02.09.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Olaf Schreglmann ist seit April SPD-Landesgeschäftsführer - Kein politisches Mandat Hobby zum Beruf gemacht

Weiden. (uz) Der neue SPD-Landesgeschäftsführer in München ist ein "Ur-Weidener Gewächs". Obwohl er jetzt ganz oben an der Parteispitze mitarbeitet, kommt Olaf Schreglmann (40) - inzwischen verheiratet und Vater zweier Töchter - immer wieder gerne in die Max-Reger-Stadt zurück, wo seine sozialdemokratischen Wurzeln liegen.

Olaf Schreglmann kam 2012 vom DGB zur SPD. Er übernahm das Amt des Geschäftsführers der Nürnberger SPD. Im April 2014 wechselte der gebürtige Weidener als SPD-Landesgeschäftsführer nach München. Bild: Kunz
von Redaktion OnetzProfil

Herr Schreglmann, wie sind Sie zur SPD gekommen?

Das war 1992 und es war eine sehr schöne Begebenheit. Stadtrat Reinhard Hese hat mich zur SPD gebracht. Unsere ganze Clique ging damals zu den Jusos. Und so sind wir bei der SPD gelandet. Roland Richter war auch dabei.

Aber familiär sind Sie sicherlich auch vorgeprägt?

Ja, ich komme aus einem sehr roten Elternhaus. Vor allem meine Mutter Sonja Schreglmann ist ja viel längerer als ich in der Weidener SPD aktiv, vor allem in der Frauengruppe, in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF). Da war natürlich schon eine gewisse Zuneigung zur SPD da. Der Schritt, in die SPD einzutreten, fiel mir dadurch erst recht nicht schwer.

Wie hat es Ihnen damals bei den Weidener Jusos gefallen?

Das war eine hervorragende Zeit. Heute - gerade bei der Anreise nach Weiden - ist es mir wieder eingefallen: Freitag war immer Juso-Sitzung. Von 1992 bis Anfang 2000 war das ein Pflichttermin. Die Zeit hat mich bis heute geprägt. Das war eine Schule fürs Leben. In der Schule lernt man allgemeinbildende Dinge, die man auch brauchen kann fürs Leben. Aber so richtiges Handwerkszeug für die Praxis und zur Bewältigung des Berufslebens lernt man bei den Jusos. Auch wie man mit Menschen umgeht. Da bin ich sehr dankbar dafür.

Was gab's für Highlights bei den Jusos?

Während des Kommunalwahlkampfs 1996 waren wir Jusos sehr aktiv. Da haben Roland Richter und ich auch kandidiert. Wir haben damals im Februar bei bitterer Kälte vor dem Alten Rathaus einen Boxring aufgebaut und um den letzten Ausbildungsplatz geboxt. Bei dieser Super-Kälte war eigentlich ausgemacht, dass wir bei unserem Boxkampf nicht wirklich zuhauen. Aber Roland Richter hat mir einen Schwinger versetzt, den ich ihm bis heute nicht vergessen habe.

Klappte es dann mit dem Stadtratsmandat?

Ab 2002 war ich eine Periode lang im Stadtrat. Das hab ich sehr gern gemacht. Ich habe auch wirklich sehr hart um den Einzug gekämpft. Ich wollte in Weiden mitgestalten. Wir als Jusos haben uns als Team für die Jugendbelange eingesetzt.

Aus beruflichen Gründen - ich hatte inzwischen in Nürnberg beim Deutschen Gewerkschaftsbund Fuß gefasst - habe ich mein Mandat schweren Herzens nach einer Periode wieder abgegeben. Das war damals mit der Pendelei einfach nicht zu stemmen. Ich finde, ein Stadtrat muss einfach präsent sein. Und der Stadtratsfraktion hätte ich damit auch keinen Gefallen getan.

Waren Sie damals mit Ihrem Studium der Sozialwissenschaften schon fertig?

