Rothenstädter fürchten wegen neuer Werkhalle um Gesundheit
Stunk wegen Alu-Schweißerei

Politik
Weiden in der Oberpfalz
01.09.2017
225
0

Die Angst geht um in Rothenstadt. Eine neue Werkhalle mit Aluminium-Schweißerei kommt in die Ortsmitte. Bürger fürchten Gifte, ein Bäcker um seine Existenz. Stadt und Firma sagen: keine Sorge, alles ungefährlich.

Sie wohnt zwar nicht in unmittelbarer Nähe der geplanten Halle, aber das Thema belastet eine 73-jährige Rothenstädterin trotzdem. In einer Zuschrift fährt sie schwere Geschütze gegen die Stadt auf. "Steht Rothenstadt nun endgültig vor dem Kollaps? Sind die Entscheidungsbefugten im Stadtrat nun endgültig von allen guten Geistern verlassen?"

Wie könne es sein, dass ein metallverarbeitender Betrieb mitten in einem Wohngebiet zwischen zwei Bäckereien und einer Apotheke ansiedeln darf? Unter anderem zum Alu-Schweißen. Dabei sei doch bekannt, dass das Metall der Gesundheit schade. "Haben die Entscheidungsträger noch nie über die Gefahren von Aluminium gehört?" Fragen über Fragen. Die Rothenstädterin legt nach: "Wurden im Vorfeld Gesundheitsbehörden und Gewerbeaufsicht eingeschaltet?" Und: "Warum wurde eine Ortsbegehung abgelehnt?" Die 73-Jährige meint, sie ist nicht die einzige, die so denkt. Die Frau erklärt: "Es beschweren sich so viele hinter vorgehaltener Hand. Aber keiner traut sich, etwas zu sagen."

Angst ums Lebenswerk

Karl Rauh kann und will nicht zuschauen. Der Bäcker ist mit seinem Laden direkt betroffen. Wird unmittelbarer Nachbar der neuen Werkhalle. Und fürchtet um sein Lebenswerk. "Meine Frau und ich haben den Betrieb in jetziger Form aufgebaut. Mein Sohn wird übernehmen. Ich habe Angst, dass alles umsonst war." Noch nie habe es in seiner Bäckerei etwas zu beanstanden gegeben. "Wenn dann festgestellt wird, dass unsere Produktion mit Feinstaub belastet ist, können wir zusperren", klagt Rauh. "Dann gibt's uns nicht mehr." Seine Sorgen und Bedenken habe er der Stadt mitgeteilt.

Aus dem Rathaus heißt es: "Die Thematik Alu-Schweißen ist uns bekannt. Sie wurde von dem Bäckereibetrieb im Nachbargebäude aufgeworfen." Wie es in einem Schreiben aus dem Rathaus steht, erklärt das Gewerbeaufsichtsamt der Regierung Oberpfalz, das nach dem Hinweis des Bäckers eingeschaltet wurde: "Eine Gefährdung für benachbarte Arbeitsplätze, welche räumlich getrennt sind oder sich in benachbarten Gebäuden befinden, ist aus arbeitsschutzrechtlichen Gesichtspunkten nicht zu erwarten." Auch das städtische Umweltamt teile diese Einschätzung.

In dem Schreiben heißt es weiter: Laut Gewerbeaufsicht seien bei Alu-Schweißereien in der Regel nur die direkt mit den Schweißarbeiten beauftragten Arbeiter gefährdet - wenn sie den Schweißrauch einatmen. Schutzmaßnahmen müssten im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach dem Gefahrstoffrecht getroffen werden. Das geschehe üblicherweise erst, nachdem die Baugenehmigung erteilt wird. Für die Werkhalle in Rothenstadt sei das bisher noch nicht passiert.

Zurück zur Frage, warum die Werkhalle mitten in den Ort gebaut werden darf? Laut Stadt hat die baurechtliche Beurteilung ergeben, dass die neue Halle als "nicht störender Gewerbebetrieb im faktischen Mischgebiet allgemein zulässig ist". Entgegen der Meinung vieler Bürger habe vor dem Beschluss des Bauauschusses sehr wohl eine Ortsbegehung stattgefunden. Am 31. Mai durch einen Mitarbeiter der Unteren Bauaufsichtsbehörde, einen Vertreter des Umweltamtes und den Bauherrn Georg Birner.

"Kein Stäubchen steigt auf"

Der versteht die ganze Aufregung nicht. "Es gibt überhaupt keine gesundheitlichen Risiken." Das Schweißverfahren in seiner Halle sei besonders gesundheitsschonend. "Es steigt kein Rauch, kein Dampf, kein Stäubchen auf." Birner lege viel Wert auf Sicherheit. "Meine Mitarbeiter sind ja am nächsten dran, die wären als erste betroffen." Der Betrieb repariert Kühler. Seit 1988. "In der neuen Halle machen wir das, was wir schon seit 30 Jahren in der alten machen."

Nie habe es dort ein Problem gegeben - obwohl gegenüber der alten, ebenfalls in Rothenstadt gelegenen, Werkhalle auch eine Bäckerei steht.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.