Trotz Niederlage: SPD feiert MdB Uli Grötsch – Partei muss sich ein Stück neu erfinden
Ab in die Opposition

Mit einem Bussi dankt Uli Grötsch seiner Frau Andrea. Bild: Schönberger
Politik
Weiden in der Oberpfalz
24.09.2017
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Wenige Minuten vor der Prognose um 18 Uhr war Sascha Anton noch unsicher, aber der 17-jährige Juso hat gehofft, dass es nicht so schlimm wird. Auch die 20-jährige Sophie Salfetter aus Altenstadt fühlte sich irgendwie hin- und hergerissen. Doch mit den Ergebnissen, die dann über den Bildschirm flatterten, hatte Anton gar nicht gerechnet. "Ich fühle mich im Keller."

Dort war inzwischen bei der Wahl- "Party" der SPD im "Almrausch" die Stimmung insgesamt angelangt. Stadträtin Sabine Zeidler bräuchte eigentlich einen Schnaps, und Weidens SPD-Chef Norbert Freundorfer sprach von einem schlimmen Ergebnis. Der Stadtverband sei schon länger gegen die Fortsetzung der Großen Koalition eingestellt, sagte Freundorfer. Doch mit diesem Ergebnis stelle sich die Frage gar nicht mehr. Der Wählerauftrag an die SPD sei eindeutig: "Ab in die Opposition."

Als kurze Zeit später ein SPD-Oberer Gleiches im Fernsehen forderte, brandete Beifall auf. Freundorfer war schon einen Schritt weiter. Die SPD hätte sich seiner Meinung nach mit jedem Kandidaten die Klatsche geholt. Deshalb solle Schulz SPD-Vorsitzender bleiben. Den Fraktionsvorsitz aber, so seine persönliche Meinung, könnte mit Andrea Nahles eine Frau übernehmen. Von einer schweren Niederlage für die SPD und das demokratische System sprach der Büroleiter von Uli Grötsch, Dominik Brütting. Er sei etwas ratlos, weil der Wahlkampf und der Kandidat besser gewesen seien als vor vier Jahren. Unterdessen füllte sich die "Almrausch"-Gaststätte immer mehr. Fast volles Haus, als der Direktkandidat kam. "Die GroKo ist beendet", rief er. Stehend spendeten die Genossen Beifall. Das wiederholte sich, als er ankündigte, die SPD werde zum Bollwerk gegen Rechtsextremismus und Neonazis im Bundestag. Deren Einzug sei ein schwarzer Tag.

Die SPD werde sich in der Opposition "ein Stück neu erfinden müssen", sagte Grötsch. Jeder sei eingeladen mitzumachen. Er stelle sich an die Spitze, und "auch, wenn sich das jetzt etwas blöd anhört", er freue sich darauf. Schließlich dankte er allen seinen Unterstützern, vor allem seiner Frau Andrea und den beiden Kindern Verena und Johanna.

Sozialdemokratie hat immer etwas von Abenteuerurlaub.Landtagsabgeordnete Annette Karl bei der SPD-Wahl-"Party" in der Gaststätte "Almrausch"
2 Kommentare
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Jürgen Zintl aus Weiden in der Oberpfalz | 28.09.2017 | 15:43  
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Hans Werner aus Schmidgaden | 01.10.2017 | 11:15  
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