07.02.2018 - 18:30 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Weidens Partnerstadt in Angst Linke und rechte Gruppen aus ganz Italien wollen Vorfälle in Macerata instrumentalisieren

Es reicht nicht, dass Google beim Suchbegriff "Macerata" schnell die Stichworte "Hass, Schüsse, Bluttat" ausspuckt. In Weidens beschaulicher Partnerstadt ist das gesellschaftliche Klima nach dem Amoklauf eines Neofaschisten und dem grausamen Mord an der 18-jährigen Pamela Mastropietro überaus gereizt.

Macerata. Bild: Mohr
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

"Wir machen uns große Sorgen wegen der Demonstrationen", sagt Andrea Mozzoni, Journalist beim lokalen Fernsehsender EmmeTV. Für heute haben sich die rechtspopulistische Lega mit ihrem polternden Parteichef Matteo Salvini und die ultrarechte Forza Nuova zu einer Kundgebung angemeldet. Ihr Tenor: Der Amoklauf mit Schüssen auf dunkelhäutige Menschen und der Mord an der 18-Jährigen mit nigerianischem Tatverdächtigen seien Auswüchse einer viel zu laxen Ausländerpolitik.

Dies wird nicht ohne Proteste in der liberalen Universitätsstadt abgehen. Einen Vorgeschmack erlebten die Bürger am Dienstagnachmittag. Als bekannt wurde, dass die neofaschistische Bewegung "Casapound" am Mittwoch eine Pressekonferenz in einem Café unter den Rathaus-Arkaden abhalten wollte, stürmten knapp 30 schwarzgekleidete Jugendliche aus der linken Szene das Lokal. Sie zündeten bengalische Feuer und bedrohten die Besitzerin. Es kam zu Rangeleien mitten auf der zentralen Via Gramsci. Die Konferenz ist inzwischen abgesagt.

Am Samstag will die antifaschistische Szene des Landes tausendfach in Macerata Flagge zeigen. "Aus ganz Italien haben sich autonome Gruppen angesagt", erklärt Mozzoni. "Die Stadt wird verbarrikadiert." Vor allem Geschäftsleute haben noch Szenen von der G-20-Randale in Hamburg vor Augen. Vor diesem Hintergrund war Bürgermeister Romano Carancini am Mittwochnachmittag auf der Suche nach einem Weg, die Kundgebungen abzusagen. Vorerst blieb es aber bei einem Appell.

Bei all dem gehen besonnene Aktionen ein bisschen unter. Am Dienstagabend versammelten sich bei strömendem Regen Hunderte im Zentrum, um mit einem Lichterzug friedlich der toten Pamela zu gedenken und ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen. Aufgerufen dazu hatte eine christliche Gruppe.

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