14.12.2017 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Söders 100 beste Heimatwirtschaften Was halten Oberpfälzer Wirte von der Initiative?

"Wo ein politischer Wille ist, ist auch ein Fördertopf", lobt Dehoga-Geschäftsführer Uli Korb die Initiative aus Markus Söders Heimatministerium. Jetzt müsse man geeignete Wirtshäuser auftun, die mehr anböten als Bier und Currywurst. Kulturelles Leben möchte Korb in so einem ausgezeichneten Heimat-Wirtshaus finden. "Bayern rühmt sich gerne als Tourismusland Nummer 1", sagt Korb, "aber wir müssen auch die Bedeutung von Dorfwirtshäusern fürs soziale Leben stärken."

Sternekoch Hubert Obendorfer beim Dekorieren. Bild: Götz
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Kallmünz/Neunburg vorm Wald/Weiden. Sternekoch Hubert Obendorfer hat es nicht nötig, sich mit seinem Gourmet-Restaurant Eisvogel diesem Wettbewerb zu stellen. Schwandorfs stellvertretender Dehoga-Vorsitzender plädiert dafür, die Oberpfalz zu einer Genussregion zu entwickeln: "Das Thema wurde vor 15 Jahren verschlafen", sagt der 52-Jährige. "Früher hat's gereicht, wenn jemand eine warme Stum, 30 Bier und warmen Leberkäs' anbot." Damit könne man heute keinen Blumentopf mehr gewinnen. "Der Sportverein hat einen großen Teil der Wirtshauskultur den Garaus gemacht."

Ein schleichender Prozess sei das: "Erst hat das Dorfwirtshaus nur noch am Wochenende offen, dann gar nicht mehr." Der Wettbewerb sei zu begrüßen, aber eine einzelne Idee könne das Problem nicht lösen. "Was wir brauchen, ist eine Imagekampagne - jeder Autohändler und Schreiner schimpft, weil alle studieren wollen." Die Gastronomen sollten bei der Einforderung von Subventionen genauso massiv auftreten wie die Landwirte: "Wenn Bayern seine Wirtshauskultur bewahren will, muss es dem Freistaat auch was wert sein."

Dazu komme, dass viele Gasthäuser keinen Nachfolger und kein Personal fänden: "Bei uns geht's noch", will Obendorfer nicht klagen, "jeder, der halbwegs Deutsch spricht und freundlich Grüß Gott sagt, kriegt eine Chance." Man habe versäumt, den Beruf attraktiv zu machen: "Wenn deine Freunde normal Feierabend machen, willst du nicht nachts und am Wochenende im Dienst sein." Man müsse flexibler werden: "Zeit ist persönliche Wertschätzung", philosophiert der Chef, "wir haben Mitarbeiter, mit 3-, 4- oder 6-Tagesschichten." Und man müsse das Personal in Entscheidungen miteinbinden.

Schöne Ideen gesponnen

"Sicher ist es schön, von Kollegen zu hören, wie sie es geschafft haben", sagt Robert Drechsel, Inhaber des Schmankerlwirtshauses "Zum Alten Schuster" , "aber es hilft der Branche nicht." Der Dehoga-Kreisvorsitzende ist skeptisch: "Man hat schon die schönsten Ideen gesponnen, einen schlechtgehenden Hotelbetrieb mit 50 Betten umgebaut - und dann festgestellt: Die braucht kein Mensch." Der Gastwirt sei von vielen Faktoren abhängig: vom Standort, der Akzeptanz der Vereine, der Unterstützung des Bürgermeisters.

"Das Finanzamt kann einen kaputt machen", erzählt Drechsel. "Und die Acrylamidverordnung, überhaupt das ganze überzogene Verbraucherschutzdenken macht uns zu schaffen." Wenn man mit guter regionaler Küche überzeuge, kämen schon Leute, aber es sei unheimlich aufwendig. "Und wenn das Konzept gut ist, funktioniert es auch ohne so einen Wettbewerb." Man lebe unter der Woche von Nachbarn und Stammgästen und die kämen seltener. Dann bleibe einem nichts übrig, als Kosten und Aufwand zurückzufahren. "Ich habe keinen Nachfolger, ich richte mir das Geschäft so, dass es passt."

Ganz anders sieht die Situation in Richard Lubers "Goldenem Löwen" aus: "Jetzt macht's der Eichinger", freut sich der Selfmade-Wirt, der das Dorfwirtshaus in Kallmünz in 40 Jahren in einen Deutschland weit bekannten Geheimtipp verwandelte, über seinen jungen Nachfolger. "Schon Philipps Großvater hat bei mir gearbeitet, der war super - also muss der Enkel auch in Ordnung sein." Das neue Duo habe das Konzept der frischen regionalen Küche übernommen und wolle jetzt noch einen "Bib Gourmand" draufsetzen - die Michelin Auszeichnung für überragendes Preis-Leistungsverhältnis.

"Ich kann mir in meinem Kollegenkreis keinen vorstellen", sagt Luber, "der bei so einem damischen Wettbewerb mitmacht." Auch wenn der Standort wie im idyllischen Künstlerort Kallmünz eine Rolle spiele: "Gewinner ist immer der, der sich auskennt im Geschäft." Leute führen heute auch 100 Kilometer, um etwas Besonderes zu bekommen." Sein Geheimrezept: "Der zufriedene Gast will eine schöne Ansprache, wenn du ihn kennst, fühlt er sich wohl." Wenn dann noch das Essen hübsch aussehe und gut schmecke, sei er überglücklich. "Wenn er dann zahlt, und es das, was auf dem Teller war, einigermaßen Wert war, hast du ihn schon gewonnen."

40 Jahre habe es gedauert, bis er mit seiner Frau Waltraud aus der Bierwirtschaft der Schwiegermutter, ein Kultwirtshaus kreiert habe, das in der "Zeit" gelobt wurde. Unermüdlich braute Luber Zoigl, baute seine eigene Destillerie auf, brannte Whiskey und erfand sich immer wieder neu. Der entscheidende Lehrmeister des Seiteneinsteigers: der böhmische Küchenmeister Václav Albert im Amberger Casino: "Ich war ein vollkommener Idiot, das war meine Erleuchtung." Bis August will Luber sein kleines Hotel weiterbetreiben, den griabigen Bürstenbinder, Brauerei und Brennerei behält er vorerst. Verkehrte Welt bei den Lubers: "Jetzt kocht meine Frau für mich und ich brenn' ihr den Schnaps", lacht er.

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