18.12.2017 - 17:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stickstoffdioxid-Belastung 2017 lange Zeit über Grenzwert Schadstoff-Stau in der Sedanstraße

Des einen Freud', des anderen Leid? Unter der mehrmonatigen Sperrung der Sedanstraße litten jedenfalls alle, die motorisiert in der Stadt unterwegs waren. Überlastete Ausweichrouten stellten die Sachbearbeiter im Rathaus fest. Freuen durften sich dagegen die Anlieger, wie zumindest Nicole Hammerl vom Rechtsamt meint: Die Verkehrsberuhigung führte zu einem deutlichen Rückgang der Schadstoffbelastung in der Sedanstraße. Ohne die Sperrung wären die Grenzwerte eklatant überschritten worden. Jetzt erkennt Hammerl "dringenden Handlungsbedarf". Denn seit kurzem ist die Verkehrsader wieder offen - und der Stau zu Stoßzeiten länger denn je.

Heilsame Auszeit: Während der viermonatigen Sperrung der Sedanstraße sank die Stickstoffdioxidbelastung deutlich. Archivbild: Schönberger
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Im Zuge der Bauleitplanung für das NOC-Parkdeck ließ die Stadt seit Anfang des Jahres die Stickstoffdioxiod-Belastung untersuchen. Der Grenzwert beträgt 40 Nanogramm pro Kubikmeter. In den Monaten Januar bis einschließlich Juli wurde er auf Höhe der Hausnummer 21 der Sedanstraße teilweise deutlich überschritten, die Bandbreite liegt zwischen 56 (Januar) und 45,8 (April). Danach sank der Wert konstant auf 26,7 (Oktober). Wegen dieses extremen Rückgangs bewegt sich der Mittelwert aus den 10 Monaten mit 43,7 nur knapp über dem Grenzwert. "Feinstaub und Stickstoffdioxid sind nicht nur in Großstädten ein Thema", folgert Hammerl.

Die Gründe für die hohe Schadstoffbelastung sind laut Stadtverwaltung der oft massive Rückstau vor den Ampeln in der Bürgermeister-Prechtl-Straße und am Adolf-Kolping-Platz sowie die Tatsache, dass wegen der engen Häuserzeilen kaum ein Lüftchen aus Westen durchgeht. Gisela Helgath (Grüne) bringt es im Hauptverwaltungsausschuss auf den Punkt: "Zu viele Autos stehen in dieser Straße." Hier müsse dringend etwas geändert werden. "Wir dürfen uns nicht nur in der Nachsorge, im Krankenhaus, gut aufstellen, sondern müssen uns auch um die Vorsorge kümmern." Auch Gabriele Laurich (SPD) erkennt diese Notwendigkeit. Sie empfiehlt jedoch abzuwarten, bis das Einkaufszentrum eröffnet. Von einem "Ausnahmezustand" im untersuchten Zeitraum spricht Sema Tasali-Stoll (SPD).

Ob's nach dem NOC-Start besser wird? Rainer Sindersberger (Bürgerliste) hat da so seine Zweifel. Denn dann komme ja der "Zielverkehr" rund ums Parkhaus hinzu - eine "erhebliche Mehrbelastung". Sindersberger bringt eine Einbahnstraßen-Lösung ins Gespräch, um den Verkehr geschickt zu leiten. Helgath pflichtet ihm bei: "Über 400 Parkplätze im Parkhaus. Da findet ein enormer Suchverkehr statt." Dagmar Nachtigall (CSU) schlägt vor, mit Umweltplaketten zu arbeiten. "Nur saubere Autos dürfen in die Innenstadt rein." Auf schnelle Lösungen drängt Sindersberger. "Im Nachhinein zu messen, wäre zu spät", glaubt er. "Wir müssen jetzt sagen, was wir anders machen, um andere Werte zu bekommen. Die Weichen werden heute gestellt." Angemerkt

Staus während Sperrung

"Große Rückstaus und erhebliche Beeinträchtigungen" für den Verkehr räumt die Stadtverwaltung für die Zeit der Sperrung der Sedanstraße ein. Insbesondere Ausweichrouten wie Weigel-/Bahnhofstraße sowie die Christian-Seltmann-Straße seien von Mitte August bis Anfang Dezember zu den Hauptverkehrszeiten stark belastet gewesen, heißt es in einem Bericht, den Stadtrat Philipp Beyer (Bürgerliste) beantragt hat. Für den Stadtbus blieb der zeitweise gesperrte Knotenpunkt Bürgermeister-Prechtl-/Sedanstraße zwar passierbar. Wegen des gestiegenen Verkehrsaufkommens im restlichen Straßennetz habe er seine Fahrzeiten jedoch nicht "fahrplankonform" einhalten können, schreibt die Stadtverwaltung: "Die Umlaufzeit hat sich in der Spitze um 50 bis 60 Prozent verlängert." (rg)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp