15.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vierlingsturm am Fischerberg in Weiden: Grundsteinlegung vor 100 Jahren Der lange Weg zur weiten Aussicht

Der Vierlingsturm ist eines der Wahrzeichen Weidens. Er erhebt sich auf der Höhe des Fischerbergs. Am Sonntag feiert der Oberpfälzer Waldverein (OWV), Zweigverein Weiden, der aus dem Verschönerungsverein hervorging, die Grundsteinlegung des Bauwerks vor 100 Jahren und die Eröffnung vor 90 Jahren. Bis der Turm aber stand, musste der Verein einige Hürden überwinden.

Der Vierlingsturm ist Mittwoch, Samstag und Sonntag geöffnet (Öffnungszeiten der Strobelhütte). Der Aufstieg bis zur oberen Plattform ist möglich. Eintritt frei. Bild: R. Kreuzer
von Reinhard KreuzerProfil

Die OWV-Protokolle besagen, dass bereits in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts Pfarrer Burgglocher den Turmbau anregte. Trotz seines großen Einsatzes gelang es ihm aber nicht, die Umsetzung seiner Idee zu verwirklichen. Als er Weiden verließ, ruhte das Projekt lange Jahre. Erst am 27. März 1906 griff Kommerzienrat Otto, Direktor der Firma Bauscher, die Idee bei einer Ausschusssitzung des Verschönerungsvereins wieder auf und fand Zustimmung.

Anfangseuphorie verfliegt

Als nächsten Schritt wählte die Mitglieder bei einer Versammlung am 4. April 1906 ein Turmbaukomitee, dessen Vorsitz Otto übernahm. Der Verein stellte zunächst 250 Mark zur Verfügung. Bereits nach einem Jahr war diese Summe durch Spenden auf 2040 Mark angewachsen. Der Kostenvoranschlag für den Bau belief sich aber auf 6500 Mark und die Spenden flossen in den folgenden Jahren nicht mehr so üppig. So mussten die Verantwortlichen ihre Pläne weiter hinausschieben.

Erst im Jahr 1914 beschloss der Verein - auf Antrag von Dekan Dr. Pfeiffer -, den Turm mit einem Kostenaufwand von 5500 Mark und mit einer Höhe von 20,5 Meter zu bauen. Die Mitglieder legten auch schon den Name des Turmes fest. Auf einer Tafel sollte folgende Widmung stehen: "Dem Andenken des vielgeliebten Prinz-Regenten Luitpold von Bayern vom Verschönerungsverein Weiden gewidmet - anno 1914".

I. Weltkrieg zerstört Pläne

Den notwendigen Grund erwarb der Verein vom Gastwirtsehepaar Lukas in Tröglersricht. Der Bau des Turmes begann und die Verantwortlichen machten schon Pläne für die Eröffnungsfeier. Aber der Ausbruch des 1. Weltkrieg zerstörte die Hoffnungen auf die Fertigstellung des Turms. Im April 1915 übernahm Dr. Pfeiffer die Leitung des Vereins. Den Turmbau konnte er aber trotz aller Anstrengungen nicht weiterführen. Das unvollendete Werk blieb lange Jahre stehen.

In einem Vorbericht in der Presse zur Generalversammlung am 17. März 1922 im Kasinozimmer des Hotels Post steht: "Der ursprünglich geplante Bau kann mit Rücksicht auf die jetzigen Baukosten überhaupt nicht mehr ausgeführt werden ... und es besteht hohe Gefahr, dass der begonnene Aussichtsturm zur Schande aller Naturfreunde als Ruine stehen bleibt." In der Sitzung beschlossen die Mitglieder trotzdem, den Weiterbau des Turms wieder aktiv zu fördern. Im Mai 1922 übernahm Dr. Hermann Vierling die Leitung des Vereins und des Turmbaukomitees. Nach kurzer Zeit verfügte der Verein über die stattliche Summe von 21 000 Mark. Aber auch das half nichts, weil 1923 die Inflation das Geld abwertete.

Material als Spende

Die Männer des Komitees ließen sich aber nicht von ihrem Weg abbringen. Sie gingen dazu über, statt Geld nun Materialien zu sammeln. Als die Mark wieder stabil wurde, kamen auch neue Geldspenden hinzu. Dadurch ermutigt, beschlossen der Verein in einer Sitzung am 2. Mai 1924, mit dem Bau zu beginnen. Der damalige Bauamtmann Linhardt entwarf die Pläne und am 14. Juli 1924 starteten die Arbeiten unter der Leitung von Baumeister Peter Weiß.

Der Stumpf des angefangenen Turmes hatte schon an die zehn Jahre geruht. Jetzt begann er endlich wieder zu wachsen und ragte binnen kurzer Zeit über die Baumwipfel des Fischerberges hinaus. Am 27. September 1924 übergab Weiß das fertige Werk an den OWV Weiden und am 5. Oktober feierten die Bürger die Eröffnung des Aussichtsturms.

Die Vereinsmitglieder einigen sich darauf, den Bau "Vierlingsturm" zu nennen, "da Dr. Vierling in zäher Ausdauer, in rastloser Werbung und mit hinreißendem Beispiel sich hohe Verdienste um die glückliche Vollendung des Aussichtsturmes erworben" habe. Stolz blickten die Arbeiter auf ihren endlich vollendeten Vierlingsturm. Sie schufen etwas Bleibendes, nicht nur für ihren Verein. Und sie gaben der Stadt Weiden ein Wahrzeichen. Die Bevölkerung nutzt gern dieses Ausflugsziel.

Da in den nachfolgenden Jahren der Turm immer beliebter wurde, eröffnete bereits 1948 neben dem Aussichtsturm die "Strobelhütte" ihre Pforten, um den Besuchern Brotzeiten und Trinken servieren zu können. Und bis heute können die Gäste eine gute Rundumsicht auf einem der höchsten Punkte (633 Meter) der Stadt Weiden genießen.

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