15.05.2017 - 18:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden präsentiert sich in Issy-les-Moulineaux Rendezvous mit Europa

Glückliches Issy: Die französische Partnerstadt hat bald Tausende Arbeitsplätze mehr, ein neues Viertel nach Plänen eines Stararchitekten und Paris vor der Haustür. Dafür ist die Stadt aber vielleicht bald ihren Namen los.

Petra Vorsatz war am Samstag eine gefragte Tippgeberin. Schulkassen schauten bei einer Partnerstädte-Schnitzeljagd am Weidener Stand in Issy vorbei, um sich nach einer Leckerei namens Nusszopf zu erkundigen. Die Kulturamtschefin kann den Satz "Réponse deux, tresse de noix" nun wohl 10 Jahre lang im Schlaf aufsagen. Bilder: phs (4)
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

So gut sich die Partner verstehen, manche Pläne aus Frankreich klingen für deutsche Ohren fast exotisch. So wie die Gebietsreform, die Städtefusionen quer durch Frankreich vorsieht. Issy-les-Moulineaux wird bis 2020 mit der etwas größeren Nachbarstadt Boulogne-Billancourt zusammengehen. Dadurch entsteht die zwölftgrößte Stadt des Landes. Das soll langfristig den Verwaltungsapparat schrumpfen, erklärte Vize-Bürgermeister Alain Lévy seinen staunenden Gästen aus Weiden beim Mittagessen.

Die gute Nachricht: Die Städtepartnerschaft soll weiterlaufen wie bisher. Und auch der 77-jährige Bürgermeister André Santini denkt nicht im Traum daran, seinen Posten zu räumen. Er wird eine Art Vize-Bürgermeister der fusionierten Stadt, über deren Namen die Einwohner zur Volksabstimmung gebeten werden.

Gelungene Geschenke

Für Weiden wäre es nicht schlecht, weiter mit Alain Lévy arbeiten zu können. Er ist im Rathaus für internationale Beziehungen zuständig und kann mit seinen Ansprechpartnern wie OB Kurt Seggewiß, Petra Vorsatz und Sigrid Schneider vom Kulturamt oder Übersetzer Konrad Merk. An deren Gastgeschenk hatte er seine helle Freude: eine Kippa in den Weidener Stadtfarben, gesäumt von einer historischen Kordel aus dem Stadtarchiv.

Für Bürgermeister Santini, einen Porzellan-Fan, hatte Seggewiß ein seltenes Buch über Seltmann-Produkte dabei. Um seinen Job dürfte wohl jeder Kollege den französischen Stadtchef beneiden. Nächstes Jahr siedelt sich ein weiterer Computerriese in Issy an, ein Jahr später soll die Telefongesellschaft Orange noch einmal 5000 neue Stellen draufsatteln. Um Neubürger unterzubringen, plant die US-Architektur-Ikone Daniel Libeskind ein neues Quartier, das sogar einige Sozialwohnungen enthält. Für das alte Issy, das vielen Weidenern ans Herz gewachsen ist, steht dagegen Georges Provôt. Zum 90. Geburtstag gratulierten ihm die Gäste aus der Max-Reger-Stadt mit einem Fotobuch voller Aufnahmen von seinen Besuchen in Weiden. Gerührt war der Grandseigneur der Städtepartnerschaft auch von einer Glückwunschkarte mit den Unterschriften der Freunde vom Städtepartnerschaftsverein.

Koffer voller Ideen

Dass aus solchen internationalen Verbindungen neue Ideen sprießen, blitzte beim Rahmenprogramm immer wieder durch. So vereinbarte Petra Vorsatz, einer belgischen Gesangslehrerin aus Frameries ein Paket Max-Reger-Lieder zu schicken. Vielleicht wird mal ein Auftritt in Weiden daraus.

Gleiches gilt für die Indie-Folk-Band "Elpris" aus Macerata, die ein bisschen so klingt, als hätte sie der Weidener Kulturverein "Das Sündikat" aus dem Hut gezaubert. Auch das könnte mal ein Gastspiel beim Bürgerfest oder bei anderer Gelegenheit werden.

Nicht weniger Applaus als die vielseitigen Italiener erntete im Auditorium der Musikschule von Issy das Ballett-Ensemble von Isabel von Günther und Silvia Neuhaus. Die Leichtigkeit, die die jungen Frauen versprühten, war auch beim Europafest im Herzen der Stadt zu spüren. Nicht nur weil es trocken und sonnig blieb, fanden dort Waldthurner Nusszopf, Geräuchertes und Gambrinus-Bier aus der "Weidener Hütte" dankbare Abnehmer.

Das alles verfolgte eine Abordnung aus Hounslow, einem Bezirk in West-London, der seit 35 Jahren mit Issy verbandelt ist, mit Wehmut. Man hatte fast das Gefühl, dass sich der Bürgermeister und seine Stellvertreter für das Brexit-Votum ihrer Landsleute schämen. "Maybe one day we come back", seufzte der Rathauschef eine Hoffnung in die Runde, die bei den Europa-Konferenzen am Rande des Fests auf offene Ohren stieß. OB Seggewiß schlug schon mal die erste Brücke. Er lud den sympathischen Kollegen zum Bürgerfest ein.

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