02.05.2018 - 20:12 Uhr
Oberpfalz

Weiden erhält eine der ersten 120 Beratungsstellen in Deutschland Mehr Teilhabe für Behinderte

Das Angebot ist neu, unentgeltlich und steht allen Menschen mit Behinderung offen. Der Name dafür klingt umständlich: Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung. Was sich dahinter verbirgt, erklärt Peter Weiß im NT-Interview.

Peter Weiß, Geschäftsführer der Sozialteam GmbH. Bild: exb
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Die Eröffnungsfeier für das neue Büro im ARV-Gebäude in der Parksteiner Straße ist für Montag, 7. Mai, vorgesehen. Die Weidener Beratungsstelle zählt zu den ersten 120 Einrichtungen, die bisher im Bundesgebiet genehmigt wurden. Insgesamt sind rund 400 derartige Fachstellen geplant.

Büro zur Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung - kurz EUTB - darunter können sich viele Menschen nichts vorstellen. Was verbirgt sich hinter dem Namen?

Weiß: Es handelt sich um ein völlig neues Angebot, das aufgrund des Bundes-Teilhabe-Gesetzes geschaffen wird. Ziel ist die kostenlose Beratung von Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen, um die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung von behinderten Menschen zu stärken.

Was sind die Hauptaufgaben?

Ratsuchende erhalten Informationen über die Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe am gesellschaftlichen und Arbeits-Leben. Das Besondere daran: Die Beratung erfolgt parteilich, das heißt, sie soll sicherstellen, dass die Menschen zu ihrem Recht kommen. Diese Aufgabe übernehmen sogenannte Peer-Berater, also Fachkräfte, die selbst behindert sind oder chronisch krank.

Kennen Sie bereits Erfahrungen aus anderen Städten?

Nein. Derzeit befinden sich die Einrichtungen bundesweit noch im Aufbau. Die Bescheide für die neuen Beratungsstellen sind erst im Februar versandt worden. In ganz Deutschland sollen etwa 400 Fachstellen geschaffen werden.

Wer wird Ansprechpartner für die Menschen im Raum Weiden?

Andrea Wiedel wird die Tätigkeit in Teilzeit übernehmen. Sie ist Juristin, Erzieherin, Kommunikationstrainerin und selbst schwerbehindert. Dazu kommen eine Psychologin und später noch eine Sozialpädagogin. Das Büro ist für die Ratsuchenden erstmals am Dienstag, 15. Mai, geöffnet. Die Bürozeiten sind zunächst immer dienstags von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr. Davon unabhängig können auch Beratungstermine vereinbart werden. Wir planen später außerdem wöchentliche Sprechstunden im Landkreis Tirschenreuth. Dafür suchen wir derzeit noch geeignete barrierefreie Räume.

Sie sind Geschäftsführer der Sozialteam GmbH, die unter anderem die Tagesstätte "Oase" für psychisch Kranke in Weiden betreibt. Ist Ihre Gesellschaft auch Träger der neuen Beratungsstelle?

Nein. Träger ist der Verein für ergänzende und unabhängige Teilhabeberatung in den Bezirken Oberpfalz und Niederbayern. Gegründet wurde er unter anderem von der Bayerischen Gesellschaft für psychische Gesundheit, dem Allgemeinen Rettungsverband (ARV) Oberpfalz, dem Wohlfahrtsverband "Der Paritätische Niederbayern/Oberpfalz" und der Sozialteam GmbH. Aber auch Selbsthilfegruppen zählen zu den Mitgliedern. Anspruch der Beratungsstelle ist die Unabhängigkeit von Hilfeleistungs-Anbietern und Kostenträgern.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft der neuen Fachstelle?

Geplant ist zum Beispiel, Selbsthilfeorganisationen stark zu integrieren. Das Konzept sieht auch einen Fachbeirat vor, der aus Selbsthilfevertretern besteht und sich über die Erweiterung des Angebots Gedanken macht. Und wir möchten ein Selbsthilfeteam anbieten für Fälle von seltenen chronischen Erkrankungen. Wir haben also noch viel vor.

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