14.04.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Staatsregierung verspricht Projekt "Cura" für Familien mit Langzeitarbeitslosen - Das steckt ... Erbe Hartz IV vermeiden

Es klingt ja gut: Mit einem Projekt namens "Cura" will die Staatsregierung etwas gegen die Vererbung von Hartz-IV-Karrieren tun. Starten soll es in Städten mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit, darunter Weiden und Amberg. Das erklärte Arbeitsministerin Emilia Müller nach der Sitzung des bayerischen Ministerrats (wir berichteten). Nur, was steckt da eigentlich konkret dahinter? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil das Ganze gerade erst Gestalt annimmt.

von Franz Kurz Kontakt Profil

Einige Grundzüge kann Müllers Ministerium allerdings schon schildern. Generell richtet sich das Angebot an Familien, die sogenannte Hartz-IV-Leistungen erhalten. Für sie stehen dank "Cura" Coaches bereit. Wobei "die ganze Familie in den Blick genommen" werde, so das Ministerium. Als Teil von "Cura" sollen deshalb Jobcenter und Jugendämter enger zusammenarbeiten. "Mit individuell aufeinander abgestimmten Maßnahmen soll so die Arbeitsmarktsituation der Eltern, aber auch die Gesamtsituation der Familie verbessert werden." Die Coaches seien für die Familien konkrete Ansprechpartner von beiden Institutionen, die sie deutlich intensiver als regulär möglich unterstützen. Die Coaches sollten ihre Klienten zur Aus- und Weiterbildung oder zur Wahrnehmung von Unterstützung- und Betreuungsdiensten motivieren.

"Cura" basiert auf Modellprojekten, die schon einige Jahre in Franken liefen. Und das mit Erfolg, wie das Ministerium betont. In Nürnberg etwa nahmen 281 Bedarfsgemeinschaften teil. Bei 143 davon hatte am Ende mindestens eine Person eine Anstellung am ersten Arbeitsmarkt - eine Quote von rund 51 Prozent. Bei einem zweiten Projekt in Fürth habe die Eingliederungsquote nach Familien 45 Prozent betragen. Das Amberger Jobcenter hat bereits angekündigt, einen Antrag für "Cura" zu stellen. Aus Weiden lag dem Ministerium noch nichts vor.

Hier kommt aus dem Rathaus Skepsis gegenüber "Cura". Wie berichtet, nannte es Sozialdezernent Hermann Hubmann "eine Illusion", mit einem zweijährigen Projekt - bei Beschäftigung einer Vollzeitkraft - die verkrustete Arbeitslosigkeit lösen zu wollen. Stattdessen solle die Staatsregierung langfristige Ansätze wie das Weidener Projekt Sozialbürgerhaus unterstützen, das Stadt, Arbeitsagentur und Jobcenter verwirklichen wollen. Das Ministerium erklärt dazu, Kernstück bei "Cura" sei die Zusammenarbeit von Jobcenter und Jugendamt. "Unter welchem Dach der ganzheitliche Ansatz umgesetzt wird, ist für die Förderung unerheblich." Das Ganze ließe sich also auch als Teil eines Sozialbürgerhauses umsetzen und unterstützen.

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