16.10.2017 - 20:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß zieht sich 2020 zurück "Zwei Wahlperioden sind genug"

Kurt Seggewiß wird bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr als Oberbürgermeister kandidieren. "Zwei Wahlperioden sind genug", erklärte er am Montag beim Empfang anlässlich seines 60. Geburtstags im Neuen Rathaus. Vor zahlreichen Vertretern aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, insgesamt rund 500 Gästen, verkündete Seggewiß den Entschluss, den er schon vor mehreren Wochen mit seiner Familie getroffen hat.

Jetzt soll die Familie zu ihrem Recht kommen: Den Entschluss zum Rückzug fasste Oberbürgermeister Kurt Seggewiß zusammen mit Frau Maria und Sohn Jan (vorne, von rechts). Bild: Schönberger
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Alle waren sie ins Rathaus gekommen, um dem Oberbürgermeister zum "Runden" zu gratulieren - und zu hören, wie sich der Jubilar zu seiner Zukunft äußern würde. Diese Bekanntgabe, die er angekündigt hatte, hob er sich für das Ende seiner Rede auf: "Irgendwas war noch ..." Nämlich, dass er "für die Kommunalwahl 2020 nicht mehr zur Verfügung" stehe. Die Entscheidung habe er "im kleinen Kreis" diskutiert und vor allem mit Frau Maria und Sohn Jan getroffen, sagte der Jubilar.

Die bisher zehnjährige Amtszeit sei nicht einfach gewesen, geprägt von Spardiktaten und schwierigen Weidener Mehrheitsverhältnissen im Stadtrat. "In einem Jahr Kommunalpolitik altert man um zwei Jahre", bekannte der Oberbürgermeister. Am Ende der nächsten Amtsperiode wäre er 69. "Ein alter Dackel sein und die Stadt regieren - das möchte ich nicht." Außerdem: "In der ersten Periode bist du gottesfürchtig, in der zweiten gottgleich und in der dritten gottähnlich." So wolle er nicht werden.

Zum Empfang eingeladen hatten die Bürgermeister Jens Meyer und Lothar Höher. Meyer (SPD) wird nun als möglicher Nachfolger für den Chefsessel gehandelt und ist auch der Wunschkandidat von SPD-Mann Seggewiß, wie dieser auf NT-Nachfrage betonte. Welche Bewerber die anderen Parteien ins Rennen schicken, ist noch unklar. Einstweilen äußerten die Politiker durch die Bank Respekt vor der Entscheidung des Oberbürgermeisters, einige auch Bedauern. "Er hat deutlich gemacht, wie anspruchsvoll das Amt ist", sagte Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch, ehemalige Oberbürgermeisterin von Weidens Partnerstadt Annaberg-Buchholz. "Es gehört viel dazu, zur richtigen Zeit diese Entscheidung zu treffen und Nachfolgern den Weg zu bereiten." Unter den Gästen befanden sich auch die Landräte Andreas Meier (Neustadt) und Wolfgang Lippert (Tirschenreuth).

Kurt Seggewiß zieht sich vom Chefposten im Rathaus auch deshalb zurück, weil er der Familie mehr Zeit widmen will. Mit ihr feierte er seinen "Runden" bereits am Samstag. Seit 2007 ist Seggewiß Oberbürgermeister von Weiden. Damals folgte er Hans Schröpf (CSU) nach, der infolge von Verurteilungen wegen Untreue und Steuerhinterziehung zum Nachteil der Stadt zurückgetreten war. In einer Stichwahl setzte sich der Genosse überraschend gegen CSU-Kandidat Lothar Höher durch. Auch 2014 gelang Seggewiß ein Kunststück: Gleich im ersten Wahlgang erhielt er die absolute Mehrheit mit über 52 Prozent - trotz fünf Gegenkandidaten.

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