht hinten und vorne nicht, bei der Bundeswehr die Löcher bei der maroden Ausrüstung zu stopfen.

von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Über Jahrzehnte - mit dem Fall des Eisernen Vorhangs - war es Staatsdoktrin, die Bundeswehr zu schrumpfen. Es blieb nicht bei der drastischen Abmagerung; die Folge ist vielmehr eine chronische Schwindsucht sowohl technisch, als auch personell. Der Wandel von der Wehrpflichtigen- zur Berufsarmee entpuppt sich nicht nur gesellschaftlich als problematisch. Die Bundeswehr wird in Zeiten der Vollbeschäftigung zu einem Arbeitgeber unter vielen degradiert, und hat im Wettbewerb um die besten Köpfe häufig das Nachsehen.

Die indiskutable Verfassung untergräbt eine glaubwürdige Abschreckung ausgerechnet in einer Phase, wo Russland unter Putin immer aggressiver und revisionistischer auftritt, und gleichzeitig auf die bisherige Schutzmacht USA kein hundertprozentiger Verlass mehr ist. Den Worten - dass Europa künftig auf eigene militärische Stärke baut - sind bisher keine Taten gefolgt. Sicherheit besitzt im politischen Berlin keine Lobby: Warum wird um die Ausstattung der Bundeswehr nicht ebenso leidenschaftlich gestritten wie etwa um Mütterrente oder befristete Arbeitsverträge?

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