Nach langer Diskussion lehnt Stadtrat alle vorgelegten Stromtrassen ab
Ein Verbrechen an der Natur

Nach langer Diskussion im Stadtrat gab's eine Pause. Fraktions- und Verwaltungsspitzen berieten über die Formulierung des endgültigen Beschlusses zu den Stromtrassen. Bild: Baumgärtner
Politik
Weiden in der Oberpfalz
16.05.2017
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Bei der Antragskonferenz für die geplante Stromtrasse des Süd-Ost-Links am Mittwoch ab 11 Uhr und am Donnerstag ab 9 Uhr in der Max-Reger-Halle fordert die Stadt Weiden eine Bündelung mit dem bestehenden Ostbayernring. Allerdings will sie grundsätzlich auch rechtliche Schritte prüfen.

Einen entsprechenden Antrag zur Geschäftsordnung hatten die Grünen am Montag im Stadtrat eingebracht. Sowohl Fraktionschef Karl Bärnklau als auch Gisela Helgath betonten, es müsse jede noch so kleine Chance für die Bürger genutzt werden. Sollte die Trasse nicht verhindert werden können, käme nur die Bündelung mit Hilfe geeigneter Mastsysteme wie Kompaktmasten in Frage. Diese sind 65 Meter hoch, am Boden aber nur 2,20 Meter breit. Der Ostbayernring führt von Parkstein an Neunkirchen vorbei Richtung Etzenricht und Rothenstadt. Andere Trassenführungen werden abgelehnt. Gegen den Beschluss sprachen sich nur Alois Schinabeck, Josef Gebhardt und Gerald Bolleininger (alle SPD) aus.

Nicht mehr drin

In der Diskussion hatte SPD-Fraktionschef Roland Richter erklärt, eine dezentrale Energieversorgung wäre die bessere Lösung gewesen. "Aber darum geht's jetzt nicht mehr." Man müsse mitmachen. Das Optimale sei nicht mehr drin. Statt eines ostbayerischen Windkraftgürtels, so Minister Markus Söder, bekomme man jetzt ein Stromkabel. Das könne man nicht einmal anzapfen.

Für die CSU sagten Fraktionschef Wolfgang Pausch und Stellvertreter Alois Lukas ein klares Ja zur Bündelung und zu Kompakt- statt Gittermasten. Total ablehnend sprach sich Lukas über die Lösung im Weidener Osten aus. Die Trasse würde, vom "Felix" kommend, östlich von Almesbach die Vohenstraußer Straße queren, an Tröglersricht vorbei Richtung Bechtsrieth verlaufen. Es würde eine Schneise von bis zu 55 Metern in den Wald geschlagen. Bei einem Sturm würde östlich kein Baum mehr stehen. Dabei sei dort alles Naturpark und Landschaftsschutzgebiet, Uhu und Rotmilan seien nachgewiesen. Lukas sprach von einem "Verbrechen an der Natur". Und er erinnerte an die Zeit vor 170 Jahren, als der Fischerberg schon einmal kahl geschlagen war. "Die Geschichte wiederholt sich." Der CSU-Fraktions-Vize kündigte eine Resolution des OWV gegen die Ost-Trasse an.

Demgegenüber stellte Josef Gebhardt fest, dass es bei Neunkirchen auch den Milan gebe und man dort ebenso mit Sturmfolgen zu kämpfen habe. Harte Kritik äußerte er an den Abgeordneten, die dem Projekt ohne Nachfragen zugestimmt hätten. Für Gerald Bolleininger ist klar, dass er eine Erdkabel-Lösung im Osten der Stadt lieber sehe als im Westen.

Verschandelung massiver

Für die Bürgerliste sprach Rainer Sindersberger namentlich Alois Lukas an und erinnerte daran, dass Windenergie verhindert worden sei, weil sieben Windräder den Fischerberg verschandelt hätten. "Jetzt, und das ist fast eine Ironie der Geschichte, erhalten Sie im Weidener Osten möglicherweise 37 Strommasten." Diese Verschandelung sei dann viel massiver. Es gehe allein um wirtschaftliche Interessen.

Eine dritte Variante sprach Kämmerin Cornelia Taubmann an. Sie würde das Gewerbegebiet West IV durchschneiden. Eine Bauleitplanung könne man dann aufgeben.

Jetzt erhalten Sie im Weidener Osten statt 7 Windräder möglicherweise 37 Strommasten.Rainer Sindersberger (Bürgerliste)
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