25.03.2018 - 20:34 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Oberpfälzer Waldverein (OWV) verkauft die Silberhütte "Lieber ein Ende mit Schrecken"

Es bleibt letztlich keine andere Wahl: Nach mehr als 85 Jahren muss sich der Oberpfälzer Waldverein (OWV) vom Schutzhaus Silberhütte trennen: angesichts eines massiven Investitionsstaus und der Aussichtslosigkeit auf seriöse weitere Verpachtung.

Eine strategische Zukunftssicherung für das Areal des Skilanglaufzentrums Silberhütte strebt der Bärnauer Bürgermeister Alfred Stier an: Er will dem OWV mehr als 4200 Quadratmeter (schraffierte Fläche) abkaufen, um die Zuwegung für die Skilangläufer festzumachen. Die unteren Parkplätze gehören bereits der Stadt Bärnau. Bild: privat
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Weiden/Bärnau. Fast drei Stunden lang zieht sich am Samstagabend bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung die Diskussion um das Für und Wider. Schließlich stimmen die Vertreter der OWV-Zweigvereine (31 von 54 sind anwesend) mit einer satten Mehrheit von 445 der 515 Stimmen für den Verkauf. Das 86-Prozent-Votum erteilt Haupt-Vorsitzendem Armin Meßner das Mandat, das in der ganzen Region bekannte Schutzhaus aus dem Jahre 1932 mit dem 24 000 Quadratmeter großen Grundstück - im Ganzen oder in Teilflächen - zu veräußern.

Der umtriebige Bürgermeister der Stadt Bärnau, Alfred Stier, überrascht mit dem Angebot, dem OWV ein Areal von rund 4200 Quadratmetern für geschätzte 20 000 Euro abzukaufen. Mit Verstärkung aus seinem Stadtrat lässt Stier an die verdutzten OWV-ler flugs Luftbilder verteilen: Sie erklären, wie sich die Stadt Bärnau die Arrondierung der unteren Parkplätze um die gesamte Zuwegung zum Skilanglaufzentrum Silberhütte wünscht. Der Umstand, dass die Besucher stetig über OWV-Grund laufen müssen, bildet seit Jahren regelmäßig eine Quelle für Ärgernis und Verstimmungen. Bürgermeister Stier appelliert, die "historische Chance" für einen "qualifizierten" Verkauf zu nutzen - und durch ein notariell verbrieftes Vorkaufsrecht des OWV bzw. der Stadt Bärnau allen möglichen Spekulanten auch in Zukunft einen Riegel vorzuschieben.

Der Kaufpreis von "mindestens 70 000 Euro brutto" entfällt in der abgeänderten Beschluss-Vorlage mit Blick auf die neuen Grundstück-Verkaufs-Optionen. Stier lüftet das Geheimnis um den konkreten Kaufinteressenten: Es handelt sich um einen Mitarbeiter des Förderkreises Skilanglaufzentrum, der als Pächter mit Direktvermarktung ein "Ganzjahres-Publikum" ansprechen möchte. Stier sieht hier (personelle) Synergieeffekte und einen "guten Konsens" zum Nachbarn Skilanglaufzentrum.

Armin Meßner, Vorsitzender des Hauptvereins, zieht ernüchternde Bilanz für das Schutzhaus: Es herrscht Leerstand, nachdem das letzte Pächter-Ehepaar "sich von heute auf morgen davon machte und ein Chaos hinterließ". In den vergangenen zwei Jahrzehnten hielten sich Einnahmen und Ausgaben mit etwa 320 000 Euro weitgehend die Waage. Offen sind aber noch von der Stadt Bärnau gestundete Kanalbeiträge von 15 000 Euro; zudem summieren sich - ohne Pachteinnahmen - die jährlichen Unterhaltskosten auf rund 5000 Euro. Die notwendigsten Sanierungen kosten mindestens 500 000 Euro. "Dieses Geld hat der OWV nicht."

Winkler als Sponsor

Entschieden dementiert Meßner konkrete "Kaufangebote" von Witron-Inhaber Walter Winkler in der Vergangenheit, das seien "Fake-News". Baufachwart Hans Balk spricht sogar von einem "Phantom". Bürgermeister Stier stellt klar, dass es Winkler immer um "Sponsoring" für die Silberhütte - in Millionenhöhe - gegangen sei, "er sah sich nie als Investor" (nichts anders berichteten auch die Oberpfalz-Medien). "Winkler hätte sich hier als Sponsor eingebracht", bedauert ebenfalls der Weidener Stadtrat Hans Sperrer vertane Chancen für "tolle Pläne". Sperrer erntet prompt direkten Widerspruch von Armin Meßner: "Herr Sperrer sieht sich wohl als der bessere OWV-Haupt-Vorsitzende."

In der Diskussion hagelt es Kritik am Förderverein Skilanglaufzentrum Silberhütte. OWV-Chef Meßner beklagt mangelnde Einbindung in wichtige Planungen und die Verfügung über "fremdes Eigentum", nämlich OWV-Grund. Eigentlich sei doch der Förderverein ein "Kind des OWV", man habe für gute Nachbarschaft einiges in Kauf genommen.

Der anwesende Vorsitzende des Fördervereins, Frank Kiener, schweigt eisern zu dieser Vergangenheits-Bewältigung. Auf Nachfrage sagt er NT/AZ: "Ich hoffe inständig, dass der OWV diese Chance ergreift und mit dem jetzigen Interessenten und der Stadt Bärnau einen Konsens findet, das Areal zu einem Top-Preis zu verkaufen: Um endlich eine zukunftssichere Lösung für OWV, Schutzhaus und die gesamte Silberhütte zu realisieren." In der Vergangenheit habe man schon genug Chancen ausgelassen ...

Lösen Sie Ihre Probleme, Herr Meßner.Bärnaus Bürgermeister Alfred Stier zu Armin Meßner, Hauptvereins-Vorsitzender OWV
Die Silberhütte stellt das Herzblut des OWV dar: Da schneiden wir heftig hinein.Armin Meßner, Hauptvereins-Vorsitzender OWV

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