Ja. Ich hab 2004 beim DGB begonnen. Und der Job wurde dann immer intensiver. In der Einarbeitungszeit konnte ich Beruf und Mandat noch unter einen Hut bringen. Später nicht mehr. Ich hab dann selber Unzufriedenheit gespürt und die Reißleine gezogen.

Was war beim DGB Ihr Aufgabengebiet?

Ich war zuständig für die Stadt Nürnberg und ganz Mittelfranken. Thematisch ging's um Sozialpolitik und Arbeitsmarktpolitik. Das waren die klassischen Juso-Themen, die ich zum DGB mitgenommen habe. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

Wie ging's dann weiter? Wie kam der berufliche Wechsel zur SPD zustande?

Mich hat der Nürnberger SPD-Unterbezirksvorsitzende und zweite Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, hauptamtlich als Geschäftsführer der Nürnberger SPD anzufangen. Da fühlte ich mich geschmeichelt, weil die Nürnberger SPD wirklich eine altehrwürdige und erfolgreiche SPD-Gliederung ist. Da gab's nichts zu überlegen. Ich habe zugeschlagen. Anfang 2012 war das.

Die Kommunalwahlkampf-Kampagne mit Oberbürgermeister Ulrich Maly war für mich eine Riesenherausforderung. Mit dem OB von Nürnberg Seite an Seite die Kampagne zu entwickeln und in den Wahlkampf zu ziehen, diese Herausforderung habe ich gerne angenommen.

Seit April 2014 sind Sie jetzt in München.

Auch der Posten des Landesgeschäftsführers der Bayern-SPD lief schneller, als ich gedacht hatte. Ich wollte eigentlich in Nürnberg bleiben, wurde aber noch während des Kommunalwahlkampfes umgestimmt. Als politisch schon immer sehr aktiver Mensch musste ich mir das auch nicht zweimal überlegen. In Nürnberg stieß das nicht sofort auf Begeisterung. Aber letztendlich haben sie meinen Schritt verstanden, als junger Mensch noch etwas erreichen zu wollen. Die haben es dann sportlich genommen und sich gesagt: Kann nicht schaden, wenn ein Nürnberger in München hockt.

Das war ein Wechsel vom Franken-Hype zum Bayern-Frust.

Ja, in Nürnberg, sogar in ganz Nordbayern sind die SPD-Ergebnisse nicht schlecht. Das ist ein Ansporn für mich. Denn auch kommunalpolitisch haben wir da einiges vorzuweisen. Ich denke da nur an die Wahlerfolge in Regensburg und in Weiden mit Kurt Seggewiß. So gibt's gerade in der nördlichen Oberpfalz einige rote Bürgermeister. Hier ist das Terrain für die SPD erfolgreicher als zum Beispiel in Oberbayern und Schwaben.

Was sind Ihre weiteren Ziele?

Bei der Bundestagswahl 2017 besser abzuschneiden als im vergangenen Jahr. Aber die große Herausforderung ist die Landtagswahl 2018. Dann wird Ministerpräsident Horst Seehofer mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr kandidieren. Und dann werden die Karten in Bayern neu gemischt. Egal wie der CSU-Kandidat heißt: Ein paar Prozent mehr für die Bayern-SPD und schon schaut die Welt wieder ganz anders aus.

Hätte die SPD beim letzten Mal nur fünf Prozent mehr gehabt, hätte es für ein Bündnis mit den Grünen und den Freien Wählern gereicht. Jetzt gilt es ganz einfach, innerorganisatorische Hausaufgaben zu erledigen. Dann ist ein gutes Ergebnis aus meiner Sicht auch machbar.

Könnte man sich einen Olaf Schreglmann als Spitzenkandidaten vorstellen?

Nein, ich bin hauptamtlicher Landesgeschäftsführer und damit ist eine Kandidatur für mich ausgeschlossen. Ich will als Hauptamtlicher keinesfalls ein politisches Mandat anstreben. Mir sind die Organisation und die Partei wichtig. Die wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Wahlkampf ist eine gut funktionierende Partei.

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