10.05.2013 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

NSU-Prozess in Weiden: Oberstaatsanwältin Anette Greger im Ankläger-Team gegen Beate Zschäpe Die "Begabteste" gegen Zschäpe

Sie trug all das Material zusammen, das speziell Beate Zschäpe belasten soll, die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Dessen Auftakt am Montag in München rückte auch Anette Greger ins Rampenlicht. Die 47-Jährige ist eine von vier Vertretern der Bundesanwaltschaft im Gerichtssaal.

Pressekonferenz am Rande des NSU-Prozesses. Neben Bundesanwalt Herbert Diemer steht auch Anette Greger Rede und Antwort. Die Oberstaatsanwältin führte die Ermittlungen gegen Beate Zschäpe. Aufgewachsen ist die Juristin im Landkreis Tirschenreuth. Von 1993 bis 2005 arbeitete sie als Staatsanwältin und Richterin in Weiden. Bild: AFP
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Sie führte die Ermittlungen gegen Zschäpe, will nun versuchen, deren Mittäterschaft an der Terror-Serie zu beweisen. Grundlage: 280 000 Seiten Ermittlungsakten, die in eine 488-seitige Anklageschrift münden. Rund 600 Zeugen hat die Bundesanwaltschaft benannt, um die Urheber einer Schreckensbilanz zur Rechenschaft zu ziehen. Es klingt monströs: zehn Mordopfer, zwei Sprengstoffanschläge, 15 Raubüberfälle.

Keine Frage: ein Mammutprozess, der schon jetzt Justizgeschichte schreibt. Und natürlich der bisher größte für Oberstaatsanwältin Greger, deren juristische Karriere in der Max-Reger-Stadt in Fahrt kam. 1993 begann die gebürtige Stiftländerin bei der Staatsanwaltschaft Weiden. Sie kümmerte sich insbesondere Sexualdelikte. "Ich kann schon hart sein", erklärte sie in einem NT-Gespräch. Am 1. Juli 2000 wechselte sie die Seiten: Nun war sie die einzige Richterin des Amtsgerichts, zuständig für Vormundschaften. Mit vielen Schicksalen habe sie da zu tun, erzählte die Betreuungsrichterin. "Aber ich sehe auch, wie die Menschen das meistern."
Mitte 2004 zog sie ans Landgericht um, übernahm unter anderem den stellvertretenden Vorsitz der 1. Großen Strafkammer. Und nur ein halbes Jahr später verließ sie Weiden für immer. Was der damalige Landgerichtspräsident Dr. Rainer Gemählich zutiefst bedauerte. Denn Greger war für ihn "die begabteste Juristin der Oberpfalz". Beim Staatsexamen war sie einst "unter 900 Kandidaten im vorderen einstelligen Bereich" gelandet. Das Studium hatte sie in Erlangen und dann Bayreuth absolviert, wo sie als Rechtsreferendarin anfing.

Seit 2007 in Karlsruhe

Gemählich ahnte wohl, dass es das Ausnahmetalent noch weit bringen würde. Zunächst brachte sie es 2005 zur Gruppenleiterin bei der Staatsanwaltschaft Regensburg. Seit 2007 ist sie beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe. Zunächst eingesetzt in der Revisionsabteilung, stieß sie 2008 zum Ermittlungsreferat von Dr. Herbert Diemer.

Im Münchner Gerichtssaal tritt die Oberstaatsanwältin mit Bundesanwalt Diemer, Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten und Staatsanwalt Stefan Schmidt auf. Diemer und Weingarten flankierten sie bereits 2009 bei einem Prozess in Berlin: Drei Mitglieder der linksradikalen "Militanten Gruppe" (MG) standen dort vor dem Kammergericht. Sie sollen versucht haben, eine Reihe von Bundeswehrfahrzeugen in Brand zu setzen. Die Täter kassierten schließlich Strafen zwischen drei und dreieinhalb Jahren.
Anette Gregers Wurzeln liegen bei Waldershof. Dort, im Landkreis Tirschenreuth, wuchs sie auf. Ihr Abitur erwarb sie am Gymnasium in Marktredwitz. Als sie in Weiden arbeitete, wohnte sie in Letzau, wo sie das Landleben genoss. Ihre große Leidenschaft: die Westernreiterei. Im Stall in Schwand stand ihr Pferd "Ed Miss Hank". Zuletzt hatte sie wohl nicht mehr allzu viel Zeit für ihr Hobby. Neben den Ermittlungen gegen Beate Zschäpe verantwortete Anette Greger auch die übergreifenden Untersuchungen zur Struktur, zu den Straftaten und dem Unterstützerumfeld der Terrorgruppe. Marcus Köhler, Sprecher der Bundesanwaltschaft, bittet um Verständnis, dass die Juristin momentan keine Presseanfragen außer der Reihe beantworten könne.

"Selbstbewusst"

"Die NSU-Morde", so erklärte Generalbundesanwalt Harald Range, "sind unser 11. September." Und nur wenige haben sich so intensiv mit der Hauptangeklagten auseinandergesetzt wie Anette Greger. Wie sie Beate Zschäpe am ersten Prozesstag erlebt habe, wurde die Oberstaatsanwältin am Montag auf der Pressekonferenz gefragt. Selbstbewusst, antwortete Greger. "So, "wie es ihrer Rolle im NSU entsprach".

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