Weidenerin erlebt G-20-Krawalle als Anwohnerin mit
Alltag zwischen Autowracks

Die selbst fotografierte Nachbarschaft der Oberpfälzerin: Radler-Idyll vor ausgebranntem Auto. Bild: Anja Sontheim
Politik
Weiden in der Oberpfalz
07.07.2017
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Hamburg/Weiden. Anja Sontheim lebt in Hamburg in begehrter Lage. Die kleine Wohnung der Weidenerin am Fischmarkt ist nur wenige Meter von der Kneipe "Schellfischposten" entfernt, wo Kult-Talkerin Ina Müller gerne mit ihren Gästen im Ersten anhebt. Hafenromantik, Hochglanz-Hamburg - bis zu diesem Wochenende.

"Erschreckend. Ich möchte mich am liebsten nicht von A nach B bewegen", sagt Anja Sontheim am Freitagmittag. Der Rückweg vom Einkaufen in ihr Apartment ist ihr gerade versperrt. "Um die Ecke ist ein nobles Fischlokal. Da sind öfter Politiker. Wir vermuten hier, dass dort Gipfelteilnehmer essen", spekuliert sie vor einem Gitter. Solche Zäune gehören in diesen Tagen fast wie der Michel zum Alltag in der Hansestadt. Die Goldschmiedin ist heilfroh, wenn der G-20-Gipfel vorbei ist. Dass das Motto "Welcome to Hell" der gewaltbereiten Protestszene keine leere Drohung ist, kann sie fast vom Fenster aus miterleben. Die Weidenerin hat außerdem Angst um ihren Toyota Corolla. "Wo man hinsieht, stehen ausgebrannte Autos."

Das Frappierende daran: Die Spuren der Gewaltexzesse führen nicht nur in die Autonomen-Hochburg im Schanzenviertel, sondern sind in nahezu allen Vierteln der Metropole spürbar. "Vielleicht bringe ich meinen Wagen in ein Parkhaus, aber ich weiß auch nicht, ob er da sicher ist", überlegt die Oberpfälzerin.

Ausgerechnet dieses Wochenende erwartet sie Besuch. Eine Freundin aus Bayern hat sich angesagt. Mit klassischem Sightseeing und Cappuccino am Hafen wird es wohl nichts. Doch Anja hat schon einen Plan: raus aus der Stadt.
2 Kommentare
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C. Schmitz aus Regensburg | 07.07.2017 | 22:39  
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Stefan Kreuzeck aus Weiden in der Oberpfalz | 08.07.2017 | 22:53  
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