06.07.2017 - 20:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in der Oberpfälzer Wasserversorgung Gefahren für das Trinkwasser

Nicht beruhigend: 44 Wasserversorgungsanlagen in der Nordoberpfalz sind für 2025 "stark eingeschränkt", den Jahresbedarf an Trinkwasser zu decken. Brennpunkt ist der Landkreis Schwandorf, in dem 28 Versorger schwächeln; mit deutlichem Abstand folgen die Kreise Neustadt und Amberg-Sulzbach (je 3) sowie Tirschenreuth (9).

Symbolbild: dpa
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Weiden/Amberg. Zu diesem "amtlichen" Ergebnis kommt eine knapp 150 Seiten starke "Ist-Analyse und Entwicklungsprognose 2025". An der Studie der Bezirksregierung wirkten die Wasserwirtschaftsämter Weiden und Regensburg sowie das Landesamt für Umwelt mit.

Die im vergangenen Jahr bereits "offiziell" vorgestellte Untersuchung wartet bei näherem Hinsehen mit unbequemen Überraschungen auf. Da ist der Klimawandel : Prognostiziert wird für den Oberpfälzer Wald eine "maximale Abnahme der Quellschüttungen von rund 10 Prozent" für den Zeitraum von August bis November. In einigen Gemeinden (Kreis SAD) kam es in den "extremen Trockenjahren" 2003 und 2015 bereits zu "Engpässen" beim Trinkwasser.

"Wasserverluste" : Lokal mehr als 30 Prozent, im Durchschnitt 12,5 Prozent, versickern und verschwinden einfach. Unglaubliche 9 Millionen Kubikmeter Trinkwasser in der Oberpfalz fallen unter den diffusen Begriff "Eigenbedarf und Verluste". Ursache für diese Verschwendung sind marode Leitungsnetze der öffentlichen Wasserversorger.

"Wasserbilanz" : Rund 10 Prozent der Wasserversorgungsanlagen in der Oberpfalz weisen ein "geringfügigeres oder größeres Defizit" auf, den Jahresbedarf an Trinkwasser zu decken; diese Unsicherheit betrifft 24 Prozent der Bevölkerung. Der aktuellen Gewinnung von 72 Millionen Kubikmetern "Rohwasser" in der Oberpfalz steht schon heute ein tatsächlicher Bedarf von 72,5 Millionen Kubikmetern gegenüber. Das Trinkwasser-Defizit lässt sich nur durch "Fremdbezug" ausgleichen, etwa durch die "Wasserversorgung Bayerischer Wald" im Landkreis Cham.

Rohwasser-Qualität : "Besonders landwirtschaftlich intensiv genutzte Bereiche zeigen lokal erhöhte Belastungen bei Nitrat und Pflanzenschutzmitteln." Für 10 der 23 sogenannten "Grundwasserkörper" in der Oberpfalz wird bis zum Jahr 2021 ein "guter chemischer Zustand" als "unwahrscheinlich" eingestuft. "Hier besteht Handlungsbedarf", sagt die Bezirksregierung. "Hauptursache für die Belastung des Grundwassers durch Nitrat ist der Eintrag von Stickstoff aus der Landwirtschaft." Wie berichtet, kann das Rohwasser in zahlreichen Fällen wegen der "grenzwertüberschreitenden Nitrat-Konzentrationen" erst nach Beimischung von unbelastetem Wasser als Trinkwasser verwendet werden.

Pflanzenschutzmittel : "... gelangen auch bei sachgemäßem Gebrauch zwangsläufig in die Umwelt und stellen somit eine potenzielle Gefahr für die Grundwasserqualität dar." Die Gefährlichkeit resultiert in biochemischen Abbauprozessen - der Umwandlung zu sogenannten Metaboliten. Nur 53 Prozent des für Trinkwasserzwecke geförderten Rohwassers der Oberpfalz sind rückstandsfrei: Hier ließen sich diese toxischen Wirkstoffe nicht nachweisen (Bayern: über 75 Prozent). "Vereinzelt" mussten bereits Wassererfassungen oder Gewinnungsanlagen aufgrund grenzwertüberschreitenden Konzentrationen von Pflanzenschutzmitteln sogar stillgelegt werden. Zu "Qualitätsnorm-Überschreitungen" kommt es hier vor allem in Amberg-Sulzbach und Regensburg.

Grundwasserschutz : Die Studie empfiehlt - über die eigentlichen Trinkwasser-Schutzgebiete hinaus gehend - eine "flächendeckend grundwasserschonende Landnutzung", um die zukünftige Wasserversorgung sicherzustellen. Den für das "Trinkwasser negativen Entwicklungen in der Landbewirtschaftung" müsse entgegengewirkt werden.

Grundsätzlich ist zu erwarten, dass die Entwicklung zu einer Erhöhung des Wasserpreises führt.Wasserversorgungsbilanz Oberpfalz ("Heute schon an morgen denken")

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