Verkehrserschließung ins Gewerbegebiet West IV heftig umstritten
Ampel verstopft das Nadelöhr

Ebenso wichtig wie eine kreuzungsfreie Anbindung der Gewerbegebiete Weiden West an die B 470 halten Stadträte im Bau- und Planungsausschuss auch zusätzliche Fahrstreifen entlang der Bundesstraße zwischen Dr.-Müller-Straße (oben links) und Autobahn A 93. Luftbild: Michael Ascherl
Politik
Weiden in der Oberpfalz
26.03.2018
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Licht und Schatten bei den Planungen für das neue Gewerbegebiet West IV: Auf der Stelle könnte die Stadt 16,3 Hektar an siedlungswillige Betriebe vergeben. Aber gleichzeitig wird deutlich, dass die verkehrliche Erschließung zu überarbeiten ist.

Im Bau- und Planungsausschuss räumt Stadtkämmerin Cornelia Taubmann, selbst lange Zeit die Projektleiterin für West IV, ein, dass in den Verkehrsgutachten ganz unterschiedliche Annahmen und Unwägbarkeiten "drin sind". Und sie erinnert daran, dass schon seit 20 Jahren erfolglos versucht werde, den Anschlussknoten Bundesstraße 470/ Dr.-Müller-Straße zu optimieren. Eine Ampellösung habe damals nicht überzeugt. Sie betont jedoch, dass größere Umbauten an der Einfahrt ins neue Gewerbegebiet erschließungsbeitragsfähig seien, was wiederum die Grundstücke verteuere.

Gute Lösungen zu teuer

Die Diskussion hatte die Bürgerliste ausgelöst, die danach fragte, was aus dem Beschluss des Bauausschusses vom 6. April 2011 geworden ist: Schon damals hatte sich die Stadt auf eine "höhenfreie" Anbindung (ohne Kreuzung, sondern Überführungen) von West I bis III an die B 470 festgelegt. Umplanungen auf dem nahen Standortübungsplatz (Erhalt und Sanierung der Panzerwaschanlage) verhinderten jedoch die Realisierung. Zwei Jahre später war vom Staatlichen Bauamt sogar eine große Lösung bereits mit Verbindungast ins neue Gewerbegebiet geplant worden. Das Konzept verschwand dann aber - ebenso wie Kreisel- und "Turbo"-Kreisel-Vorschläge aufgrund der Kosten, die die Stadt hätte tragen müssen, schnell in der Schublade.

Selbst Alois Lukas (CSU) mag sich kaum mit einer Ampel anfreunden. Nur für den Anfang, als Provisorium für den Einstieg, ist sie für ihn vorstellbar. Noch wichtiger ist für ihn eine weitere Fahrspur von der Autobahn bis zur Dr.-Müller-Straße - "sonst gibt's unendliche Staus". Zu den derzeit täglich 18 000 Fahrzeugen auf der B 470 kämen durch West IV täglich bis zu 6000 Fahrzeuge hinzu. Lukas kann nicht verstehen, warum das Staatliche Bauamt die Auf- und Abfahrten Weiden-West zur und von der A 93 beampeln wolle. "Das gibt Staus bis auf die Autobahn."

Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel betont, das Staatliche Bauamt habe "grundsätzliche Zustimmung" zur Ampel am Knoten der Gewerbegebiete signalisiert, wenn es dem Gutachter gelinge, die Kapazität am Knoten nachzuweisen.

Ampel untauglich

West IV brauche für die Erschließung "nicht die günstigste, sondern die praktikabelste Lösung", wettert Stefan Rank (Bürgerliste). Eine Ampel tauge nicht mal als Zwischenlösung. Sie schaffe lediglich ein Nadelöhr. Die Stadt laufe mit den bisherigen Planungen Gefahr, dass die grundsätzlich positive Einstellung der Bürger zum neuen Gewerbegebiet ins Wanken gerate. Nur ein kreuzungsfreier Ausbau entlaste die Gewerbegebiete Weiden-West, den Pressather Wald, Neunkirchen und Latsch. "Ich möchte dort nicht leben, wenn's mit dem Verkehrsfluss nicht klappt." Deshalb seien umgehend die Gespräche mit dem Staatlichen Bauamt aufzunehmen, das sich "still und leise aus dem Staub gemacht" habe. "Ampel und Kreisverkehr bringen nur eine Standortverschlechterung." Die Abgeordneten seien gefordert, mit Fördergeldern zu helfen.

Auch Karl-Heinz Schell (SPD) fordert, "alle Hebel in Bewegung zu setzen, um etwas G'scheites zu machen". "Wir brauchen dort alles, nur keine Ampel." Josef Gebhardt (ebenfalls SPD) befürchtet ebenfalls eine erhebliche Verkehrszunahme, die in der Nachbarschaft und auf der B470 für Probleme sorge. So entstehe schon allein durch den weiteren Ausbau von Witt Weiden enormer Handlungsbedarf.

Umschalten 
Angemerkt von Josef-Johann Wieder

Reicht eine Ampel, um den Verkehr am Knoten Gewerbegebiet West/B470 zu steuern, vor allem aber flüssig zu halten? Die Stadträte beschäftigen sich jetzt intensiv mit dieser Frage. Und die Mehrheit im Bauausschuss glaubt die Antwort zu kennen: Eine Signalanlage reicht nicht. Deshalb wollen sie den Schalter umlegen: Nicht nur eine kreuzungsfreie Lösung soll her, sondern weitere Fahrspuren von der A 93 bis zum Knoten. Das hatte der erste Verkehrsgutachter gefordert, den die Lenkungsgruppe aufgrund von "Rechenfehlern" geschasst hatte. Der zweite Experte rechnete wie gewünscht, doch damit sind die Probleme nicht beseitigt.

Stefan Rank, Sprecher der Bürgerliste im Ausschuss und mit seinem Betrieb unmittelbarer Anlieger, braucht keine weiteren Verkehrsberechnungen und -prognosen. "Da brauchst dich nur zwischen 6.15 und 7.45 Uhr hinzustellen und du weißt, was das los ist", gibt er den Kollegen mit auf den Weg. Was los ist, wissen auch die Neunkirchener, die Latscher, die Bürger, die aus der Pressather Straße in die B470 einfahren oder sie kreuzen wollen. Noch reicht ihre Geduld, um die Staus zu ertragen. Der Verkehr aus West IV, zusätzlich bis zu 6000 Fahrzeuge mehr, dürfte aber auch den längsten Geduldsfaden reißen lassen.
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