07.09.2017 - 20:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stau-Baustellen auf der A93 vor dem Abschluss Endlich wieder freie Fahrt

Wer keine Wahl hatte, auf Fahrten auf der A 93 zu verzichten, für den wurden sie oft zur Qual. Jede kleine Panne auf der einspurigen Baustelle zwischen den Ausfahrten Luhe und Wernberg verursachte stundenlange Staus. Zum Glück können jetzt alle wieder aufatmen: Die Arbeiten sind fast abgeschlossen.

Das nächtliche Verkehrschaos nachdem ein US-Laster vor Luhe die provisorische Beton-Mittelplanke abgeräumt hatte. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Lkw-Fahrer Hariolf Göpel schüttelt den Kopf: "Die Baustellen hier sind so eng, dass Überholen das reine Harakiri ist." Der Berufsfahrer hat schon viele tödliche Unfälle miterlebt, weil Pkw-Fahrer die Situation falsch einschätzten. "Ich muss in solchen Engstellen den Spurassistenten ausstellen, weil ich sonst im Graben lande." Jede der vielen Fahrbahnunebenheiten könne dazu führen, dass er den Truck mit Ausgleichslenkmanöver wieder in die Spur bringen müsse. Von Fahrfehlern ganz zu schweigen. "Wer hier überholt, geht ein hohes Risiko ein."

Die Ungeduldigen hatten zwischen April und September Glück im Unglück. Zwar kam es in dieser Zeit aufgrund der sieben Baustellen zwischen Wiesau und Schwandorf zu einer nervtötenden Häufung von Staus - glücklicherweise verliefen die meisten Unfälle jedoch glimpflich. "Es waren meistens kleine Auffahrunfälle am Anfang der Baustelle", sagt Sebastian Hartl, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Oberwildenau, "aber mit großen Auswirkungen".

Leidgeprüft sind deshalb nicht nur die Autofahrer, sondern auch die vier Wehren im Einzugsgebiet um Weiden: "Wir mussten die Alarmierungsplanung verändern", erklärt der ehrenamtliche Brandschützer, "es waren mehr Feuerwehren aus unterschiedlichen Richtungen im Einsatz als normalerweise - man nennt das gegenläufige Alarmierung." Ansonsten wären die Kollegen aus Schirmitz bei der Anfahrt aus Norden selbst in den Rückstau der einspurigen Baustelle geraten. "Deshalb musste eine Wehr aus Süden anrücken."

Gegenläufige Alarmierung

So hätten sich neben den Schirmitzern auch die Kollegen aus Rothenstadt, Luhe und Oberwildenau im Dauereinsatz befunden. Da wir grundsätzlich immer von zwei Seiten anrückten", erklärt Hartl, "waren wir auch immer dann dabei, wenn wir eigentlich nicht zuständig gewesen wären." Dennoch habe jede kleine Panne ein Verkehrschaos verursacht. "Allein in den vergangenen beiden Wochen hatten wir sechs Einsätze in der Baustelle."

Die Länge der Einbahnstraßen verursachte ein Kopfzerbrechen bei allen Rettungskräften: "Wir hatten großes Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist, sonst wäre es schwierig geworden, schnell Hilfe zu leisten." Beispiel: der liegen gebliebene US-Laster kurz vor Luhe. "Der hat die Betonabsperrung bei der Einfahrt in die Baustelle verschoben." Die Wehren mussten den Verkehr in Luhe und den Verkehr von Wernberg ausleiten. "Da bricht die Infrastruktur zusammen", beschreibt Hartl die schwierige Situation. "Da braucht man Organisationstalent." Man habe die Pkw im Auffahrtsbereich wenden lassen, und nur die Lkw rausgeschickt, um die Staatsstraße zu entlasten.

Oder der Lastwagen der sich am vergangenen Freitagnachmittag auf dem Bankett festgefahren hatte: "Der blockierte die einzige Spur Richtung Süden und verursachte ein Riesen-Verkehrschaos." Zeitweilig musste die Feuerwehr auch die Fahrbahn Richtung Norden sperren, um den Brummi mit Seilwinden zu bergen. "Es wäre von Vorteil, wenn zwischen den zwei Anschlussstellen, eine Möglichkeit bestünde, Fahrzeuge herauszubekommen", denkt Hartl über Alternativen nach. Eine andere Möglichkeit: "Oder man plant die Bau-Abschnitte kürzer, etwa statt sieben Kilometern nur vier, damit die Rettungskräfte besser rankommen." Hartl hat Bedenken, dass im Notfall ein Helikopter sicher landen könnte: "Er hätte es auf der anderen Seite versuchen müssen und auch da wär's eng geworden."

Von wegen Rettungsgasse

Als am vergangenen Donnerstagabend ein Pkw zwischen Weiden-Süd und Luhe in die Böschung gefahren sei, sei man selbst mit den Einsatzfahrzeugen im Rückstau gestanden: "Wir mussten über einen Kilometer zu Fuß zur Unfallstelle gehen." Die Reaktion der entnervten Fahrer im Stau sei dabei nicht immer freundlich: "Wir müssen uns immer ein paar dumme Sprüche anhören", beklagt er. Und das, obwohl er und seine Kollegen oft viele Stunden ihrer Freizeit bei den Einsätzen opferten,

Deshalb hat Hartl auch wenig Hoffnung, dass zwei breitere, einspurige Fahrbahnen anstatt der "2 plus 1"-Lösung die Situation entspannt hätten: "Wir haben schon bei normalen Fahrbahnen damit zu kämpfen, dass die Pkw-Fahrer eine Rettungsgasse freimachen."

Autobahndirektion: Keine Alternativen

Bayreuth. (dko) Die Autobahndirektion Nordbayern antwortet prompt auf die Anfragen unserer Zeitung, ob Engpässe während der Bauarbeiten hätten vermieden werden können:

  • "2+1-Lösung": Die Regelquerschnittsbreite einer Richtungsfahrbahn auf der A93 im Bereich Weiden betrage zehn Meter. Aufgrund der geringen Abmessung sei es nicht möglich, die Verkehrsströme auf zwei Fahrspuren in beide Richtungen zu führen. Die Baustellenverkehrsführung habe deshalb in Richtung Hof generell zwei, in Richtung Regensburg nur eine Spur vorgesehen.
  • Pendlerströme: Pro Tag passierten etwa 30 000 Fahrzeuge diesen Streckenabschnitt, darunter rund 4000 Lkw. Die A93 als Nord-Süd-Verbindung werde stark von Pendlern genutzt. Der Verkehr Richtung Norden balle sich besonders Donnerstagabend und noch mehr am Freitagnachmittag. Der Anreiseverkehr nach Süden verteile sich dagegen über den Sonntag und Montag hinweg, komme demnach weniger konzentriert als der Heimreiseverkehr vor den Wochenenden. "Zwei freie Spuren in Fahrtrichtung Hof bedeuten demnach weniger Staus und Verkehrsbehinderungen", sagt Sachbereichsleiter Hagen Wirkner.
  • Kaum realisierbar: Als Alternative wäre die Sanierung einer Richtungsfahrbahn in abschnittsweiser Ausführung mit gleichzeitiger Führung einer Fahrspur auf dieser Richtungsfahrbahn mit Baustelle vage denkbar - aufgrund der geltenden Sicherheitsabstände zum Schutz der Baustellenarbeiter kaum realisierbar. Bautechnisch wären Qualitätseinbußen an der Fahrbahn und sehr lange Bauzeiten die Folge.

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