14.02.2018 - 22:18 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Volles Haus beim Politischen Aschermittwoch der SPD Im Zweifel etwas lauter

Genosse zu sein - das ist in Weiden wohl etwas leichter als anderswo. Beim SPD- Aschermittwoch räumt Fraktionschef Roland Richter "schwierige Zeiten" ein. Auf Bundesebene. Lokal sei die Partei "Branchenprimus".

Volles Haus bei der SPD im Rothenstädter Lehnersaal. Fraktionschef Roland Richter (rechts) gibt den Laut-Sprecher - offenbar ein probates Mittel, um die Genossen von der Groko-Melancholie zu kurieren. Flagge gegen eine Regierungsbeteiligung zeigt eine Abordnung der Jusos. Bild: Schönberger
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

"Ihr habt alles richtig gemacht", schmeißt sich der Fraktionsvorsitzende gleich mal an die rund 120 Besucher im Rothenstädter Lehnersaal ran. "Ihr seid hier beim Branchenprimus. Bei der roten Hausmacht, wo Lebensfreude und Erfolg zu Hause sind." Denn "Überzeugung und Selbstbewusstsein, gerade in schwierigen Zeiten" will Roland Richter den Seinen einimpfen. Weshalb er die ersten Sätze fast schon brüllt - und den Blick nur ganz am Ende seiner immer wieder durch Beifall unterbrochenen Rede kurz nach Berlin schweifen lässt. Die Prüfungen eines Genossen vergleicht er mit denen von Hiob: "Als SPD-Mitglied prüft dich jeden Tag dein sozialdemokratisches Gewissen. Und manchmal ist die Prüfung wie bei Hiob verdammt schwer." Den Zwiespalt haben vorher schon OB Kurt Seggewiß deutlich gemacht, der trotz aller Personalquerelen für eine neue Groko warb, und Juso-Vorsitzender Sascha Anton, der sie strikt ablehnte.

"Zu leise, zu bitter"

Richter - "die Vorredner waren mir zu leise, waren mir zu bitter!" - verkneift sich eine klare Empfehlung. Nur so viel: Ohne Regierungsbeteiligung der SPD"wären viele Projekte in Weiden nicht möglich gewesen", meint er. Apropos. "Wo wir sind, ist der Erfolg", tönt der Fraktionschef. Er erinnert an sinkende Verschuldung und Arbeitslosenzahlen ("ein Drittel weniger seit 2008"), an steigende Gewerbesteuereinnahmen und Überschüsse im Haushalt. "Lang gehegte Wünsche gehen endlich in Erfüllung. Beim Wittgarten, in der Pestalozzi-Schule, auf dem Dänner-Hertie-Areal." Für die Christsozialen sei jede Erfolgsmeldung der SPD "wie ein Nagel in ihrem selbstgebastelten Nagelbrett", ätzt Richter.

Die Weidener CSU sei auf der politischen Landkarte wie das gallische Dorf, zitiert er Walter Leupold. "Unbeugsam und selbstbewusst" hat der hinzugefügt. Richter meint: "Dummerweise ist diesem Dorf der Zaubertrank ausgegangen. Und sie hat auch das Rezept dafür verloren. Mit Leupold hat zudem der letzte Druide das Dorf verlassen." Unter anderem "das Theater um die Realschule" kreidet der SPD-Fraktionschef den Christsozialen an, "Parteipolitik auf dem Rücken der Schulstadt Weiden".

Für "Weiden 4.0"

Was wäre passiert, hätten die Ägypter die Pyramiden gegen die "Weidener Opposition" aus CSU, Bürgerliste und Grünen bauen müssen? "Dann hätten sie heute bestenfalls den Bebauungsplan verabschiedet." Überhaupt schildert Richter seine Partei als Fortschrittsmotor: "Weiden 4.0 - wir machen das." Richters Lohn für die engagierte Rede: lang anhaltender Beifall, Bravo-Rufe und wohl vorübergehende Heiserkeit. Annette Karl muss nach einer "Ziga... , äh Erholungspause" (Stadtverbands-Vize Herbert Schmid) erstmal um mehr Ruhe bitten: "Lautstärkemäßig kann ich mit dem Roland nicht mithalten. Sperrt's die Ohren auf, nach dem Säbel kommt jetzt das Florett." Mit dem seziert die Landtagsabgeordnete im Wahljahr vor allem die Södersche Heimatpolitik, deren Themen von der SPD abgekupfert seien: "Der CSU-Kopierer läuft Tag und Nacht."

Zehn Punkte, die ihr wichtig sind, listet die Kandidatin auf, darunter besseren ÖPNV, "ordentliche Hardware" für die Schulen und mehr Sozialwohnungen. Söder habe ja 32 000 GBW-Wohnungen an einen "Immobilienhai" verscherbelt - und dann "gnädig" 4000 neue Wohnungen angekündigt. "Sozialer Wohnungsbau à la Söder." Und was ist mit der Groko? Karl plädiert dafür, SPD-Politik durchzusetzen. "Das Motto kann nicht sein: Lieber nicht regieren als schlecht regieren." Es fehlt ihr vielleicht an der Lautstärke, aber nicht an Überzeugung. Mehr am Freitag

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